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„Mit dem E-Auto ändert sich mehr als man denkt“

Günther Schuh, Professor und Chef des Pkw-Herstellers e.GO Mobile, über Risikofreude und innovative Ideen für Politik und Arbeitnehmer.

Günther Schuh
Günther Schuh ist Professer für Produktionstechnik in Aachen und Chef des Pkw-Herstellers e.GO Mobile. Foto: Privat

Zum Inventar seines Büros an der RWTH Aachen gehört eine Sammlung von Kuscheltieren aus Disney-Animationsfilmen. Günther Schuh ist nicht nur Professor für Produktionstechnik an der renommierten Hochschule in Aachen. Er ist auch der Chef der Firma e.GO Mobile, die ein Stadtauto mit E-Antrieb entwickelt hat. Seine Mission: Er will der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen. Mehr als 2000 Bestellungen liegen für den e.GO Life bereits vor – jedes Exemplar bekommt einen Namen. Die Kuscheltiere sollen bei der Namensgebung helfen.

Was machen Sie mit den vielen Kuscheltieren in Ihrem Büro?
Wenn Sie bei uns ein Auto bestellen, fragen wir Sie als erstes, wie es heißen soll.

Jedes Ihrer Autos hat einen Namen?
Ein Auto ist auch nur ein Mensch. Im Ernst: Für viele ist das Auto etwas zwischen Haustier, Kuscheltier und Tamagotchi. Wir helfen den Kunden mit den Kuscheltieren aus Disney-Filmen bei der Namensgebung. Mein Lieblingstier ist Simba, der König der Löwen. Das passende Kuscheltier wird mit dem Auto ausgeliefert. Wir wollen die Mutigen belohnen, die schon jetzt mehr als 2000 Autos bestellt haben. Alle Besteller haben deshalb auch vor Weihnachten eine blaue e.GO-Tasse bekommen.

Lightning McQueen, der Held aus dem Film „Cars“, ist auch dabei?
Unser roter Prototyp heißt so. Die ersten beiden Prototypen heißen Tom und Jerry. Das Emotionale spielt eine wichtige Rolle beim Auto. Und wir kommen mit unseren Kunden ins Gespräch. So haben wir aufgrund von Rückmeldungen einiges korrigiert: zum Beispiel kamen große Menschen beim Einsteigen nur schwer an der Lenksäule vorbei. Das wurde bemängelt. Die Lenksäule wurde inzwischen etwas angehoben. Sie müssen bedenken: Wir betreten Neuland. Man muss Nutzungserfahrung sammeln. Mit dem E-Auto ändert sich mehr, als man zunächst denkt.

Etwa beim Stromtanken?
Da fällt es am deutlichsten auf. Die Debatte über Ladesäulen ist schräg. Denn als normaler E-Autofahrer fährt man nicht tanken. Stromtankstellen brauchen Sie nur, wenn Sie sich einmal vertan haben oder wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht.

Mit Ihrem e.GO-Projekt lassen Sie sich auf vieles ein, das schwer vorhersehbar ist. Warum machen Sie, wozu sich Daimler, Volkswagen und BMW nicht trauen? Zumal Sie von Haus aus nicht Autobauer, sondern Produktionstechniker sind.
Produktionstechniker sind dafür da, alle noch so schönen Produkte irgendwie bezahlbar zu machen. Bei unserem Projekt haben wir zunächst die Architektur des Autos mit seiner Größe und seinem Leistungsbereich definiert. Und ich hatte zuvor schon ein Modulkonzept für Elektroautos entwickelt. Wir haben ein Chassis aus Aluminium- und Stahl-Profilen, die mit Plastikteilen beplankt werden, die nichts tragen. Hinzu kamen ein paar wichtige Entscheidungen wie ein Heckantrieb, da Sie dadurch wegen des hohen Drehmoments des Motors mit einem viel kleineren Aggregat auskommen, als bei einem Frontantrieb.
 
Aber das Auto muss doch auch gut aussehen?
Ganz bestimmt. Und es muss die Bequemlichkeit eines SUV haben mit der höheren Sitzposition und der bequemen Höhe beim Ein- und Aussteigen. Es ist deshalb nur zwei Zentimeter flacher als ein Porsche Macan. Es muss zugleich kraftvoll aussehen.

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