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Mieten Vonovia geht auf Mieter zu

Das Wohnungsunternehmen will nach Protesten gegen Mieterhöhungen Gebäude seltener dämmen.

Berlin
Siedlung der Vonovia im Afrikanischen Viertel in Berlin Wedding. Foto: imago

Deutschlands größtem Wohnungskonzern Vonovia geht es gut. Die Gewinne sollen auch im nächsten Jahr weiter steigen. Zugleich zeigt Vorstandschef Rolf Buch Verständnis für die Sorgen seiner Mieter – zumindest auf den ersten Blick. Buch kündigte an, energetische Modernisierungen von Gebäuden und auch die damit verbundenen Mieterhöhungen stark zurückzufahren. Er begründete das mit einer „dramatisch zurückgegangenen gesellschaftlichen Akzeptanz“ für die Aufschläge.

Vonovia hat in der Vergangenheit stark darauf gesetzt, Wohngebäude aus den 1950er bis 1970er Jahren mit zusätzlicher Wärmedämmung oder neuen Fenstern zu versehen. Damit sollten Heizkosten gedrückt und die CO2-Bilanz verbessert werden. Die Aufwendungen dafür wurden anteilig auf die Mieter des Hauses umgelegt. Die Erhöhungen hatten im Schnitt jährlich sieben Prozent der Kosten ausgemacht. Zum Teil machte das Plus aber dann doch mehr als drei Euro pro Monat und Quadratmeter aus. Das führte zu massiven Protesten von Mietern.

Buch betonte, die CO2-Bilanzen würden nun vielfach nicht verbessert, obwohl ein grundlegender Sanierungsbedarf vorliege. Denn: „Es nutzt nichts, wenn die Leute es nicht wollen.“ Er will die Investitionen für energetische Sanierungen um 40 Prozent zusammenstreichen. Absolute Zahlen nannte er nicht.

Die Modernisierungen sind bei Mieter- und Verbraucherschützern umstritten. Unter anderem in Berlin wurde zuletzt nachgewiesen, dass Heizkosten durch zusätzliche Dämmung kaum gesenkt werden konnten. „Wir haben nichts gegen Sanierungen, aber sie müssen auch effektiv sein“, sagte Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes in NRW. Bislang gebe es keine Bestimmungen, die Vermieter dazu zwingen, den Nutzen solcher Maßnahmen nachzuweisen. Das müsse dringend nachgeholt werden. Dann könnten die Mieterhöhungen an die tatsächlich eingesparten Betriebskosten gekoppelt werden.

Der Hintergrund: Die gesetzlichen Restriktionen für Mieterhöhungen sind relativ streng. Es kursiert die Vermutung, dass deshalb häufig Modernisierungen als Vorwand genutzt werden, um Aufschläge zu rechtfertigen.

Allerdings hat die Bundesregierung inzwischen das Mietrecht verschärft: Von 2019 an dürfen jährlich maximal nur noch acht Prozent der Sanierungskosten für ein Wohnhaus auf deren Bewohner per Mieterhöhung umgelegt werden – bislang waren es elf Prozent. Gottschalk hält angesichts des niedrigen Zinsniveaus vier Prozent für angemessen.

Höhere Mieteinnahmen spielen eine entscheidende Rolle

Indes werden die Aufschläge künftig auf höchstens drei Euro pro Quadratmeter und Monat begrenzt. Bei Wohnungen mit einer Kaltmiete von weniger als sieben Euro pro Quadratmeter sind sogar nur zwei Euro erlaubt. Branchenkenner vermuten, dass letztere Beschränkung für Vonovia bedeutet, dass sich Sanierungen vielfach nicht mehr rentieren und dass auch aus diesem Grund das Modernisierungsprogramm zusammengestrichen wird. Wobei der Vonovia-Chef angekündigt hat: Dort, wo sein Unternehmen noch Sanierungen durchführe, werde es keine Erhöhungen mehr über zwei Euro geben – er will Mieter nicht vergrämen. Besonders in weniger attraktiven Kommunen ist es für den Konzern oft schwer, Mieter zu finden.

Gleichwohl hat sich das im Dax notierte Unternehmen, dem mehr als 400 000 Wohnungen gehören, vorgenommen, die Gewinne aus der betrieblichen Tätigkeit 2019 zu steigern, und zwar um 15 Prozent auf fast 1,2 Milliarden Euro. Höhere Mieteinnahmen spielen da eine entscheidende Rolle. Doch die sollen künftig bei Neubauten und bei in diesem Jahr neu erworbenen Wohnungen in Schweden realisiert werden – dort ist nach Buchs Worten die Akzeptanz für Dämmung und Ähnliches deutlich größer als hierzulande.

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