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Malediven auf der ITB Die Restauration des Paradieses

Die Malediven sind Gastland der Reisemesse ITB. Einst Inbegriff des Idylls ist die Inselgruppe von Klimaerwärmung und wachsendem Tourismus bedroht. Doch es gibt Projekte, die dem entgegenwirken sollen.

10.03.2016 14:00
Nicole Adami
Urlaubsresort auf einem der Malediven-Atolle. Foto: rtr

Noch vor knapp einem halben Jahrhundert waren die Malediven unberührte und weitgehend unbekannte Eilande inmitten des Indischen Ozeans. Doch mit der Unabhängigkeit von Großbritannien vor bald 51 Jahren entdeckte die Reiseindustrie das Potenzial der malerischen Atolle und hat seither ihre Spuren dort hinterlassen.

Unmengen von Abfall, die Sonnencreme der Urlauber im Wasser sowie fehlende Recyclingmöglichkeiten haben dem kleinen Inselstaat, der nur rund 350 000 Einwohner zählt, merklich zugesetzt. Der Tourismus bedroht das Paradies. Doch glücklicherweise ist auch das Bewusstsein für die Problematik gewachsen. Während das maledivische Umweltministerium angekündigt hat, ein Müllentsorgungssystem mit Kompostierungs- und Wiederverwertungsanlagen auf den Weg zu bringen, nehmen die rund 120 Inselresorts den Umweltschutz bereits selbst in die Hand.

Den Abfall von vornherein so gut es geht zu vermeiden, ist nur ein Schritt in die richtige Richtung. So hat man aus dem „Banyan Tree Vabbinfaru Resort“ beispielsweise längst sämtliche Plastikflaschen verbannt. Das Trinkwasser für die Gäste wird hier ausschließlich in Glasflaschen serviert.
Im nur 2,5 Kilometer entfernten Nachbarresort „Baros Maldives“ legt man in den luxuriösen Insel-Villen wiederverwertbare Stoffbeutel für die Hotelgäste aus: „Helfen Sie mit, die Schönheit der Malediven zu erhalten, indem Sie ihre Sprühdosen, Plastikflaschen und Batterien wieder mit nach Hause nehmen“, steht auf dem Stoffbeutel geschrieben.´

Doch stößt das beim durchaus zahlungskräftigen Resort-Klientel nicht auf Gegenwehr? „Ganz und gar nicht“, versichert Qualitätsmanagerin Lisa Jakobsson, „unserer Gäste freuen sich, mit vergleichsweise kleinen Gesten einen großen Beitrag leisten zu können“. Diesen Beitrag exakt zu beziffern, sei allerdings nicht möglich. „Leider wissen wir ja nicht, wie viel Abfall unsere Gäste tatsächlich mit nach Hause nehmen“, heißt es vom Baros-Resort.

„Hands-on!“ ist auch unter Wasser die Devise: Ein Projekt zur Korallenvermehrung lädt Urlauber dazu ein, einen eigenen kleinen Korallengarten anzulegen. Die winzigen koloniebildenden Nessel- und Hohltiere sind meist sehr temperatursensibel. Wenn die Wassertemperatur ansteigt – was zum Beispiel durch den aktuellen El Niño geschieht – besteht die Gefahr eines Korallensterbens. Als Folge kann dies ganze Riffteile zerstören. Für die Malediven ist das besonders gefährlich, da sie quasi aus ringförmigen Korallenriffen bestehen und ihre Inseln nur ein bis zwei Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Aus diesem Grund versucht man, dem Korallensterben entgegenzuwirken: Indem zum Beispiel hitzetolerante Korallenfragmente an Gitterkörben verschiedener Größen befestigt werden, will man jene Populationen fördern, die steigenden Meerwassertemperaturen – wie man sie durch den Klimawandel künftig häufiger befürchten muss – besser standhalten. Wer sich als Gast beteiligen, aber nicht selbst abtauchen möchte, kann dies auch mit einer finanziellen Spende zum Ausdruck bringen. Als Dank bekommt man ein personalisiertes Namensschild, das an den Korallenkorb montiert wird, sowie regelmäßige Updates zur Entwicklung seines eigenen Korallengärtchens.

Nach Angaben des Meeresbiologen Steve Newman, der ganzjährig in der Forschungsstation des „Banyan Tree Vabbinfaru Resorts“ arbeitet, sind solche Projekte höchst erfolgreich: Die Überlebensrate im „Korallen-Kinderzimmer“ habe zuletzt ungefähr 98 Prozent betragen, so Newman. „Von den 1250 Korallen unserer letzten Pflanzung sind nur 29 gestorben.“

Auch unter den Einheimischen wächst das Bewusstsein für den Umweltschutz. Newman spürt das selbst, wenn er an Aufklärungsveranstaltungen teilnimmt. Immer wieder kommen auch Schulklassen von den Inseln der Einheimischen nach Vabbinfaru, um vom fünfköpfigen Team rund um Steve Newman zu lernen. Ein absolutes Highlight sind dann die Ausflüge zur Aufzuchtstation der Meeresschildkröten, die nur wenige Meter vom weißen Sandstrand inmitten einer türkisblauen Lagune liegt.

Die Tiere sind aufgrund ihres Panzers sowie in asiatischen Ländern beliebten Fleisches vom Aussterben bedroht. Hinzu kommt, dass von rund 1000 Schildkrötenbabies nur etwa eines bis zur Geschlechtsreife überlebt – so gefährlich ist der weite Weg von der Brutstätte am Strand bis ans Wasser und ins Meer.

Auf Vabbinfaru werden die Tiere einen guten Teil des Weges begleitet. „Gerade haben wir 17 Jungtiere in der Pflege, die gerade einmal zwei Wochen alt sind. Bald kommen sie hinaus in die Lagune, wo wir sie noch ein gutes weiteres Jahr aufziehen, bevor sie gestärkt in die große Freiheit des Indischen Ozeans aufbrechen“, erzählt Newman. Wer möchte, kann der Fütterung beiwohnen oder sich selbst die Flossen anlegen und den Fischen zuwenden.

Vor Kurzem hat das Meereslabor eine laminierte Karte herausgegeben, die mit ins Wasser genommen werden kann. Auf ihr sind sämtliche Fische und Lebewesen des Hausriffs abgebildet. Knallbunte Falterfische, gestreifte und gepunktete Drückerfische, Seesterne und kleinere Haie sind darauf zu sehen.

Unter Wasser können Urlauber vermerken, welche sie davon beobachten konnten und so die Datenbank des Hausriffs erweitern. Wer besonders viel Ausdauer hat, paddelt hinüber zum Schwesterresort „Angsana Ihuru“, wo ein weiteres Marinezentrum vorhanden ist. Im vergangenen Frühjahr wurde hier eine 24-stündige Tauch-Veranstaltung abgehalten, die auf die Verantwortung aufmerksam machte, die Politik, Touristen und Einheimische gegenüber der einzigartigen Natur der Malediven haben – um sie für noch möglichst viele Jahre in ihrer atemberaubenden Schönheit zu erhalten.

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