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Leiharbeit Die Kluft wächst

Die Bundesagentur für Arbeit ermittelt für Leiharbeiter ein mittleres Monatseinkommen von 1393 Euro. Das sind satte 900 Euro weniger als das, was Beschäftigte ohne Berufsabschluss bekommen.

Der durchschnittliche Leiharbeiter verdient nur 1395 Euro brutto im Monat. Foto: picture-alliance

Über die Löhne von Leiharbeitern ist schon viel spekuliert worden. Jetzt hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) in einer großen Einkommens-Analyse eine harte Zahl vorgelegt: Das mittlere Einkommen einer Vollzeitkraft in der Zeitarbeit betrug 2009 gerade einmal 1393 Euro im Monat – brutto und inklusive aller Zuschläge und Jahresleistungen. Das ist erstaunlich wenig, wenn man bedenkt, dass viele Leihkräfte in der Industrie arbeiten, wo die mittleren Löhne der Stammkräfte mehr als doppelt so hoch sind.

Die meisten Zeitarbeiter haben eine Ausbildung. Trotzdem verdienen sie oft weniger als unqualifizierte Festangestellte. So liegt das mittlere Gehalt von Leiharbeitern satte 900 Euro unter dem Einkommen von allen Beschäftigten ohne Berufsabschluss. Diese große Lohnkluft erklärt, warum es für Firmen so interessant ist, Leiharbeiter anzuheuern, sagt Markus Grabka, Verteilungsforscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

In Branchen wie der Pflege oder der Druckindustrie würden „Stammbeschäftigte entlassen und für dieselbe Tätigkeit als Leiharbeitnehmer zu viel geringeren Löhnen wieder eingestellt“, sagte die Vizechefin der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, der Frankfurter Rundschau. Dagegen helfe nur ein Gesetz, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit vorschreibe.

Für die Analyse hat die BA die Löhne aller sozialversicherungspflichtig Vollzeit-Beschäftigten ausgewertet und geschaut, wie hoch die Einkünfte in verschiedenen Branchen und Regionen sind. Demnach verdienen Arbeitnehmer in der Energieversorgung am meisten, Schlusslicht im Branchenranking sind das Gastgewerbe und die Zeitarbeit. Insgesamt ist laut BA der Anteil der Geringverdiener auf mehr als 20 Prozent gestiegen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen andere Studien.

Realeinkommen der ärmsten um zehn Prozent gesunken

Ein anderes Bild zeichnet eine Untersuchung des Roman-Herzog-Instituts, das von den bayerischen Arbeitgeberverbänden getragen wird. Die Autoren haben sich nicht die Bruttolöhne angeschaut, wie es die BA getan hat. Vielmehr betrachteten sie die verfügbaren Nettoeinkommen der Haushalte, inklusive staatlicher Leistungen. Ihr Ergebnis: Es sei ein Mythos, dass die Mittelschicht schrumpft und die Einkommensunterschiede seit den 1990er Jahren wachsen, heißt es in der Studie, die heute offiziell veröffentlicht werden soll.

Doch DIW-Forscher Grabka widerspricht: „Es gibt eindeutige Belege, dass die Einkommensschere auseinandergeht.“ Das Herzog-Institut komme zu einem anderen Ergebnis, weil es pro Jahr nur ein Monatseinkommen anschaue. Man müsse aber die gesamten Jahreseinkünfte betrachten, um Boni, Einmalzahlungen und Kapitaleinkünfte richtig erfassen zu können. Schaue man sich die Jahreseinkommen an, zeige sich: Die Realeinkommen der ärmsten Bürger seien seit 1999 um zehn Prozent gesunken, die Einkünfte der reichsten fünf Prozent dagegen um 23 Prozent gestiegen.

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