Lade Inhalte...

Medikamente Apotheker unter Zugzwang

Ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtiger Arznei ist nicht mehr zeitgemäß. Die Apotheker arbeiten an einem Kompromiss.

Von der Apothekerlobby hat man schon lange nichts mehr gehört. Dabei ist der Kampf der Apotheker für ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten längst nicht gewonnen. Zwar findet sich das Verbot im Koalitionsvertrag. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn ist alles andere als begeistert darüber. Er will ein Mann der Moderne sein, ein Politiker, der die Digitalisierung des Gesundheitswesens nach Jahren des Stillstandes endlich voranbringt. Tatsächlich hat der CDU-Mann schon einige Weichen zum Beispiel bei der elektronischen Patientenakte richtig gestellt und auch dadurch Schwung ins träge Gesundheitswesen gebracht.

Aber nun muss er ein völlig antiquiert anmutendes Verbot umsetzen. Die SPD unterstützt ihn zwar in seinem Widerstand, doch die CSU und Teile der CDU machen so starken Druck, dass er spätestens im Herbst handeln muss. Zur Erinnerung: 2016 hatte der Europäische Gerichtshof beschlossen, dass sich ausländische Versandapotheken, die nach Deutschland liefern, nicht an die deutsche Preisbindung halten müssen. Die Apothekerlobby warnte daraufhin vor dem Ende der deutschen Vor-Ort-Apotheke und brachte mit einer großangelegten Kampagne viele Politiker auf Kurs. Der damalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) legte umgehend ein Verbotsgesetz vor, doch er scheiterte schließlich an der SPD. Deshalb muss es nun Spahn richten.

Die Apothekerlobby. organisiert in der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), hat aber offenbar eingesehen, dass sie dem Minister entgegenkommen muss, damit er ein Verbot irgendwie vor der Öffentlichkeit rechtfertigen kann. Gleichzeitig hat man bei der ABDA wohl erkannt, dass man mit der Verbotskampagne in den Ruf von Ewiggestrigen gekommen ist und daher wieder in eine positiv besetzte Offensive kommen muss.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die ABDA deshalb in einer wichtigen Frage tatsächlich einen Kurswechsel vollzogen: Früher galt das elektronische Rezept als Teufelswerk, weil es den Online-Apotheken das Leben extrem erleichtern würde. Inzwischen reklamieren die Apotheken bei diesem Thema sogar die Führerschaft, wie ABDA-Präsident Friedemann Schmidt kürzlich ankündigte. Geplant ist ein Pilotprojekt, das man anschließend der Politik vorstellen wolle. Der wenig überraschende zentrale Punkt: „Die freie Apothekenwahl darf nicht eingeschränkt werden.“

Zudem arbeitet die ABDA dem Vernehmen nach an Konzepten, wie die Belieferung von Patienten mit Medikamenten besser organisiert werden kann. Denkbar ist zum Beispiel der Ausbau von „Click & Collect“, also die Online-Vorbestellung von Medikamenten und eine Abholung in der Vorort-Filiale. Auch die Botendienste durch Apotheker könnten erweitert werden. Ziel ist letztlich die online verfügbare Apotheke – aber ohne Versandhandel.

Ob das Spahn reicht, um ein Verbot positiv verkaufen zu können, bleibt abzuwarten. Zwar ist das Vorgehen der ABDA sehr durchsichtig, jedoch durchaus zum Nutzen der Patienten. Es bleibt dabei, dass ein Verbot des Versandhandels einfach nicht mehr in die Zeit passt. Die etablierten Apotheker sollten sich dem Wettbewerb stellen, je mehr sie den Patienten dabei anbieten können, desto besser.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen