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Lufthansa Caterer Lufthansa-Tochter droht Streichung von 1000 Stellen

Die Lufthansa-Tochter Sky-Chefs (LSG) ist die globale Nummer eins bei der  Bordverpflegung. Doch in Deutschland darbt das Geschäft. Knapp 1000 Stellen sind jetzt bedroht - davon  allein  600  am Stammsitz in Frankfurt.

30.05.2012 19:01
Foto: dapd

Das Unternehmen zählt zum exklusiven Club der deutschen Weltmarktführer. Wer sich hierzulande auf einen Kurzstreckenflug  begibt, bekommt unterwegs bestenfalls noch ein Sandwich oder einen Müsliriegel gereicht. Dem Lufthansa-Management jedenfalls ist längst der Appetit vergangen. Jetzt drohen Stellenstreichungen. Knapp 1000 Jobs stehen auf der  Kippe – davon  allein  600  am Stammsitz in Frankfurt.

Um die Zukunft der hiesigen LSG-Sparte  mit ihren rund 6000 Vollzeitstellen kämpfen  die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerseite seit Jahren. Immerhin haben es beide Parteien geschafft, sich im Februar auf einen neuen Tarifvertrag zu einigen, der bis Ende Januar 2013 läuft.   Die Vereinbarung sieht bei der Bezahlung eine   Nullrunde vor und als Gegenleistung den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Zugleich beschloss man, sogenannte  Strukturverhandlungen  zu  führen.  Da ging es um Arbeitszeiten und Urlaubsgeld. Eigentlich sollten die Verhandlungen am heutigen  Donnerstag abgeschlossen sein.

Doch laut Gerold Schaub von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wurden die  Verhandlungen  schon vorigen Freitag ohne Ergebnis  beendet. Vieles   spricht  dennoch dafür, dass  sich die  Kontrahenten demnächst wieder an den Verhandlungstisch setzen. Die LSG will die Kosten drücken, insbesondere die fürs Personal.  Bei den Konkurrenten  im Catering-Geschäft arbeiteten  die Beschäftigten  für  20 bis 30  Prozent weniger Geld,  betont eine LSG-Sprecherin. Zudem  gebe es Überkapazitäten. 

Zahlen noch unbestätigt

Das  könnte  dann  auch in  Stellenabbau münden. Doch die  knapp 1000 Stellen  könne das Unternehmen  „nicht  bestätigen“, sagt  die Sprecherin. Diese Zahl beruhe auf  vertraulichen Hintergrundinformationen zu  Worst-Case-Szenarien. Der schlimmste Fall könnte ein  zusätzliches  massives  Herunterfahren des  Bordservices sein, was mit dem Verlust von Kundenaufträgen  einherginge – die  LSG versorgt  hierzulande nicht nur die Mutter Lufthansa, sondern auch  eine große Zahl der  Konkurrenten. Zudem  handele es sich bei Angaben über Jobabbau um sogenannte Bruttowerte, sagte die  LSG-Sprecherin. Ein Teil der  Stellenstreichungen könne durch das Auslaufen  befristeter Verträge, durch  Fluktuation oder Altersteilzeit  erfolgen.

„Dennoch  wird uns mit  diesen Zahlen gedroht“, sagte Schaub der  Zeitung.  Gleichwohl zeigt sich der Gewerkschaftsfunktionär  verhandlungsbereit. Allerdings könne mit  Fluktuation  allein  das Problem  nicht gelöst werden. Schaub bringt stattdessen Abfindungen  ins Gespräch. Auch über  Arbeitszeiten  könne  verhandelt werden.

Wo LSG-Betriebe dicht gemacht werden  könnten, ist indes  unklar. Insider halten es für denkbar, dass die drei Standorte rund um den Frankfurter Flughafen zu einem  zusammengelegt werden.  Auch die  kleinen LSG-Filialen in Nürnberg und Stuttgart   gelten als bedroht. Das trifft ebenfalls auf die  Standorte  Hamburg, Bremen und Hannover zu. Auch hier sind  Zusammenlegungen möglich.

Völlig  offen ist auch, wie es mit der  LSG nach dem  Januar 2013 weitergeht. Mitte vorigen Jahres ist die deutsche  LH-Sparte in zwölf regionale  Gesellschaften  zerlegt worden. Damit solle die  Eigenverantwortung vor Ort gestärkt  werden, so die LSG-Sprecherin. Schaub sieht ganz andere Motive:   Die  einzelnen  Gesellschaften könnten aus dem Lufthansa-Tarifverbund  ausscheren und sich  beispielsweise dem Hotel- und Gaststättenverband anschließen –  mit dem Ziel, die  dort geltenden  niedrigeren  Tarife   bei der  LSG durchzusetzen.

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