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Manager Geheime Managergehälter

Wie viel Manager im öffentlichen Sektor verdienen, bleibt meist geheim. Dabei spräche viel für transparente Verhältnisse. Die Analyse.

Was Manager verdienen, interessiert viele Menschen. Wie viel streichen die Herrschaften auf den Chefetagen ein? Stehen die Einkünfte in nachvollziehbarem Verhältnis zur erbrachten Leistung? Was verdienen normale Beschäftigte in den Unternehmen? Geht es also einigermaßen gerecht zu?

Für die Topmanager der Großkonzerne scheinen diese Fragen beantwortet. Im Mittel erhielten die Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Unternehmen – durchweg ausgestattet mit sieben- oder gar achtstelligen Jahresgehältern – im letzten Jahr das 97-fache des durchschnittlichen Jahreslohns der in den Unternehmen Beschäftigten. Dass dem keine 97-fache Leistung gegenüber stehen kann, liegt auf der Hand; zumal noch 2005 das Einkommensverhältnis zwischen Konzernchefs und Belegschaften bei eins zu 42 lag. Hat sich die Schaffenskraft der Topleute binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt? Wohl kaum.

Etwas anders sieht es in Unternehmen aus, die Bund, Ländern und Kommunen gehören oder maßgeblich von ihnen abhängen. Im öffentlichen Sektor erhalten Manager in aller Regel weniger als in der Privatwirtschaft. Was genau in den Chefetagen von Wasserwerken, Verkehrsunternehmen und Müllentsorgern verdient wird, ist aber weithin ein gut gehütetes Geheimnis. Einer Studie der Zeppelin-Universität Friedrichshafen zufolge veröffentlicht die große Mehrzahl der Gebietskörperschaften auf kommunaler, Landes- und Bundesebene keinerlei personenbezogene Einkommensangaben für die Leitungsebene der ihnen angeschlossenen Unternehmen. So verweigern 248 von 413 Gebietskörperschaften mit mindestens fünf öffentlichen Unternehmen Angaben zu personenbezogenen Managergehältern. Bei kleineren Städten und Landkreisen sieht es noch düsterer aus: Dort sind öffentlich zugängliche Entgeltinformationen die große Ausnahme.

Dass es auch anders geht, zeigen die vier Ruhrgebietsstädte Bottrop, Essen, Mühlheim an der Ruhr und Unna, die sämtliche personenbezogenen Chefgehälter in ihren Unternehmen offen legen. Auch die NRW-Städte Dortmund, Bonn, Leverkusen und Köln landen mit Veröffentlichungsquoten zwischen 90 und 53 Prozent auf vorderen Plätzen. Gleiches gilt für die Landeshauptstädte Wiesbaden und Stuttgart sowie für die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Unter den Flächenländern führt Baden-Württemberg die Liste an: Für immerhin 62,4 Prozent der Landes-Unternehmen wurden 2016 die Vergütungen der Chefs offen gelegt. Es folgen NRW mit einem Anteil von 58,5 Prozent, Brandenburg (50 Prozent), Rheinland Pfalz (44,6) und Sachsen-Anhalt (41,9). Ganz unten finden sich Bayern, Sachsen, Thüringen, Hessen und das Saarland, die kaum oder gar keine personenbezogenen Gehaltsangaben veröffentlichten.

Aus Sicht der Wissenschaftler geht es bei alledem um mehr als Zahlen und Statistiken. „In einer Demokratie sprechen sehr viele Argumente dafür, eine transparente Diskussion über die Vergütung der Top-Managementorgane öffentlicher Unternehmen zu ermöglichen“, schreibt Studienautor Ulf Papenfuß, Lehrstuhlinhaber der Uni Friedrichshafen. Es gehe um eine sachliche Debatte auf gesicherter Datengrundlage, nicht um „Neidkampagnen“. Daher müssten Bund, Länder und Gemeinden die Veröffentlichung verbindlich vorschreiben. Es werde Licht.

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