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Luftfahrt Aufstand der Billigpiloten

Das Flugpersonal von Ryanair hat genug: Kapitäne und Flugbegleiter streiken für höhere Löhne. Doch Konzernchef O’Leary will sein Geschäftsmodell verteidigen.

Pilotenstreik bei Ryanair
Hier wird gestreikt: Ryanair-Piloten am Flughafen Dublin. Foto: dpa

Ryanair-Kunden sollten die Ansage von Firmenchef Michael O’Leary ernst nehmen. Er sei eher bereit, die Folgen von Streiks zu ertragen, als sich auf Forderungen von Gewerkschaften einzulassen, die das Geschäftsmodell seines Unternehmens gefährden. So formulierte er es schon im Februar. Mittlerweile wird Europas Billigflieger Nummer eins mit Streiks überzogen. Den Anfang machen am heutigen Freitag die Piloten im Heimatland der Airline. 24 Flüge zwischen Irland und Großbritannien müssen gestrichen werden.

Streik dürfte lange dauern

Deutsche Fluggäste dürften davon nur in geringer Zahl betroffen sein. Doch richtig heftig wird es wohl in der nächsten Woche werden. Am Dienstag wollen die irischen Piloten zunächst ein weiteres Mal die Arbeit niederlegen. Am Mittwoch und Donnerstag folgt dann – mitten in der Urlaubszeit – ein zweitägiger Ausstand der Flugbegleiter in Italien, Spanien, Portugal und Belgien. Ryanair hat mitgeteilt, dass jeweils rund 300 von gut 2400 Flügen gestrichen werden müssen. Rund 100.000 Passagiere seien insgesamt betroffen, teilt das Unternehmen mit. Es ist der mit Abstand größte Streik in der Geschichte von Ryanair.

Inwiefern auch Verbindungen von und nach Deutschland betroffen sind, ist derzeit unklar. Ein Unternehmenssprecher wollte keine Details nennen. „Wir schlüsseln diese Informationen nicht nach einzelnen Märkten oder Flughäfen auf“, erklärte er. Ryanair will seine Kunden per Mail und SMS informieren. Den Fluggästen würden Umbuchungen und die Rückerstattung der Ticketpreise angeboten. Dass es auch hiesige Urlauber und Geschäftsreisende treffen wird, ist sehr wahrscheinlich: Denn eine Maschine, die beispielsweise am Mittwochmorgen nach Spanien fliegt, könnte wegen streikender Flugbegleiter theoretisch zwei Tage dort stehen bleiben, obwohl sie eigentlich nach Deutschland fliegen sollte.

Marketing-Chef Kenny Jacobs hat derweil die Streiks für nicht gerechtfertigt erklärt. Sie würden nur den Konkurrenten nutzen und Familienurlaube stören. Und er machte darauf aufmerksam, dass die Flugbegleiter bis zu 40.000 Euro pro Jahr verdienten – das sind also maximal gut 3300 Euro brutto pro Monat. Dem gewerkschaftlich organisierten Kabinenpersonal ist das zu wenig. Neben Gehaltserhöhungen wollen sie überdies bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen. Das streben auch die Ryanair-Piloten in mehreren Ländern an. Mit Jahresgehältern zwischen 30.000 und 90.000 Euro stehen sie in Europa am unteren Ende der Skala ihres Berufsstands.

Selbst der wichtigste Billigflug-Rivale Easyjet zahlt mit 50.000 bis 130.000 Euro deutlich mehr, ganz abgesehen von Cockpitcrews die bei Netzwerk-Carriern wie der Lufthansa oder Air France arbeiten – mehr als 200.000 Euro pro Kopf sind da keine Seltenheit. Bei Ryanair kommt hinzu, dass ein Großteil der Beschäftigten für die Kabine und das Cockpit gar nicht direkt bei der irischen Fluggesellschaft angestellt ist, sondern sich als Scheinselbstständige und Leiharbeiter verdingen muss.

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