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Mindestlohn Ein paar Cent mehr, immer noch unwürdig

Die Tariflohnentwicklung auf den Mindestlohn anzuwenden reicht nicht aus. Die unteren Lohngruppen brauchen ein stärkeres Plus. Denn noch immer liegt der gesetzliche Mindestlohn unter der Armutsgrenze. Ein Kommentar.

Friseurin
Waschen, schneiden, föhnen – im Friseurhandwerk wird häufig für den Mindestlohn gearbeitet. Foto: Imago

Die Mindestlohnkommission hat entschieden: Im kommenden Jahr sollen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland mindestens 9,19 Euro pro Stunde verdienen. Dieses Ergebnis war so absehbar, wie es unbefriedigend ist.

Die Kommission wendet – wie vom Gesetz vorgegeben – einfach die Tariflohnentwicklung auf den Mindestlohn an und kommt so zu ihrem Ergebnis. So kann es nicht weitergehen. Die unteren Lohngruppen brauchen ein stärkeres Plus. Denn noch immer liegt der gesetzliche Mindestlohn unter der Armutsgrenze. Das ist unwürdig.

Außerdem vergrößert der Mechanismus die Lücke zwischen Besser- und Schlechtverdienern. Denn für einen Mindestlohnempfänger bedeutet ein Lohnplus von 4,8 Prozent eben nur ein paar Cent mehr, konkret 0,42 Euro. Wer hingegen besser verdient und für jede Arbeitsstunde zum Beispiel 27 Euro bekommt, der hat bei derselben prozentualen Steigerung 1,30 Euro mehr.

Dass eine stärkere Mindestlohnerhöhung Arbeitsplätze gefährden würde, ist natürlich nicht auszuschließen. Andererseits war der Sprung von der Vormindestlohnzeit in die Mindestlohnzeit deutlich größer; die Stundenlöhne mussten teils von fünf auf 8,50 Euro angehoben werden. Das oft befürchtete Blutbad blieb damals aus – stattdessen zogen Konsum und Beschäftigung an.

Nun muss Bundesarbeitsminister Hubertus Heil handeln. Er sollte den gesetzlichen Auftrag der Mindestlohnkommission so anpassen, dass sie darauf hinarbeitet, die Lohnschere zu schließen und Armut zu bekämpfen. Von einem Sozialdemokraten sollte das nicht zu viel verlangt sein.

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