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Mode Kein schöner Sommer

Die Menschen haben die warme Zeit genossen. Sie dauerte in diesem Jahr von April bis September. Für das Geschäft der Mode- und Bekleidungsbranche war das verheerend. Reihum melden Unternehmen schlechte Zahlen.

Hennes&Mauritz
Modenschau von Hennes&Mauritz im Februar in Paris. Foto: H&M

Ein leichtes Kleid, kurze Hose und T-Shirt oder gleich Bikini und Badehose – der Sommer war dieses Jahr heiß und lang. Das hat auch Auswirkungen auf die Wahl der Kleidung, und zwar nicht nur jeden Morgen, sondern auch, wenn es ums Shoppen geht. Für viele Modeunternehmen war der schöne Sommer deshalb ein Verlustgeschäft. Wer denkt bei 30 Grad im September schon an den Kauf von Winter- oder Herbstkleidung? Noch schlimmer traf es die Modeunternehmen jedoch im Frühling. Der April 2018 war der heißeste, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. Von der dicken Winterjacke ging es direkt über zum T-Shirt- und Pulloverwetter. Übergangsjacke, Übergangsschuhe – denkt man an das Wetter der vergangenen sechs Monate, scheinen diese Kleidungsstücke fast wie aus der Zeit gefallen.

Reihenweise melden die Mode-unternehmen nun schlechte Geschäfte. Die Hamburger Modekette Tom Tailer gab am Donnerstag bekannt, dass sie ihre bisherigen Ziele für das laufende Jahr nicht erreicht. Das Unternehmen erwartet einen Umsatzrückgang von bis zu neun Prozent auf 840 Millionen Euro. Bisher hatte das Modeunternehmen nur mit einem leichten Umsatzrückgang gerechnet. An der Börse wurde die Gewinnwarnung nicht gut aufgenommen: Die Tom-Tailer-Aktie fiel am Donnerstag um knapp 17 Prozent.

Zuvor hatten bereits das Modeunternehmen Gerry Weber, der Herrenausstatter Ahlers und der Online-Modehändler Zalando gemeldet, dass ihnen der lange Sommer Probleme bereitet. Beim Einzelhändler Hallhuber, einer Tochter von Gerry Weber, ging der Umsatz im dritten Quartal um 8,1 Prozent auf 43,9 Millionen Euro zurück.

Zalando hatte am Montagabend mitgeteilt, dass das Management die Gewinn- und Umsatzprognose deutlich gesenkt hat. Wegen der Hitzewelle und dem späten Start in die Herbst- und Wintermodesaison habe man weniger verkauft, höhere Rabatte einräumen müssen und darüber hinaus steigende Abwicklungskosten gehabt, so Zalando.

Vor allem die Gewinnaussichten korrigierte Europas größter Online-Modehändler signifikant. Das Unternehmen rechnet im Gesamtjahr jetzt damit, nur noch ein Umsatzplus am unteren Ende der angestrebten 20 bis 25 Prozent erzielen zu können. Beim bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern würden 2018 nur noch 150 bis 190 Millionen Euro erwartet, teilte der Konzern mit. Bisher peilte das Unternehmen zumindest noch das untere Ende der Spanne von 220 bis 270 Millionen Euro an. Der Börsenwert des Unternehmens fiel daraufhin am Dienstag zeitweise um ein Fünftel auf 33,47 Euro, der tiefsten Stand seit Sommer 2016. Eine ähnliche Reaktion gab es bereits Anfang August, als Zalando schon einmal die Ziele für das Jahr senken musste – die Aktie verlor damals innerhalb von zwei Tagen bis zu elf Prozent an Wert.

Dass das extreme Wetter der Modebranche in diesem Jahr ordentlich zu schaffen macht, sagt auch Axel Augustin vom BTE Handelsverband Textil im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau: „Fast alle Frühlingsmode ist in den Läden hängen geblieben, weil das Wetter direkt von Winter in den Sommer überging – um die Sachen noch loszuwerden, gab es dann sehr viele Rabattangebote.“

Doch der heiße Sommer führte nicht nur zu kaufmüden Kunden. „Die Sommersachen sind dieses Jahr sehr gut verkauft worden“, erklärt Augustin. „Ein T-Shirt kostet aber nicht mal halb so viel wie eine Jacke. Das ist ein Problem für die Unternehmen: Ein T-Shirt bringt im Vergleich viel weniger Umsatz.“

Dass sich Unternehmen künftig besser auf anhaltende Hitze- oder Kältewellen einstellen und so Verluste vermeiden können, sei schwierig, meint der Handelsexperte: „Das Problem ist, dass fast die ganze Modebranche mindestens ein halbes Jahr im Voraus Ware einkauft. Zu diesem Zeitpunkt ist noch völlig unklar, wann der Herbst kommt oder wie lange der Frühling anhält.“

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