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Lufthansa 500 Millionen für Alitalia

Lufthansa will angeblich Teile der insolventen Airline Alitalia übernehmen und massiv Jobs abbauen.

Alitalia
Nicht nur Lufthansa interessiert sich für Alitalia. Foto: dpa

Den ersten Schritt hat er noch nicht getan, da plant er schon den zweiten. Neben der geplanten Teil-Übernahme von Air Berlin will Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch größere Geschäftsfelder der insolventen Alitalia übernehmen.

Am Mittwochabend endete die Bieterfrist für die ehemalige italienische Staatsfluglinie, die im Mai ihre Zahlungsunfähigkeit erklärte. Schon am Montagvormittag sickerte durch, dass es die Lufthansa vor allem auf das Langstreckengeschäft von Alitalia abgesehen hat. Einem Bericht der italienischen Tageszeit „Corriere della Sera“ zufolge will Spohr 500 Millionen Euro zahlen. Für diesen Preis könnte er sich den größten Teil der Fluggesellschaft sichern. Allerdings soll der Lufthansa-Chef den Deal an harte Bedingungen knüpfen. So verlange er das Kurz- und Mittelstreckengeschäft massiv zusammenzustreichen, so die Zeitung. Außerdem sollten rund 6000 der 11 000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Weder Alitalia noch die Lufthansa wollten am Montag die Meldungen kommentieren.

Schiere Größe ein wichtiger Faktor

Spohr hatte bereits vorige Woche angedeutet, dass sich sein Unternehmen für die italienische Airline interessiert. Der Lufthansa-Chef will damit seine Expansionsstrategie über die deutschen Grenzen hinaus ausweiten. Spohr hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er den italienischen Markt für enorm attraktiv hält. Immerhin handelt es sich um die viertgrößte Volkswirtschaft in der Europäischen Union. Und nach einer langen Wirtschaftskrise erholt sich das Land – wenn auch nur sehr langsam.

Für Experten ist klar, dass es Spohr vor allem darum geht, sich Marktanteile zu sichern. Bei einem kompletten Ausscheiden von Alitalia würde im Langstreckengeschäft in dem südeuropäischen Land ein Vakuum entstehen. Deshalb dürfte sich etwa ein halbes Dutzend Investoren für eine Übernahme von Alitalia interessieren. Wer den Zuschlag bekommt, kann langfristig seine Chancen deutlich verbessern, um im Ausscheidungswettbewerb unter den europäischen Airlines zu überstehen – denn schiere Größe ist einer der wichtigsten Faktoren für lukrative Geschäfte. Zu den Bietern sollen nicht nur Airlines, sondern auch mehrere Finanzinvestoren aus den USA gehören.

Ursprünglich gehörte auch Ryanair zu den Interessenten, obwohl die Iren bislang nur Mittelstrecken in Europa fliegen. Doch Ryanair zog seine Offerte zurück, angeblich wegen mutmaßlicher Kartellprobleme. Die Iren sind in Italien mit einem Anteil von fast einem Viertel bereits Marktführer, bei einer Übernahme von Alitalia wären es deutlich mehr als 50 Prozent geworden.

Alitalia gilt in der Branche als schwieriger Fall

Indes ist bei Sanierung und Verkauf der Fluglinie vieles unklar. Alitalia ist vom Staat schon mehrmals gerettet worden, dabei wurden die Beihilferegeln der EU extrem gedehnt. 2014 stieg schließlich unter Vermittlung der italienischen Regierung die arabische Fluggesellschaft Etihad mit 49 Prozent ein – Etihad ist auch noch Hauptaktionär von Air Berlin. Die Araber stellten ihre finanzielle Unterstützung für die Italiener im Frühjahr ein. Mit einem rigiden Sparplan sollte dennoch das Überleben gesichert werden.

Doch die Beschäftigten sprachen sich gegen eine Radikalsanierung aus. Daraufhin musste das Alitalia-Management die Insolvenz erklären. Das Unternehmen wurde unter staatliche Sonderverwaltung gestellt. Seither läuft der Verkaufsprozess. Fristen wurden mehrmals verlängert. Auch jetzt wird noch nichts endgültig entschieden.

Die Regierung in Rom hatte bereits am Freitag entscheiden, einen Überbrückungskredit, der den Flugbetrieb sichern soll und eigentlich Ende November 2018 ausgelaufen wäre, bis September 2018 zu verlängern. Insider gehen davon aus, dass die endgültige Entscheidung über die Zukunft von Alitalia erst nach den italienischen Parlamentswahlen fällt, die für Februar oder März 2018 geplant sind. Erst Ende April soll alles endgültig unter Dach und Fach sein. Alitalia gilt in der Branche als extrem schwieriger Fall. Das Unternehmen fliegt seit Jahren Verluste ein. Schulden in Höhe von rund drei Milliarden Euro stehen Vermögenswerte von lediglich gut 900 Millionen Euro gegenüber.

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