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Merkel in China Autos, Apps und Technologie aus China

Chinas Wirtschaft hat viele innovative Branchen zu bieten. Ein Überblick über Autos, Software und Co.

Shenzhen
Besucher auf einer Digitalmesse in Shenzhen: In der digitalen Gesichtserkennung ist China führend. Foto: rtr

Erneuerbare
Nicht nur preiswerte Massenproduktion, sondern immer mehr Qualitätsprodukte am oberen Ende der Technologieskala – das ist der aktuelle Trend in der chinesischen Industrie. Die Photovoltaikfirma Longi aus der alten Kaiserstadt Xi’an ist typisch dafür. Das Unternehmen hat sich auf monokristalline Solarzellen spezialisiert – diese sind teurer, haben aber auch einen besonders hohen Wirkungsgrad. Der Name mag weltweit noch nicht allzu bekannt sein, aber Longi ist in seinem Feld einer der größten Anbieter. 

Longi hat im Jahr 2000 als Anbieter von Siliziumkristallen angefangen, war also Zulieferer der Hersteller von Solarzellen. Nach Zukäufen gehört es selbst zu den Anbietern von Zellen – und bricht hier Rekorde. Mit einer Energieausbeute von 23,6 Prozent liegt Longi ein gutes Stück vor der Konkurrenz. Das Unternehmen wächst entsprechend schnell. Es wird in diesem Jahr mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz machen.

Der Forschungsetat war von Anfang an besonders hoch. Während andere chinesische Anbieter die etablierte Technik und importierte Maschinen zur Herstellung von möglichst billigen Zellen genutzt haben, wollte Longi von Anfang an eine Position als Technikführer aufbauen – und hat sich auf besonders lukrative Nischen spezialisiert. Und obwohl die monokristallinen Zellen bisher als Premiumprodukt galten, will Longi sie für den Massenmarkt nun schnell preiswerter machen. 

Apps
Die IT-Firma Tencent aus Shenzhen ist geradezu unverschämt erfolgreich. Ihr Flaggschiffprodukt, die App „WeChat“, zählt über eine Milliarde Nutzer. Tencent beherrscht es wie kaum ein anderes Technikunternehmen, eine hohe Beliebtheit der Produkte auch in Umsatz und Gewinn umzusetzen. So hat sich WeChat auch als Chinas wichtigster Bezahldienst etabliert.

Kaum noch jemand nutzt Bargeld und Karte: Einkäufe, Restaurantrechnungen oder große Onlineanschaffungen zahlen die Leute mit Tencent-Diensten per Fingerabdruck.
Jedes Mal bleibt ein winziger Betrag beim Anbieter hängen – addiert werden daraus Milliardengewinne. Tencent nutzt das Geld vor allem für Zukäufe von Technik-Start-ups und für Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen ist bereits einer der größten Investoren weltweit und am Markt mit einer halben Billion Dollar höher bewertet als Facebook.

Tencent liefert alles, was Spaß macht: Musik, Spiele, Chatten, Videos. Die Games bringen dabei am meisten Geld. Der chinesische Hit „Honour of Kings“ gehört zu Tencent ebenso wie die international erfolgreichen Titel „League of Legends“ und „Clash of Clans“. Es ist fast unnötig zu sagen, dass die verschiedenen Dienste alle miteinander verbunden sind. Es ist fast unmöglich, seine Spielerfolge nicht auf den Sozialmedien des Hauses Tencent zu teilen – und damit kostenlose Werbung zu machen.

Software
Die zuverlässige Gesichtserkennung durch Computer ist längst da. Unabhängig von der politischen Dimension der Nutzung für die Totalüberwachung handelt es sich längst um eine weitverbreitete Technik. Eine aktuelle Massenanwendung ist beispielsweise das Entsperren von Handys beim Anblick des Besitzers. Die Pekinger Firma Megvii feiert hier besondere Erfolge bei der Genauigkeit der Erkennung auch auf verwaschenen Bildern, die aus schrägen Winkeln aufgenommen sind. Megvii verbindet dazu neuronale Netze mit anderen Methoden des maschinellen Lernens. 

Der große Vorteil des Unternehmens: Durch Kooperation mit der chinesischen Regierung hat es Zugriff auf Gesichtsdaten von Millionen von Bürgern für Test- und Lernzwecke.
Zusammen mit den ebenfalls chinesischen Konkurrenten SenseTime und Cloudwalk ist Megvii bereits einer der Marktführer bei der Personenerkennung. Das passt in den Gesamttrend: In China fließen bereits höhere Investitionen in künstliche Intelligenz als in den USA. Neben den großen Spielern wie dem Suchmaschinenbetreiber Baidu sind es vor allem Start-ups und Jungfirmen wie Megvii, die fast täglich mit Neuerungen aufwarten.

Der größte Kunde von Megvii ist das Amt für Öffentliche Sicherheit der Volksrepublik China. Doch das Unternehmen sieht sich als regulärer Anbieter von Diensten aus dem Bereich Gesichtserkennung. Zahlreiche Internetfirmen nutzen die Software Face++ bereits als Teil ihrer Angebote. Der Handyhersteller Huawei lizenziert sie beispielsweise für die Funktion, das Telefon per Gesichtserkennung zu entsperren.

Autos
Das erste in Serie hergestellte Steckdosen-Hybridauto der Welt? Kam 2009 von einer chinesischen Firma. Der Batteriehersteller BYD aus der südchinesischen Technik-Hochburg Shenzhen war erst kurz vorher in den Markt für Fahrzeuge eingestiegen, hat aber von Anfang an durch modernste Technik Zeichen gesetzt. US-Investor Warren Buffet war so begeistert von der Firma, dass er mit einer dicken Finanzspritze nachgeholfen hat.

Eine glückliche Wahl: BYD war zwischenzeitlich immer wieder der global absatzstärkste Anbieter von Elektrofahrzeugen (inklusive Lastern und Bussen) und ist der zweitgrößte Hersteller von Autobatterien. Das Unternehmen gibt viel Geld für die Forschung aus und ist beispielsweise auch der wichtigste Partner von Daimler bei der Herstellung von reinen Elektroautos für China.

Nun schaut BYD nach vorn – und beschäftigt sich mit einem Problem, das zusammen mit der Elektrifizierung der Mobilität immer drängender wird: der Umweltbelastung durch die großen Batterien der neuen Autogeneration. BYD wolle die Batterien künftig ressourcenschonender herstellen, bei Verschrottung der Autos flächendeckend auffangen und möglichst vollständig wiederverwerten, kündigte ein Manager auf der Messe Battery Japan 2018 an.

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