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Momox & Co Den letzten Cent rausholen

Ankaufportale im Netz boomen – aber lohnt sich der Deal auch für die Kunden?

Verkauf im Netz
Allzu viel dürfen Nutzer von Ankaufsplattformen für ihre Ware nicht erwarten. Foto: Moritz Wienert

Wohin mit der Plattensammlung, wenn sich die ganzen alten Songs auch komfortabel im Streamingdienst abspielen lassen? Wohin mit dem Handy, das zwar noch funktioniert, aber zugunsten einer neueren, besseren Version weichen musste? Etwa 105 Millionen Mobiltelefone liegen ungenutzt in Deutschlands Schubladen. Das zumindest schreibt der Re-Commerce-Händler Momox, der sein Geld damit verdient, auch ausrangierte CDs, Bücher, Klamotten oder Spiele aufzukaufen, um diese dann wieder gewinnbringend zu veräußern.

Sicher ist, dass das professionelle Ausmisten mittlerweile zu einem Millionengeschäft geworden ist. Das Berliner Unternehmen Momox etwa erzielte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 150 Millionen Euro. Das Geschäft lohnt sich für die Betreiber – aber gilt das auch für den privaten Verkäufer?

Ob es sich überhaupt rentiert, das Altgerät einzuschicken, lässt sich ganz einfach herausfinden. Auf den Online-Plattformen sind die Preisvorschläge für den Ankauf gängiger Produkte aufgelistet, oder es gibt die Möglichkeit, den Barcode einzuscannen. Anschließend bekommt man angezeigt, wie viel für das Produkt noch geboten wird. Die Anbieter richten sich dabei nach dem jeweiligen Marktwert.

Der Preis fällt und steigt, je nachdem wie alt der Gegenstand ist und wie viele Gebrauchsspuren er aufweist. „Die Angaben sollten immer wahrheitsgemäß gemacht werden, denn ansonsten hat man seine zerkratzte CD oder das kaputte Handy im Zweifel umsonst eingeschickt“, sagt Maike Lück vom Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Brandenburg. Denn die Anbieter prüfen den eingesandten Gegenstand erst noch einmal. Erst, wenn festgestellt wurde, dass dieser den gemachten Angaben entspricht, wird der angegebene Preis bestätigt Kunden und überwiesen.

Die Plattformen finanzieren sich dadurch, dass sie an dem Verkauf der Waren mitverdienen – wie viel, das ist Betriebsgeheimnis. Doch hat das natürlich Auswirkungen darauf, was für den privaten Verkäufer am Ende übrig bleibt. Das Vergleichsportal trusted.de hat mehrere Ankaufplattformen getestet. Demnach können Verkäufer mit bis zu 67 Prozent des Neuwertes rechnen – im besten Fall. Dieser Preis ist aber nur dann rauszuholen, wenn das Gerät nahezu nagelneu ist. Häufiger pendelt sich der Gewinn bei unter 50 Prozent des Neuwertes ein. Bei Büchern springen oft nur ein paar Cent heraus.

Im Gegenzug fallen aber andere Kosten weg: Verkaufsgebühren oder Kosten für Flohmarktstände gibt es nicht. Auch den Versand übernehmen in der Regel die Portale, meist dann, wenn die Ware einen Mindestwert überschritten hat, ähnlich wie bei anderen Onlineshops. Viele bieten auch die Möglichkeit an, die Pakete von DHL oder Hermes von zu Hause abzuholen.

Von den Dingen, die angenommen werden, ist fast alles dabei: Bücher und Kleidung bis hin zu Smartphones oder anderen technischen Geräten. Nicht so leicht verkaufen lassen sich allerdings Uraltmonster wie VHS-Kassetten, die im Zweifel keinen Abnehmer mehr finden.

Unter vielen seriösen Anbietern finden sich auch ein paar schwarze Schafe. Eine repräsentative Umfrage der Verbraucherzentralen von Februar dieses Jahres ergab, dass acht Prozent der Internetnutzer ab 18 Jahren schon einmal etwas auf einer Online-Ankaufplattform verkauft haben. 40 Prozent sagten allerdings, dass sie hinterher einen niedrigeren Preis hinnehmen mussten, als anfangs auf der Plattform angegeben.

Die Beschwerden haben laut der Verbraucherzentrale zugenommen. „Das häufigste Problem ist, dass Anbieter auf ihren Webseiten zunächst einen Preis für die gebrauchten Produkte der Verbraucher nennen, diesen dann jedoch oftmals nach unten korrigieren, nachdem die Waren eingegangen sind und begutachtet wurden“, so Lück. Nach einer Abmahnung besserten vier Anbieter nun nach, eine weitere Plattform hat sich aus dem Markt zurückgezogen.

Umso wichtiger ist es, die Bedingungen des jeweiligen Portals vorher genau unter die Lupe zu nehmen und sich eventuell Erfahrungsberichte anderer Kunden anzuschauen oder nach Gütesiegeln der Webseiten Ausschau zu halten.

Dabei sind folgende Fragen wichtig: Unter welchen Umständen kann der Preis nach Prüfung der Ware angepasst werden? Was passiert mit der Ware, wenn sie abgelehnt wird? Muss der Kunde gegebenenfalls selbst für den Rückversand aufkommen oder wird die Ware gar ohne Bezahlung einbehalten? „Es empfiehlt sich außerdem, vorher ein Foto des eingesandten Artikels zu machen, um den Zustand des Gerätes einwandfrei dokumentieren zu können“, so Lück. So könne etwaigen Diskussionen über den Zustand des Gegenstandes zuvorgekommen werden. Nach solchen Fragen bewerten auch Vergleichsportale wie beispielsweise wer-zahlt-mehr.de.

Zu den Ankaufplattformen zählen nicht jene Portale, bei denen man seine gebrauchten Gegenstände selbst einstellen kann, wie beispielsweise bei Ebay. Denn der Unterschied zu diesen Webseiten ist, dass der Anbieter bei Ankaufplattformen vom Verkaufsprozess völlig ausgenommen ist. Das heißt, er muss nicht warten, bis er einen Käufer findet, nicht feilschen und kann seine ausrangierten Teile bei Allroundplattformen zu einem einzigen Paket zusammenschnüren und aufkaufen lassen. Er muss also nicht für jedes einzelne Produkt einen neuen Besitzer finden. Der Verkaufsprozess geht in der Regel also reibungsloser und schneller. Es kann also eine bequeme Art sein, seine Schubladen zu entrümpeln. Mehr Geld rausschlagen lässt sich aber, wenn man die Dinge selbst verkauft.

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