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Machtkampf Vakuum bei Thyssen-Krupp

Nach dem Rücktritt des Aufsichtsratschefs tobt ein Kampf um die Macht bei Thyssen-Krupp. Setzen sich die Finanzinvestoren durch, die das Unternehmen zerschlagen wollen?

Stahlwerk
Mächtig Dampf in der Hütte: Thyssen-Krupp Stahlwerk Schwelgern. Foto: dpa

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp steht am Scheideweg. Nach dem überraschenden Rücktritt von Aufsichtsratschef Ulrich Lehner befürchten Betriebsräte und Gewerkschafter eine Zerschlagung des Unternehmens. Die Frankfurter Rundschau erläutert Chancen und Risiken für den Konzern und seine Beschäftigten.

Wie konnte es zu der Führungskrise bei Thyssen-Krupp kommen?
Seit mindestens fünf Jahren wird über die Ausrichtung des Unternehmens gestritten. Der Konzern hatte sich mit Fehlinvestitionen in Stahlwerke in den USA und in Brasilien an den Rand des Ruins gewirtschaftet. Heinrich Hiesinger, der den Vorstandsvorsitz 2011 übernahm, brachte den Konzern langsam und mit heftigen Einschnitten wieder in die Spur. Entscheidend war der Verkauf der Stahlwerke in Übersee. 2013 stieg der Finanzinvestor Cevian bei Thyssen-Krupp ein. Die Schweden haben sich auf Unternehmen spezialisiert, die sie an der Börse für unterbewertet halten. Sie gelten als „aktionistisch“, haben sich massiv ins Management eingemischt.

Welche Strategien verfolgt Cevian?
Cevian-Chef Lars Försberg ist bei Thyssen-Krupp eingestiegen, weil er davon überzeugt ist, dass die einzelnen Sparten erheblich mehr wert sind als das Konglomerat als Ganzes. Das traditionsreiche Unternehmen aus Essen produziert nicht nur Stahl, sondern baut U-Boote und Chemieanlagen. Es ist ein wichtiger Autozulieferer. Als Perle des Konzerns gilt aber die Aufzugsparte. Försberg fordert seit geraumer Zeit, das Unternehmen in seine Einzelteile zu zerlegen. Das könnte unter anderem dadurch geschehen, dass verschiedene Divisionen an die Börse gebracht werden. Cevian könnte dabei hohe Gewinne einstreichen. Die Schweden besitzen mittlerweile rund 18 Prozent der Anteile. Sie machen gemeinsame Sache mit dem US-Investor Elliott, der ebenfalls als aktionistischer Anteilseigner gilt.

Was spricht für eine Zerschlagung?
Es gibt zahlreiche Beispiele für Unternehmen, die sich sehr profitabel entwickelten, nachdem sie aus Konglomeraten herausgelöst wurden. So kann ein Geschäftsfeld, das am Markt gut positioniert ist, sich einfacher und günstiger Eigen- und Fremdkapital beschaffen, um zu expandieren. Das könnte bei Thyssen-Krupp vor allem für die Aufzugssparte gelten.

Was sind die Nachteile von Zerschlagungen?
Arbeitnehmervertreter befürchten vor allem Standortverlagerungen und Stellenabbau. Weniger rentable Sparten könnten unter die Räder kommen. Und es wäre naheliegend, dass die Aufzugssparte von Thyssen-Krupp sich mit einem anderen Aufzugsbauer zusammenschließt, der weltweit agiert. Die IG Metall warnte am Dienstag, es gehe um 39.000 Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen. Alle Beteiligten müssten sich nun disziplinieren, sagte Knut Giesler, Bezirksleiter für NRW. Lehners Rücktritt sei schade, „weil er für den Kurs stand, den wir unterstützen“.

Welche Rolle spielte der Aufsichtsratschef?
Lehner wollte ebenso wie Hiesinger, der bereits Anfang Juli zurücktrat, den Konzern in seiner jetzigen Form erhalten. Er scheiterte aber daran, mit Cevian und Elliott Kompromisse zu finden. Er begründete seinen Abgang damit, dass das Vertrauen der großen Aktionäre und ein gemeinsames Verständnis im Aufsichtsrat nicht mehr gegeben seien. Sein Rücktritt erfolge deshalb „bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion bei unseren Aktionären über die Zukunft von Thyssen-Krupp zu ermöglichen“.

Wie positioniert sich nun die Krupp-Stiftung? 
Der Krupp-Stiftung kommt nun die Hauptrolle bei der Bewältigung der Unternehmenskrise zu. Sie ist nach wie vor mit einem Anteil von 21 Prozent der größte Aktionär des Konzerns. Ursula Gather hat als Vorsitzende des Kuratoriums in der Stiftung das Sagen. In diesem Gremium ist auch der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vertreten – Konzern und Politik sind eng miteinander verknüpft. Branchenkenner haben Gather in der Vergangenheit vorgeworfen, sich nicht entschieden genug gegen die Investoren positioniert zu haben. 

Wer hat nun das Heft in der Hand?
Das lässt sich schwer sagen. Am Dienstag wurde bereits spekuliert, dass Cevian und Elliott nun die Macht übernehmen könnten, etwa indem sie einen neuen Aufsichtsratschef durchsetzen. Gather jedenfalls will den Posten nicht übernehmen. Sie werde aber mit den Vertretern im Aufsichtsrat an der Neubesetzung mitwirken. Gather versicherte, die Stiftung werde den Auftrag, „die Einheit des Unternehmens möglichst zu wahren, auch weiterhin verantwortlich wahrnehmen“. 

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