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Leihräder „Ohne Räder lösen wir die Verkehrsprobleme nicht“

Jimmy Cliff, Manager des Leihradanbieters Mobike, über die harte Konkurrenz, die Fehler der Branche und Pilotprojekte mit E-Bikes.

Jimmy Cliff
Jimmy Cliff will in Deutschland expandieren.

Wer mit Jimmy Cliff ins Gespräch kommt, nimmt dem Manager schnell die Begeisterung fürs Radeln ab. Mindestens genauso heftig wirbt der Manager für die Idee, die Verkehrsprobleme in Städten mittels Leihrädern anzugehen. Wobei Cliff einräumt, dass das Geschäft mit den bunten Velos seine Tücken hat. Vor allem brauche es eine große Zahl von Nutzern, um profitabel sein zu können. Doch Cliff will in Deutschland expandieren. Mobikes sollen bald in allen deutschen Großstädten angeboten werden. 

Herr Cliff, vorigen Herbst trat plötzlich und erwartet gleich eine ganze Reihe von neuen Leihradanbietern an. Inzwischen sind die ersten beiden, Ofo und Obike, aus dem deutschen Markt schon wieder ausgestiegen. Ist der Leihrad-Boom schon wieder vorbei?
Dahinter steckt ein typisches Phänomen bei jungen Geschäftsmodellen. Im vergangenen Jahr gab es ein starkes Wachstum, es war viel los. Die Geschwindigkeit war extrem. Nun sehen wir Lernprozesse. Ähnlich wie einst beim Dotcom-Boom. Von den um die Jahrtausendwende gegründeten Unternehmen waren viele zehn Jahre später nicht mehr da.

Wie steht es um Mobike?
Wir waren die ersten vor zwei Jahren mit dem Smart-Bikesharing. Mit dem intelligenten Schloss und der Sim-Karte im Fahrrad, was die Voraussetzung für das Free-Float-Bikesharing bildet. Also mit dem Konzept, das gemietete Rad überall abstellen zu können. Danach haben wir viele Kopien unseres Modells gesehen. Wir sind heute in 15 Ländern sehr erfolgreich. Aber das Geschäft ist nicht einfach. Deshalb sehen wir nun, dass einige unserer Konkurrenten es vielleicht nicht schaffen. 
 
Ist das alles auch Ausdruck eines neuen Turbokapitalismus und einer sehr jungen Start-up-Kultur in China? Die meisten Leihradanbieter kommen aus China. Und chinesische Unternehmer gelten als ungeduldig. Wenn etwas nicht sofort funktioniert, wird sehr schnell alles umgestoßen.
Die Leihrad-Anbieter bildeten die erste Welle von chinesischen Start-ups, die Dienstleistungen anbieten und sich auf den Weltmarkt wagen. Auch aus dem Silicon Valley kamen einst viele Ideen, die letztlich nicht überlebensfähig waren. Das Interessante an der chinesischen Start-up-Szene ist: Da werden keine Life-Style-Produkte entwickelt, sondern Dinge, die profunde Probleme angehen. Mobilität und Verkehrsinfrastruktur ist eines dieser großen Probleme – mit der Belastung durch Feinstaub und Stickoxid. 

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