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Migräneattacken App gegen Kopfschmerz

Das Smartphone hilft Patienten gegen Migräneattacken und Ärzten bei der Erstellung eines wirksamen Therapieplans.

Kopfschmerzen
App sei Dank: weniger Medikamente nötig. Foto: imago

Der Markt für Gesundheits-Apps boomt. Hunderttausende Anwendungen stehen auf den digitalen Plattformen zur Verfügung. Doch bei den meisten sind weder Nutzen noch Effizienz belegt, weshalb sie zunehmend als Spielerei wahrgenommen werden. Doch es gibt inzwischen auch Programme, deren Wirksamkeit nachgewiesen wurde. Dazu gehört eine seit Ende 2016 erhältliche Migräne-App, die von Medizinern der Schmerzklinik Kiel und Experten der Techniker Krankenkasse entwickelt wurde. Laut einer am Dienstag veröffentlichen Studie kann die App tatsächlich helfen, die Belastung mit Kopfschmerzen deutlich zu senken.

Kopfschmerz ist eine Volkskrankheit. 67 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer leiden regelmäßig darunter, insgesamt 50 Millionen Menschen. Fünf Prozent der Bevölkerung, das sind vier Millionen Menschen, haben sogar täglich Kopfschmerzen. Kennzeichen einer Migräne sind besonderes starke Kopfschmerzattacken, die meist zusammen mit weiteren Symptomen wie Sehstörungen, Übelkeit oder Lärm- und Lichtempfindlichkeit auftreten.

Die unter Federführung des Kieler Schmerzexperten Hartmut Göbel entwickelte App dient im Wesentlichen zur unkomplizierten Erfassung des Verlaufs von Kopfschmerzen. Für den behandelnden Arzt ist diese Dokumentation eine wichtige Grundlage für die Aufstellung eines Therapieplans und die Erfolgskontrolle.

Die App gibt zudem konkrete Hinweise an die Patienten, durch geeignetes Verhalten eine Migräne-Attacke zu verhindern oder zu lindern. Dazu gehören beispielsweise kontrollierte Entspannungsübungen oder das regelmäßige Essen und Trinken. Nach Angaben von Göbel wird die kostenlos angebotene App, die von jedermann heruntergeladen werden kann, derzeit von 136 000 Menschen genutzt.

Eine repräsentative Befragung von knapp 1500 Nutzern ergab, dass der Gebrauch der App den behandelnden Arzt unterstützen und den Betroffenen helfen kann. Die Zahl der Schmerztage sank deutlich. So leiden die Nutzer im Schnitt rund drei Tage im Monat weniger an Kopfschmerzen als ohne die App – durchschnittlich an zehn statt an 13,3 Tagen im Monat. Das ist ein Rückgang um 25 Prozent. Dazu nannte Göbel einen Vergleich: Nach internationalen Studien könnten die meisten vorbeugenden Kopfschmerzmittel die Anzahl der Schmerztage lediglich um ein bis zwei Tage senken. Zudem bewirkte die App, dass die Zahl der Tage, an denen Akutmedikamente eingenommen werden mussten, reduziert werden konnte, und zwar von acht auf sieben.

„Die Migräne-App zeigt, dass gut gemachte digitale Angebote in der Gesundheitsversorgung wirklich etwas bringen“, sagte Chef der Techniker Kasse (TK), Jens Baas. Er will die App in die digitale Gesundheitsakte der TK integrieren, um weitere Daten für eine bessere Behandlung zu verknüpfen. Die Krankenkassen müssten die Digitalisierung vorantreiben und aktiv gestalten, forderte er. „Wenn wir das nicht machen, bieten Google oder Apple derartige Dienste an und die sensiblen Gesundheitsdaten landen bei diesen Konzernen“, warnte er: „Der Datenschutz spielt bei vielen Menschen keine Rolle mehr, so lange es bequem ist.“

Baas verlangt darüber hinaus eine Risikoklassifizierung von Gesundheits-Apps. „Im Gegensatz zu vielen anderen Programmen sind Gesundheits-Apps kein Spielzeug“, mahnte er. Entsprechende Modelle lägen bereits vor. Damit Versicherte frühzeitig von innovativen Digitalprodukten profitieren könnten, seien aber auch befristete Zulassungen nötig. In diesem Zeitraum müssten die Hersteller dann den definitiven Nutzennachweis erbringen, schlug der TK-Chef vor.

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