Lade Inhalte...

Lederbranche Das schmutzige Geschäft mit den Schuhen

Die Lederbranche ist um ihren Ruf besorgt. Eine Reihe von Firmen will deshalb für bessere Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette sorgen. NGOs fordern Gesetze.

Agra
Die indische Stadt Agra ist vielen Touristen ein Begriff, hier steht das berühmte Taj Mahal. Kaum jemand dagegen verirrt sich zu den Schuhmachern. Foto: rtr

Arbeiter, die knöcheltief im giftigen Schlamm ihrer Gerberei stehen, Hungerlöhne, verseuchtes Grundwasser und vergiftete Felder. Das ist in vielen Ländern Asiens, dort, wo Leder und Lederwaren für den globalen Markt produziert werden, grausame Realität.

Während die Textilbranche nach Katastrophen wie Rana Plaza in Bangladesch 2013 oder Ali Enterprise in Pakistan 2012 mehr Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen ihrer Zulieferer legen will, tat sich die Lederindustrie bislang schwerer. Das könnte sich jetzt ändern, denn die Brancheninitiative „Cads“ mit Sitz beim Deutschen Schuhinstitut (DSI) in Offenbach will sich eigene Sozial- und Umweltstandards setzen.

80 Betriebe, darunter Produzenten wie die Ara AG (Lloyd, Salamander) und Händler wie Reno oder Deichmann, haben sich darauf geeinigt, aus der Initiative einen Verein zu machen und die Standards in ihren Wertschöpfungsketten umzusetzen. Wer nicht mitzieht, muss den Verein verlassen, sagt der Vereinsvorsitzende Michael Tackenberg, der im Vorstand des Schuhherstellers Gabor in Rosenheim sitzt. „Wir wollen einiges wieder auf die richtige Bahn bringen.“ Ein Jahr soll die Ausarbeitung der Standards dauern. „Die Ausrede vieler Zulieferer lautete bislang oft: Die anderen wollen das aber nicht. Jetzt aber schlagen wir sie, indem 80 Mitglieder dasselbe fordern“, sagt Tackenberg.

Je länger die Lieferkette, desto schwieriger die Umsetzung. Das trifft etwa auf den Großhändler Hamm Reno Group zu, der nach eigener Aussage Lieferanten in China, Vietnam, Indien, Bangladesch, Indonesien und Kambodscha hat, aber auch mit Betrieben in der Türkei, in Italien, Tunesien und Südosteuropa zusammenarbeitet. Branchenriese Deichmann kauft seine Schuhe in 40 Ländern, seine 20 Prozent Lederware in Südosteuropa, das Leder wird in Italien gegerbt. Wobei es auch in europäischen Betrieben viele Missstände gibt, wie Tackenberg bestätigt. „Wir müssen die Guten rausfiltern, auf die sich unserer Mitglieder konzentrieren sollen.“

Angst vor Skandalen

Der vielleicht wichtigste Grund für den Cads-Vorstoß ist die Angst vor Skandalen: Die Zulieferer im Griff zu haben, „dient der Sicherheit unserer Mitglieder“, sagt Tackenberg. Das Risiko, plötzlich am Pranger zu stehen, wenn herauskommt, dass ein Betrieb der Wertschöpfungskette gegen Menschenrechte und Umweltschutz verstößt, soll minimiert werden. „Am Ende steht immer die Marke am Marterpfahl.“

Hilfreich beim Ausarbeiten der Richtlinien könnte der mittelständische Ledertaschenfabrikant Picard aus dem hessischen Obertshausen sein. Die Anmeldung für Cads liegt auf dem Schreibtisch von Geschäftsführer Georg Picard. Picard lässt wie andere familiengeführte Unternehmen der Lederbranche in eigenen Betrieben produzieren (Ukraine, Tunesien, Bangladesch), hat aber auch eine eigene Gerberei in Dhaka, Bangladesch aufgebaut, zusammen mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) und einem Bengalen. Sie hat eine eigene Wasserkläranlage, eine Seltenheit in asiatischen Gerbereien. Andere bengalische Betriebe seien ihm wegen der dort herrschenden Zustände zu riskant, sagt Georg Picard. Zudem hofft er, alle seine Zulieferer mit Hilfe des Vereins Cads auf noch strengere Grenzwerte für Schadstoffe verpflichten zu können, als sie die EU aktuell vorschreibt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen