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Metallklau bei der Deutschen Bahn 500 Tonnen Schienen im Angebot

Metallklau hat bei der Bahn seit Jahren Konjunktur. Doch nun dreht der Trend: Der Polizei gelingt es immer häufiger, Diebe zu fassen. Laut einer Statistik wird jeder fünfte Räuber erwischt.

Die Schienen der Deutschen Bahn sind bei Metalldieben heiß begehrt. Foto: dpa

Es war am helllichten Tage, als sich die fünf Männer an der Bahnstrecke zwischen Falkensee und Brieselang im Land Brandenburg zu schaffen machten. Sie rissen rund 300 Meter Signalkabel aus der Erde, zerschnitten es und luden die Teile auf einen Kleintransporter. Alles lief wie geschmiert. Doch plötzlich fuhr sich der gut gefüllte Transporter fest. Ein Zeuge beobachtete das Geschehen und informierte die Polizei. Die konnte die Diebe kurz darauf auf frischer Tat ertappen. Am Tatort fanden sie zerschnittene Kabel, Bolzenschneider und anderes Schneidwerkzeug.

Kabel und Kupferdächer

Metallklau hat seit Jahren Konjunktur in Deutschland. Gullydeckel, Kupferdachrinnen, Grabplatten – nichts ist vor Metalldieben sicher. Selbst Brücken oder Kupferdächer wurden schon demontiert. Am stärksten von Beutezügen betroffen ist die Deutsche Bahn. Dort haben es die Diebe in der Regel auf die kupfernen Erdungs-, Signal- oder Fernmeldekabel und auf Schienen abgesehen. „Allein in den vergangenen beiden Jahren haben wir durch Diebstähle dieser Art einen Sachschaden von 25 Millionen Euro erlitten“, sagte der für die Konzernsicherheit zuständige Bahn-Vorstand Gerd Becht dieser Zeitung.

Zählte der Konzern 2010 insgesamt 2026 Fälle von Buntmetall-Diebstahl, waren es im Jahr darauf sogar 3049. Viel größer als der Sachschaden seien die Folgekosten, etwa durch Zugverspätungen, Streckensperrungen, Ersatzverkehre. Im Vorjahr summierten sich durch Metall-Diebstahl verursachte Zugverspätungen auf 155.000 Minuten.

Erfreulicher Trend

Doch seit einigen Monaten sieht Becht einen erfreulichen Trend: „Die Zahl der Delikte geht deutlich zurück“, sagte er. „In den ersten vier Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Delikte gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 25 Prozent gesunken.“ Die Zahlen decken sich mit der Statistik der Bundespolizei. „Auch wir stellen bundesweit einen Rückgang der Metalldiebstähle fest“, sagte Sprecher Ivo Priebe. „Es gelingt uns immer häufiger, Diebe zu fassen.“

Laut Statistik wird jeder fünfte Räuber erwischt. Dies habe mit den vorbeugenden Maßnahmen von Bundespolizei und Bahn zu tun, die nun endlich griffen. „Wir bekommen heute häufiger Hinweise von Bahnmitarbeitern, wenn ihnen unterwegs Verdächtiges auffällt“, lobt Priebe. „Dadurch sind unsere Kollegen schneller am Tatort.“

Die Bahn hat Streifen verschärft

Die Bahn hat zudem die Streifen an Bahnstrecken und Anlagen verschärft und Täter mit der vor einem Jahr eingeführten künstlichen DNA abgeschreckt: Auf die zu schützenden Metallteile werden witterungsbeständige Partikel gesprüht. Die Flüssigkeit enthält einen Code, der unsichtbar ist, sich aber mit Hilfe eines Mikroskops entziffern lässt. Damit können Tatort und Besitzer rückverfolgt werden. Zudem hat die Bahn für mehrere Millionen Euro neue Erdungskabel eingekauft und verbaut. Die bestehen aus Aluminium statt Kupfer und sind dank einer Stahlummantelung nicht mehr mit einem Bolzenschneider durchzutrennen.

Dies alles hat sich offenbar ausgezahlt. An diesem Montag wollen Bahn und Bundespolizei auf einem sogenannten Buntmetall-Gipfel weitere gemeinsame Maßnahmen erörtern. Von einer Trendwende bei Metalldiebstählen will die Bundespolizei indes noch nicht sprechen. „Wir sehen die Entwicklung eher als Momentaufnahme“, so Sprecher Priebe.

Metalldiebe sind quer in ganz Deutschland unterwegs

Denn trotz all der Maßnahmen sind nach wie vor Metalldiebe quer in ganz Deutschland häufig unterwegs. Mit Kupfer und Eisen lässt sich gutes Geld verdienen. In den vergangenen vier Monaten pendelte der Kupferpreis an den Rohstoffmärkten um 8?500 Dollar (6?800 Euro) pro Tonne. In der Spitze lag der Preis Anfang 2011 bei 100000 Dollar, doppelt so hoch wie 2009. Aktuell liegt der Kupferpreis bei 7?361 Dollar.

Entwarnung will Becht deshalb nicht geben. „Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres ist uns ein Sachschaden von 3,5 Millionen Euro entstanden“, so der Bahn-Vorstand. Derzeit hätten es Diebe vor allem auf Schienen abgesehen. Der krasseste Fall wurde 2011 in Baden-Württemberg aufgedeckt. Dort hatte ein Täter 500 Tonnen Schienen zum Verkauf angeboten.

In Rotterdam verschifft

Hochburgen der Metalldiebe sind Magdeburg, Leipzig, Halle, Essen und Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres 176 Diebstähle registriert, so viele wie in keinem anderen Bundesland. Es wird vermutet, dass die Diebe den Hafen Rotterdam nutzen, um ihr Diebesgut ins Ausland zu verschiffen. Mit Sachsen (136 Fälle), Sachsen-Anhalt (111), Brandenburg (80) und Mecklenburg-Vorpommern (65) folgen in dem traurigen Ranking gleich vier ostdeutsche Länder.

Dass die meisten Diebe in den neuen Ländern ihre Ware nach Osteuropa bringen, dort einschmelzen und weiter verkaufen, wollte Priebe nicht bestätigen: „Unter den Tätern finden sich Deutsche ebenso wie Ausländer.“ Der Täterkreis sei kunterbunt. Er reiche von organisierten Banden bis zum Kleinkriminellen mit Bollerwagen und Bolzenschneider.

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