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Metall-Industrie Arbeitgeber müssen sich bewegen

Die IG Metall stellt Bedingungen für die neue Verhandlungsrunde am Montag.

Warnstreiks bei Bosch
Mitarbeiter von Bosch nehmen vor dem Betriebsgelände in Waiblingen an einem Warnstreik der Gewerkschaft IG Metall teil. Foto: dpa

Weiter verhandeln oder weiter streiken: Das ist die Alternative, die die IG Metall den Arbeitgebern in der Metall- und Elektroindustrie eröffnet. Allerdings ist das Angebot, den fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden am Montag eine sechste folgen zu lassen, an Bedingungen geknüpft. Die Arbeitgeber müssten sich in zentralen Fragen deutlich bewegen, forderte Roman Zitzelsberger, der im Tarifbezirk Baden-Württemberg mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall die Pilotverhandlungen führt. Die Beteiligung an den erstmals durchgeführten 24-Stunden-Streiks, die die Gewerkschaft noch bis Ende der Woche in insgesamt 250 Unternehmen bundesweit organisiert hat, nannte Zitzelsberger sensationell: „Ich hoffe, dass die Arbeitgeber endlich erkennen, dass sie deutlich über ihr letztes Angebot am Verhandlungstisch hinausgehen müssen.“

Dieses letzte Angebot umfasste dem Vernehmen nach für eine Laufzeit von 27 Monaten einen Lohnanstieg um 3,5 Prozent, eine Einmalzahlung von 150 Euro für die ersten drei Monate 2018, ein zweite Einmalzahlung im laufenden in Höhe von 300 sowie eine dritte von 500 Euro im kommenden Jahr. Zudem bot Südwestmetall ein Plus des Urlaubsgeldes um 3,14 Prozent ab 2019. Nach Rechnung der Arbeitgeber summierte sich das Angebot auf 6,8 Prozent bei einer Laufzeit von 27 Monaten. 

Das ist von den Gewerkschaftsforderungen, die unter dem Strich zuletzt gut acht Prozent ausmachen, nicht einmal so weit entfernt. Dass die IG Metall die Verhandlungen am vergangenen Wochenende nach durchwachter Nacht dennoch abbrach, hat vor allem drei Gründe. Erstens: Einmalzahlungen werden nicht „tabellenwirksam“. Sie bieten damit für Forderungen in künftigen Tarifverhandlungen keine Berechnungsgrundlage. Hier kämen lediglich die 3,5 Prozent sowie das Plus beim Urlaubsgeld zum Tragen. Vor diesem Hintergrund verlangt IG-Metallchef Jörg Hofmann ein Signal der Arbeitgeber „für eine starke vier vor dem Komma“. 

Die beiden anderen Punkte betreffen die Forderung der IG Metall nach einer Arbeitszeitverkürzung auf bis zu 28 Wochenstunden, die bis zu zwei Jahren für Beschäftigte mit Kindern unter 14 und pflegebedürftigen Angehörigen sowie für Schichtarbeiter mit einem Teillohnausgleich durch die Arbeitgeber ausgestattet werden soll. In diesem Punkt hatte es zwar Annäherungen gegeben: So sollte das zusätzliche Urlaubsgeld in verkürzte Arbeitszeit „umgerechnet“ werden können. 

Nach Darstellung der IG Metall legten die Arbeitgeber aber ein Angebot vor, dass vor allem jene Beschäftigten belohnt hätte, die die Arbeitszeitverkürzung gerade nicht in Anspruch nehmen. Dies liefe der Intention der Gewerkschaft diametral zuwider, mit dem Teillohnausgleich die Vereinbarkeit von Beruf und familiären Verpflichtungen zu verbessern.

Auch für Schichtarbeiter legte Südwestmetall ein Modell vor, das die Gewerkschaftsseite als unzumutbar empfindet: Danach sollten Beschäftigte vom Teillohnausgleich nur dann profitieren, wenn sie mindestens 20 Jahre im Betrieb und die vergangenen zehn Jahre im Schichtdienst gearbeitet haben. IG-Metallchef Hofmann machte deutlich, dass es in allen drei Punkten Bewegung geben müsse, wenn von Montag an weiter verhandelt werden solle. 

In jedem Fall wird der Bundesvorstand der Gewerkschaft an diesem Tag in Stuttgart zusammen kommen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Zur Auswahl stehen: Erneut Verhandeln, abermalige 24-Stundenstreiks oder Urabstimmungen und Flächenstreiks. 

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