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Lohndrückerei Studie wirft Diakonischem Hilfswerk Lohndumping vor

Soziales Wirken ja, aber nicht für die eigenen Angestellten:. Eine Studie weist dem Diakonischen Hilfswerk Lohndrückerei nach.

Baustein-Kirche in einer evangelischen Kindertagesstätte. Foto: dpa

Der Dienst am Menschen ist für die Diakonischen Werke Auftrag und Verpflichtung. Doch mit der Ausgliederung von Geschäftsbereichen und mit Lohndrückerei macht sie Tausenden Angestellten das Leben schwer, die Behinderten, Älteren und Pflegebedürftigen helfen und sich um Familien und Flüchtlinge kümmern. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Dabei werde das kirchliche Arbeitsrecht als Wettbewerbsstrategie genutzt, um sich gegen sozialwirtschaftliche Konkurrenten durchzusetzen.

Die Diakonie ist nicht nur eine Hilfsorganisation, sie ist ein riesiger Sozialkonzern

Schließlich ist das Diakonische Werk weit mehr als eine Hilfsorganisation der evangelischen und mehrerer Freikirchen. Es ist auch eines der größten deutschen Unternehmen, das sich viele seiner Leistungen von den Sozialversicherungen bezahlen lässt. In den rund 27000 diakonischen Einrichtungen und Diensten – dazu zählen zum Beispiel Krankenhäuser, Pflegeheime, die Jugendhilfe und Beratungsstellen – arbeiten 453000 hauptamtliche Mitarbeiter. Zum Vergleich: Der größte deutsche Industriekonzern Volkswagen hat eine halbe Million Mitarbeiter weltweit. Die Diakonie ist nach dem katholischen Hilfswerk Caritas der größte private Arbeitgeber in Deutschland.

Trotz kirchlichem Hintergrund hätten die Unternehmen der Diakonie in den vergangenen Jahren auf den gestiegenen Kosten- und Wettbewerbsdruck im Sozialbereich ähnlich reagiert wie ihre Wettbewerber, so die Autoren der Studie. Um Lohnkosten zu reduzieren, seien Bereiche ausgegliedert worden. Auch Leiharbeit sei durchaus üblich, auch wenn sie zuletzt an Bedeutung verloren habe. Als Ersatz für reguläre Arbeitsplätze sei sie indes aber nicht nachweisbar. Für die Studie wurden von vergangenem August bis Februar die Mitarbeitervertretungen von 299 Einrichtungen der Diakonie bundesweit befragt.

Refinanzierungsinteressen statt Glauben und Werte

Die Autoren gehen scharf mit dem kirchlichen Arbeitsrecht ins Gericht. Für evangelische und katholische Kirche sowie ihre Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas gilt der sogenannte Dritte Weg. Dabei werden Arbeitsbedingungen und Entlohnung in Kommissionen ausgehandelt, die mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch besetzt sind. Gewerkschaften werden in der Regel nicht beteiligt. Begründet wird die Sonderregelung, die Arbeitskampfmaßnahmen wie Streiks und Aussperrungen ausschließt, mit einer besonderen Dienstgemeinschaft in kirchlichen Betrieben. Sie steht schon lange in der Kritik, weil sie dazu geführt hat, dass in vielen kirchlichen Einrichtungen deutlich niedrigere Löhne gezahlt werden als in Privatunternehmen der gleichen Branche. Der Dritte Weg habe sich zu einem Instrument eines an Flexibilität interessierten Sozialmarkts entwickelt, kritisiert die Studie. Innerhalb der Diakonie würden für die gleiche Arbeit oft sehr unterschiedliche Löhne bezahlt. Als gelebte Dienstgemeinschaft sei der Dritte Weg faktisch obsolet. Das kirchliche Arbeitsrecht sei von den herrschenden Refinanzierungsbedingungen bestimmt und nicht von Glaubens- und Wertebesonderheiten.

Der Diakonie Bundesverband wollte die Studie am Mittwoch nicht kommentieren, da sie zunächst noch ausgewertet werden müsse. Er hat selbst eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Arbeitsbedingungen innerhalb der Diakonie zu erforschen. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorgestellt werden.

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