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Matrosen Eine Seefahrt ist nicht lustig

Matrose auf einem Schiff zu sein, hört sich aufregend an. Die Wirklichkeit für viele Seeleute sieht aber anders aus: Knochenarbeit, Überstunden und eine schlechte Bezahlung.

Schulschiff
So stellen sich viele Menschen die Seefahrt vor: schöne Uniformen, schönes Wetter, schöne Schiffe. Doch das Leben auf dem Meer ist eine große Herausforderung. Foto: Imago

Romantisch wirkt der Hafen nur auf Touristen. Seeleute betrachten die Anlaufstellen für Schiffe dagegen mit ganz anderen Augen. Hier können sie zwar Pausen einlegen vom harten Alltag auf See, doch zu Hause, in vertrauter Umgebung bei der Familie, sind sie dann ja meistens dennoch nicht.

Unterstützung bietet der internationale Seemannsclub „Duckdalben“, der bald seinen millionsten Besucher zählen wird. Im „Duckdalben“ bietet die Deutsche Seemannsmission Hamburg-Harburg seit zwei Jahrzehnten Matrosen aus aller Herren Länder kurzen Unterschlupf, wenn die Frachter in der Hansestadt für wenige Stunden am Kai festmachen. 

Im Kleinbus werden die Seeleute von freiwilligen Helfern von Bord geholt. Neun von Zehn nutzen dann das kostenlose Internet im „Duckdalben“, um wenigstens virtuell mit zu Hause in Verbindung zu treten. Die allermeisten Matrosen weltweit haben keinen Internetzugang auf See, berichtet ein Sprecher der Seemannsmission auf der Schifffahrtsmesse SMM, die am 7. September zu Ende ging. Die internationale Leitmesse der maritimen Wirtschaft findet alle zwei Jahre statt. Mehr als 2000 Aussteller und 50 000 Besucher von allen Kontinenten machen die Fachmesse zur führenden Branchenveranstaltung weltweit. 

Um auch die Crews der Kreuzfahrtschiffe zu erreichen, nutzen die Betreuer kleine Stützpunkte, „Seafarers Lounge“ genannt, in den drei Terminals des Hamburger Hafens. „Die meisten wollen vor allem Kaffeetrinken, wollen nur mit uns reden, über ihre Sorgen sprechen“, erzählt ein Mitarbeiter der Seemannsmission. Die Nachfrage sei groß. Bis zu 400 Seeleute pro Anlauf eines Kreuzfahrers suchen das Gespräch – an einem Tag. Um die Besatzungen der vermeintlichen Traumschiffe sorgt sich auch Torben Seebold, Leiter der Bundesfachgruppe Maritime Wirtschaft der Gewerkschaft Verdi. Er kritisiert namentlich die Rostocker Reederei Aida. Personal an Bord der Kreuzfahrtschiffe werde bis zu 300 Stunden monatlich beschäftigt – wodurch der tatsächliche Stundenlohn auf zwei bis drei US-Dollar (1,70 bis 2,60 Euro) sinke. 

Aida-Sprecher Hansjörg Kunze hält Verdi nicht für zuständig. Da alle Schiffe der Flotte unter einer europäischen „Qualitätsflagge“, der italienischen Flagge, fahren, habe Aida die an Bord geltenden Mantel- und Heuertarifverträge mit den zuständigen italienischen Gewerkschaften abgeschlossen. 

Die Verträge, so Kunze, gingen über die Mindeststandards der Weltschifffahrtorganisation ILO hinaus. Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit betrage 48 Stunden pro Woche. Zusätzlich können seitens des Arbeitnehmers maximal 150 Überstunden pro Monat geleistet werden. „Die entsprechend der mit den italienischen Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträge vergütet werden“, beteuert Kunze. 

Weltweit beschäftigen Reedereien mehr als 1,2 Millionen Seeleute. Doch nur jeder Vierte fährt auf einem Schiff unter Tarifvertrag. Damit die 12 527 Tarifverträge und sicherheitsrelevante Mindeststandards der Weltschifffahrtsorganisation IMO in London eingehalten werden, kontrolliert die Internationale Transportarbeitergewerkschaft (ITF), die in 140 Ländern präsent ist, regelmäßig Schiffe. 

In Nordeuropa fand vergangene Woche zum 70. mal die Aktionswoche „Baltic Week“ statt. Inspektoren der ITF überprüften verdächtige Pötte zwischen Antwerpen, Göteborg und Rostock. Bei der „Baltic Week“ geht es darum, öffentlichkeitswirksam gegen Sozialdumping auf Schiffen vorzugehen. Traditionell werden dabei Schiffsinspektionen von Seeleuten und Hafenbeschäftigten gemeinsam durchgeführt. ITF-Mitglied Verdi unterstützt die Aktion in Deutschland. 

Die ITF-Inspektoren deckten dabei nach Angaben von Verdi den Verstoß gegen Tarifverträge auf und stellten falsch eingetragene Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden und fehlerhafte Arbeitsverträge fest. So wurde etwa ein Kadett, der mehr als zwölf Monate und ohne Urlaubstage an Bord war, von den Inspektoren nach Hause geschickt. Vermeintlich rebellische Seeleute wurden von ihren Kapitänen sogar schon in einem fremden Hafen zurückgelassen. Mittellos. 

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