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Microsoft übernimmt Skype Torschlusspanik 2.0

Der Kauf des Online-Telefondienstes Skype durch Microsoft für sage und schreibe 8,5 Milliarden Dollar steht sinnbildlich für die jüngste Entwicklung in der Branche: Internetfirmen stehen wieder hoch im Kurs. Ein Schnäppchen konnte Microsoft daher nicht mehr machen.

10.05.2011 17:40
Anna Sleegers
Microsoft übernimmt Skype: Microsoft CEO Steve Ballmer (Archivbild) Foto: AFP

Das Gedächtnis der Investoren ist offenbar kurz. Gut zehn Jahre, nachdem der Techno-Crash an der Wall Street und am Neuen Markt Vermögen vernichtete, schaukeln sich die Preise für Internetfirmen wieder in die Höhe. Jüngstes Beispiel ist der defizitäre Online-Telefondienst Skype, für den der US-Konzern Microsoft sage und schreibe 8,5 Milliarden Dollar in bar bezahlt.

Mit Skype kann man rund um den Globus gratis telefonieren. Wer über eine spezielle Kamera verfügt, die es in jedem Elektronikladen für ein paar Euro gibt, kann seinem Gesprächspartner dabei sogar in die Augen schauen. Eine gut funktionierende Technologie, die nach Einschätzung von Experten allerdings relativ leicht zu kopieren ist. Ein paar Geschäftskunden bezahlen den Skype-Dienst auch, aber das fällt kaum ins Gewicht. Rechtfertigt dieses Geschäftsmodell einen derart hohen Kaufpreis?

Mit der Antwort tun sich die meisten Analysten schwer. Ob ein Kaufpreis hoch oder niedrig ist, versuchen sie im allgemeinen herauszubekommen, indem sie ihn mit den Beträgen vergleichen, die für vergleichbare Unternehmen bezahlt wurden. Dafür muss man zunächst den Kaufpreis ins Verhältnis zum Jahresgewinn setzen. Je nachdem, wie oft der Jahresgewinn in den Kaufpreis passt, spricht man von einem teuren oder einem günstigen Kauf.

Für Facebook bezahlten Investoren zuletzt schätzungsweise das 151-fache des Gewinns, den das Unternehmen allerdings nicht ausweist. Das deutsche Karrierenetzwerk Xing, seit 2006 an der Börse notiert, ist den Anlegern derzeit das 34-fache des Gewinns wert. Und sein großer US-Konkurrent Linkedin hofft, beim geplanten Börsengang gar das 194-fache des Jahresgewinns herauszuholen. Für Skype lässt sich diese Rechnung allerdings leider nicht aufmachen, weil das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust machte.

Aber womit soll man die Übernahme sonst vergleichen? „Vielleicht am besten mit dem letzten Mal, als Skype verkauft wurde“, sagt Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Macquarie Research.

Das Anfang des Jahrtausends gegründete Unternehmen wechselte sogar bereits zweimal den Besitzer: Im Jahr 2005 übernahm das Online-Auktionshaus Ebay das Start-up-Unternehmen für 3,1 Milliarden Dollar. Nach dem erfolglosen Versuch, den Telefondienst in das Ebay-Angebot zu integrieren, sollte Skype eigentlich an die Börse gehen. Doch das Klima für Börsengänge war in der Finanzkrise rau, weshalb das Unternehmen mehrheitlich an eine Investorengruppe ging. Dabei wurde Skype mit 2,75 Milliarden Dollar bewertet, obwohl die Nutzerzahl in den Jahren bei Ebay rasant angestiegen war. Nun zahlt Microsoft mehr als dreimal so viel, was dafür spricht, dass der Konzern auf starkes Wachstum hofft.

Angesichts der neu entflammten Internet-Euphorie wäre Microsoft mit einem niedrigeren Preis wahrscheinlich kaum zum Zuge gekommen. Und der Konzern kann es sich leisten. Ob sich der Kauf gelohnt hat, wird erst die Zeit weisen. Dafür spricht die hohe Zahl von Skype-Nutzern. Mit 663 Millionen registrierten Kunden sticht das Unternehmen sogar den Überflieger Facebook aus. Und gemessen an dieser Zahl ist die Übernahme sogar vergleichsweise günstig. Microsoft zahlt pro Skype-Nutzer 12,70 Dollar. Die Nutzer von Facebook waren den Investoren zuletzt fast fünfmal so viel wert.

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