Lade Inhalte...

Leihräder „Ohne Räder lösen wir die Verkehrsprobleme nicht“

Jimmy Cliff, Manager des Leihradanbieters Mobike, über die harte Konkurrenz, die Fehler der Branche und Pilotprojekte mit E-Bikes.

Jimmy Cliff
Jimmy Cliff will in Deutschland expandieren.

In Deutschland wird eine Lösung dafür schon seit vielen Jahren mit Leihrädern von Call-a-Bike von der Deutschen Bahn und Nextbike angeboten. Haben es die Platzhirsche den Newcomern schwer gemacht? 

Das sind eigentlich unterschiedliche Produkte und Geschäftsmodelle. So wie sich klassische die Autovermietung von Carsharing von Drive Now oder Car2Go unterscheidet. Die klassischen Leihradanbieter mit festen Ausleihstationen haben angefangen, bevor es die Smartphones gab, die das Free-Float-System ermöglichten. 
 
Aber beide Systeme konkurrieren doch um die gleiche Kundschaft?
Das stationsbasierte System funktioniert ganz gut für Fahrten zwischen den Stationen. Damit erreichen diese Systeme aber nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung. Das wird immer eine Nische bleiben. In China sind in einigen Städten bis zu 80 Prozent der Bevölkerung Nutzer von Free-Float-Systemen. Das kann ein stationsbasiertes System nicht leisten. Free-Float-Systeme können hingegen in der Zukunft so viele Nutzer wie der öffentliche Nahverkehr binden. 

Was macht das Geschäft mit Free-Float-Leihrädern so kompliziert? Immer wieder ist zu hören, dass es sehr schwer ist, mit der Kurzzeitleihe überhaupt Geld zu verdienen. 
Sehr viele Mobilitätsanbieter haben Probleme, ohne Subventionen Geld zu verdienen. Man sieht das im Carsharing, man sieht das im öffentlichen Nahverkehr. Man sieht das in vielen Ländern auch bei Taxis und Fahrdiensten. Wir haben den Vorteil der Größe. Derzeit sind weltweit neun Millionen Mobikes in 15 Ländern und mehr als 200 Städten unterwegs. Damit können wir die Kosten unseres Geschäftsbetriebes kontrollieren und eine hohe Qualität unseres Produkts erreichen. Die stationsbasierten Systeme funktionieren nur durch Subventionen oder durch Werbung auf den Rädern. Wir können auf beides verzichten und sind trotzdem der erfolgreichste Anbieter. 

Mobike arbeitet also profitabel?
Wir reden nicht direkt über Umsatz- und Gewinnzahlen. Was ich Ihnen sagen kann: Das Geschäftsmodell selbst ist profitabel. Das Unternehmen ist ja erst zwei Jahre alt. Wir wachsen jetzt sehr schnell und investieren viel Geld.
 
Bezieht sich das auch auf Deutschland? In Berlin ist Mobike mit wohl 6000 Rädern aktiv. Köln und Düsseldorf kommen hinzu. Welche Städte werden folgen?
Unser Ziel ist, in allen deutschen Großstädten und in den mittelgroßen Städten aktiv zu sein. Frankfurt zum Beispiel ist fest eingeplant. Die Umsetzung hängt ab von Zeit und Ressourcen und von den Verhandlungen mit den jeweiligen Stadtregierungen. Wir müssen in jeder neuen Stadt ein Serviceteam aufbauen und zum Beispiel auch Lagerräume für die Räder anmieten. 

Mobike und Ofo gelten als die beiden Weltmarktführer. Angeblich hat sich Ofo aus Deutschland zurückgezogen, weil man sich mit Mobike die Märkte aufteilen will. Waren nicht in den vergangenen Monaten ohnehin zu viele Leihräder in deutschen Städten im Angebot?
Klar ist, nur wenige können erfolgreich sein. Das werden wir in den nächsten Jahren sehen. Da spielen viele Faktoren zusammen. Und jede Stadt ist anders. Da geht es um die Struktur der Kundschaft und um die handelnden Personen in den Stadtverwaltungen und in Stadtparlamenten. Und es geht um einen funktionsfähigen Mobilitätsmix. Wir sind nicht zufrieden, wenn wir vier oder fünf Prozent der Bewohner als Kunden haben. Unser Ziel ist, die Mehrheit der Einwohner einer Stadt als Kunden zu gewinnen. 

Ist es nach dem Ärger in vielen Städten – mit Rädern, die auf Gehwegen und in Grünanlagen lagen - schwerer für Mobike geworden, in neue Städte zu gehen?
Wenn es Bad Player gibt, bringt das Probleme für die gesamte Industrie. Aber die Probleme, die Leihsysteme lösen können, sind nicht verschwunden. Ich nenne noch einmal die Stichworte: Feinstaub, Stickoxide, CO2-Emissionen. Die meisten Politiker wissen um diese Probleme. Und es gibt viele kluge Menschen, die an diesen Problemen arbeiten. Die Lösungen sind nicht einfach. Aber wir sind in Berlin sehr schnell der größte Anbieter von Leihrädern geworden. 
 
Brauchen wir Regelwerke für Leihräder, insbesondere für das Abstellen der Bikes?
Eine gute Frage, die schwer zu beantworten ist. Ich glaube, die Fehler, die in den vergangenen Monaten gemacht wurden, werden sich nicht wiederholen. Zugleich müssen wir unsinnige Regeln verhindern. Dass zum Beispiel die Zahl der Leihräder in einer Stadt auf 500 beschränkt wird, aber zugleich die gesamte Stadt abgedeckt werden soll. Das geht nicht. Das Geschäft funktioniert nur, wenn der Nutzer, der aus dem Kino kommt, in einer Entfernung von 50 Metern oder maximal 100 Metern ein Rad findet. In Berlin funktioniert das mit unseren Rädern weitgehend. 
 
Warum ist eigentlich Berlin die Hauptstadt der Leihräder?
Berlin ist die am schnellsten wachsende Großstadt in Deutschland. Wir haben inzwischen auch in Vororten ein Verkehrschaos. Vielfach ist die Durchschnittsgeschwindigkeit für Autos – nicht nur in Berlin – niedriger als 20 Stundenkilometer. Mit dem Fahrrad sind Sie also nicht nur schneller, sondern auch wendiger und billiger. Berlin ist als größte deutsche Stadt jung und offen für Neues. Berlin ist flach ein super Showcase. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen