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Medikamententests Wanka verteidigt Arzneitests an Dementen

Die Forschungsministerin Johanna Wanka hält Arzneistudien für unverzichtbar. Pharmafirmen sehen jedoch keine Notwendigkeit, die Medikamententests zu erweitern.

Johanna Wanka (re) hält an ihrem Vorschlag, Arzneimitteltests an Demenzkranken durchzuführen, fest. Foto: dpa

Trotz massiver Kritik aus den Koalitionsfraktionen, den Kirchen und von Behindertenverbänden hält Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) an dem Vorhaben der Regierung fest, die Möglichkeiten für Arzneimitteltests an Demenzkranken auszuweiten. Wanka sagte der Frankfurter Rundschau, es müsse dafür gesorgt werden, dass für schwere Krankheiten wie die Demenz wirksame und sichere Arzneimittel entwickelt werden könnten.

In den Bundestagsfraktionen von Union und SPD wachsen hingegen die Zweifel, ob die Pläne der Regierung ethisch vertretbar und überhaupt notwendig sind. Derzeit laufen in der großen Koalition darüber intensive Gespräche, die möglicherweise dazu führen, dass das Vorhaben gestoppt wird. Kritiker der Neuregelung bekommen unterdessen überraschend Unterstützung von der Pharmaindustrie. Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller erklärte, die bisherigen gesetzlichen Möglichkeiten für klinische Tests reichten aus.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) plant, dass künftig Arzneimitteltests an Dementen oder anderen Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen auch dann möglich sein sollen, wenn sie selbst davon nicht profitieren. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Krankheit sehr weit vorangeschritten ist. Experten sprechen von einer gruppennützigen Forschung an nicht-einwilligungsfähigen Patienten, die bisher strikt verboten ist. Voraussetzung soll sein, dass die Betroffenen vor Ausbruch ihrer Krankheit die Tests in einer Patientenverfügung erlaubt haben. Mit dem Gesetzentwurf werden Vorgaben der EU-Ebene umgesetzt. Doch haben nationale Regierungen die Möglichkeit, von den Vorgaben abzuweichen.

Unterstützung für Gröhe

Wanka sagte, in der alternden Gesellschaft nähmen Demenzerkrankungen stark zu. Sie seien für Patienten wie für Angehörige ein schweres Schicksal. Deshalb sei die Entwicklung von Arzneimitteln ein wichtiges Ziel. Daher unterstütze sie Gröhes Gesetzentwurf. „Personen in einem späten Zustand der Demenz reagieren anders auf Medikamente als Patienten, die noch in einem Frühstadium sind“, sagte die Ministerin. Das sei wichtig, wenn Studien belastbare Erkenntnisse bringen sollten. Gleichzeitig versicherte die CDU-Politikerin: „Es ist ein selbstverständliches Anliegen, die Schutzinteressen der Betroffenen zu wahren – und dies mit allem Nachdruck.“

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) widersprach jedoch der These, für die Demenz-Forschung müssten die Bedingungen für Medikamententests erweitert werden. Die Pharmaunternehmen konzipierten klinische Studien zur Entwicklung von Medikamenten für Demenz-Patienten so, dass die demenzkranken Teilnehmer einen individuellen Nutzen davon hätten. Deshalb würden diese Studien von Arzneimittelbehörden und Ethik-Kommissionen genehmigt. „Die forschenden Pharma-Unternehmen benötigen daher für ihre Entwicklungsarbeit keine Gesetzesänderung“, so der VFA.

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