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Lebensmittel Supermärkte ignorieren Wassernot

Dass viele Produkte aus trockenen Gebieten stammen, spielt laut einer Umfrage des WWF für Lebensmittelhändler kaum eine Rolle.

Bewässerung
Viele Produkte haben bei Anbau und in der Verarbeitung einen hohen Wasserverbrauch. Foto: rtr

Beim Discounter und im Supermarkt allzeit verfügbar und gerne gekauft: Gemüse aus Spanien, Kaffee aus Afrika oder Bananen aus Lateinamerika. Doch diese und viele andere Produkte haben beim Anbau und teils in der Verarbeitung einen hohen Bedarf an Wasser, zudem werden sie oft in Regionen für den Export angebaut, in denen Wasserknappheit herrscht oder die sogar unter starken Dürren leiden. Eine am Mittwoch veröffentlichte Befragung der Umweltstiftung WWF mit dem Titel „Wassernotstand im Regal“ zeigt, dass das Problem bei den Lebensmittel-Einzelhändlern noch kaum auf der Agenda steht und es große Potenziale zur Verminderung des Imports des „virtuellen Wassers“ gibt, die ungenutzt bleiben. 

Die Zahlen sind gigantisch. Um eine Tasse Kaffee trinken zu können, sind 140 Liter Wasser nötig, für ein Kilo Weizen werden 1300 Liter und für ein Kilo Steak sogar bis zu 16.000 Liter aufgewandt. Jeder Deutsche verbraucht so pro Tag über 4000 Liter virtuelles Wasser. Im Verhältnis dazu fällt der Pro-Kopf-Gebrauch von 123 Litern pro Tag, die für Trinken, Kochen, Duschen undsoweiter aus dem Netz gezapft werden, gering aus.

Der WWF warnt, dass sauberes Süßwasser weltweit knapp ist und der Bedarf weiter steigt. Daher seien die Discounter und Supermärkte durch ihre Nachfrage auch Treiber von Wasserknappheit und -verschmutzung sowie den damit verbundenen Konflikten in den Anbaugebieten. Rund 70 Prozent des Süßwassers werden weltweit in der Landwirtschaft verbraucht. Deutschland importiert einen Großteil seiner Lebensmittel, bei Obst sind es 80 Prozent, bei Gemüse 67 Prozent. Laut dem WWF hat jeder im Lebensmittel-Einzelhandel umgesetzte Euro einen „Wasser-Fußabdruck“ von rund 47 Litern.

Das Ergebnis der Umfrage unter Aldi, Alnatura, Edeka und Co. laut der Studie: „Verständnis und Wissen fehlen allerdings noch bei den allermeisten.“ In der Regel würden die Unternehmen die „Wasserrisiken ihrer Produkte“ kaum kennen. „Bei Produktzertifizierungen spielen nachhaltigen Wasserkriterien kaum eine Rolle“, sagte WWF-Wasserexperte Johannes Schmiester der FR. Auch die Branchenorganisationen fassten das Thema noch nicht an. 

Angefragt wurden neben den klassischen Vollsortimentern auch Discounter, Bio- und Online-Händler, und zwar bezogen auf ihre Obst- und Gemüselieferkette. Zehn davon beantworteten den Fragebogen, der Rest nicht, darunter Amazon Fresh, Kaufland und auch der Bioanbieter Denree/Denn’s. 

Schmiester zum Hintergrund der Befragung: „Wasser wird zunehmend zum Wirtschaftsrisiko, denn in den Obst- und Gemüseabteilungen deutscher Supermärkte stammt die Ware oft aus trockenen Regionen mit künstlicher Bewässerung.“ Doch auch andere Lebensmittel seien „durstig“, wie sich etwa an den hohen Werten für Kaffee und Fleisch zeigt. 

Doch in den Chefetagen der deutschen Supermarkt- und Discounter-Ketten werde „das Thema bislang noch ausgeklammert“, kritisierte der Experte. Dabei trage der Lebensmitteleinzelhandel eine große Verantwortung, denn seine Einkaufsentscheidungen beeinflussten die Verfügbarkeit und Qualität von Wasser in den weltweiten Anbaugebieten. Und umgekehrt gelte: „Wasserknappheit andernorts hat Einfluss auf Preis, verfügbare Mengen und Qualität unserer Supermarktprodukte“, so Schmiester.

Der WWF moniert, den Unternehmen fehle häufig das Verständnis, dass Wassernutzung und -verschmutzung über den einzelnen Anbau-Betrieb hinaus betrachtet werden müssten und die Bedürfnisse der Wassernutzer auf- und abwärts eines Flusses zu berücksichtigen seien. Wo dieses Wissen besteht, werde daraus kaum strategisches Handeln abgeleitet - also etwa Einkaufs-Anforderungen anzupassen, Zertifizierungen anzufragen und sich mit den Produzenten in den betroffenen Gebieten zu engagieren. Auch würden die Konsumenten nicht über das Problem des virtuellen Wassers aufgeklärt, und es gebe keine Transparenz. 

Relativ gut in der WWF-Bewertung der Antworten aus den Fragebögen schneiden Edeka und Netto ab, die beide zum selben Konzern gehören, während ausgerechnet der Bio-Supermarkt Alnatura schlecht wegkommt. Dass eines der Vorzeigeunternehmen der Biobranche in diesem Punkt abfällt, erläutert Schmiester so: Die Bio-Märkte generell orientierten sich beim Obst und Gemüse am offiziellem EU-Bio-Standard, der das Problem des „virtuellen Wassers“ kaum adressiert. „Insgesamt tut Alnatura sehr viel für eine nachhaltige Landwirtschaft“, stellt er klar. Doch beim Thema Wasser gebe es auch bei den Bioanbietern Nachholbedarf.

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