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Michael Hudson „Amerikaner sahen in Trump das kleinere Übel“

Der Ökonom Michael Hudson spricht im Interview über die Paradise Papers, Donald Trump und den Umgang mit Schulden.

Michael Hudson
Der Ökonom Michael Hudson. Foto: Markus Wächter

Michael Hudson ist einer der bekanntesten Kritiker unserer Wirtschaftsordnung. Er wuchs in einer linken Familie auf – Trotzki war sein Pate, sein Vater saß als sozialistischer Agitator im Gefängnis, seine Tante, so erzählte er vor Jahren, bewahrte den Eispickel auf, mit dem der russische Revolutionär von Stalins Leuten ermordet wurde. Zum Interview bittet Hudson ins Arte Luise Kunsthotel in Berlin.

Vor einhundert Jahren...
Die russische Revolution? Sie warf die seit mehr als einhundert Jahren sich entwickelnden progressiven Versuche aus der Spur und für ein halbes Jahrhundert zurück. Wie wir alle beobachten können, ging das letzte Stadium des Stalinismus dann über in eine Kleptokratie.

Und Stalins Sieg über Hitler?
Zunächst einmal hatte er die deutschen Kommunisten aufgefordert, mit Hitler gemeinsame Sache zu machen. Das war 1931. Hintergrund war: Die Nazis waren gegen den Versailler Vertrag und Stalin hatte keine Lust für die Schulden des Zarismus aufzukommen. Stalin bekämpfte die sozialistische Bewegung überall auf der Welt.

Was meinen Sie zu den Paradise-Papers?
Das einzig Überraschende daran ist die öffentliche Überraschung. Sie müssen wissen: Es waren die Regierungen, die diese sogenannten „Schlupflöcher“ eingerichtet haben. Als ich Mitte der sechziger Jahre bei der Chase Manhattan Bank arbeitete, hatten die USA ein großes Zahlungsbilanzdefizit. Ursache war der Vietnamkrieg. Die USA wollten noch nicht weg von der Bindung des Dollars ans Gold. Das geschah erst 1971. Damals wollten die USA, dass möglichst viel Geld in den Dollar ging. 1967 kam ein Vertreter der Regierung zu mir und wollte wissen, wie viel kriminelles Geld es in der Welt gab.

Warum ging es um kriminelles Geld?
Das ist am flüssigsten. Es steht bar zur Verfügung, weil es nur schwer legal anzulegen ist. Ich gab ihm die Zahlen. „Das Geld wollen wir haben!“, sagte er und ging damit zu David Rockefeller, dem Chef der Chase Manhattan Bank und besprach mit dem, wie man das kriminelle Geld in den Dollar locken könnte. So wurden die karibischen „Schlupflöcher“ und für den Weg an die Londoner Börse die Adressen auf den Kaimaninseln eingerichtet. Die karibischen Niederlassungen der US-Banken schickten das eingesammelte kriminelle Geld an ihre Zentralen. Es war nicht mehr in der Schweiz, sondern im Dollar. Der kam so wieder auf die Beine. Mission completed.

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