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Lufthansa-Tochter Dicke Luft bei LSG Sky Chefs

Die Beschäftigten der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs fürchten Lohndrückerei à la Schlecker über unternehemensinterne Leiharbeit. Einige Aktionen des Unternehmens scheinen darauf hinzudeuten.

Die LSG Sky Chefs versorgen Flugzeuge mit Mahlzeiten. Foto: dapd

Macht die Lufthansa jetzt auf Schlecker und versucht über konzerninterne Leiharbeit die Löhne zu drücken? Diesen Verdacht hegen jedenfalls Belegschaftsvertreter der LSG Sky Chefs, einer Tochtergesellschaft des Luftfahrtmultis, die vor allem für die Bordverpflegung – das sogenannte Catering – sorgt.

In einem aktuellen Flugblatt werfen Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Betriebsrat der LSG-Geschäftsführung „massive Tarifflucht und Lohndumping in großem Umfang“ vor. Davon könne keine Rede sein, sagte dagegen eine Sprecherin des Unternehmens der Frankfurter Rundschau.

Folgenschwerer Konflikt

Ihre Befürchtungen gründen Verdi-Vertreter Gerold Schaub und Gesamtbetriebsratsvorsitzender Frank Hartstein auf zwei Ereignisse: den geplanten Ausbau der Tochtergesellschaft LSGC sowie deren Beitritt zum Arbeitgeberverband des hessischen Hotel- und Gaststättengewerbes Dehoga. Die Firma – das C steht für Culinary – soll künftig das Catering für die Lufthansa-Tochter Condor abwickeln, die bislang von einer anderen LSG-Einheit bedient wird. Hartstein zufolge plant die Geschäftsführung, für das neue Werk in Kelsterbach nahe dem Frankfurter Flughafen in einem ersten Schritt fast 150 Frauen und Männern einzustellen. Der Haken: Die Beschäftigten würden nach dem Tarif bezahlt, den der Dehoga mit der Gewerkschaft NGG abgeschlossen hat. Sie erhielten damit im Schnitt 20 bis 25 Prozent weniger als ihre Lufthansa-Kollegen, für die das Verdi-Tarifgefüge gilt.

Damit nicht genug: Die LSGC solle nicht nur den Condor-Auftrag abwickeln, vermuten Schaub und Hartstein. Vielmehr wolle die Geschäftsführung über diese Firma auch Beschäftigte einstellen, die dann an andere deutsche LSG-Standorte verliehen würden. Das erinnert die beiden Belegschaftsvertreter an die Praktiken, mit denen die Drogeriekette Schlecker über unternehmensinterne Leiharbeit die Löhne zu drücken versucht. „Es ,schleckert’ im Lufthansa-Konzern“, heißt es in dem Flugblatt. Die LSG wolle sich offenkundig aus den Tarifverträgen mit Verdi „herausstehlen“. Sie missachte damit die Regelung, derzufolge Leiharbeit bei der Lufthansa „nicht zur Aushöhlung der tarifvertraglichen Normen der Stammbelegschaft führen darf“.

Josefine Corsten, Sprecherin der LSG, weist die Vorwürfe entschieden zurück. Allen Beschäftigten werde ein Tarif gesichert, konzerninterne Leiharbeit sei nicht geplant.

Tarif-Gespräche geplatzt

In dem Konflikt geht es allerdings um mehr als die LSGC. Im November waren Tarif-Gespräche zwischen LSG-Geschäftsführung und Gewerkschaft ohne Ergebnis abgebrochen worden. Der Arbeitgeber habe bis zuletzt für die rund 6000 Beschäftigten der LSG Deutschland eine Lohnsenkung um insgesamt 45 Millionen Euro „ohne jede Gegenleistung“ durchsetzen wollen. Dies habe die Tarifkommission der Gewerkschaft, der auch Hartstein angehört, als unzumutbar zurückgewiesen.

Schaub zufolge setzt die Lufthansa ihre Tochter LSG unter Druck, die Personalkosten weiter zu senken. 2009 hatte der Caterer, der neben der Muttergesellschaft noch weitere Airlines beliefert, bei einem Umsatz von weltweit 2,1 Milliarden Euro ein „operatives Ergebnis“ von 72 Millionen ausgewiesen. Die Zahlen für 2010 liegen noch nicht vor, der Gewinn dürfte aber gestiegen sein. „Die LSG legt dem Aktionär Lufthansa solide Zahlen vor und predigt den Mitarbeitern den Millionenverzicht“, meint Hartstein.

Corsten zufolge ist die LSG nach wie vor zu Gesprächen mit Verdi bereit. „Wir wollen eine gemeinsame Lösung“. Anders als von der Gewerkschaft behauptet, habe die Geschäftsführung eine Gegenleistung angeboten, deren Details sie aber „nicht in der Presse diskutieren“ wolle.

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