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Landwirtschaft in Deutschland Miese Ernte frustriert die Bauern

Die sonnigen Tage kommen für die Bauern zu spät. Der Regen der Vormonate und viele Schädlinge sorgen für geringe Erträge. Die mickrige Ernte bringt viele Bauern in Bedrängnis.

Ernte in Niedersachsen
Ein Landwirt erntet am 17.08.2016 in der Abenddämmerung mit einem Mähdrescher ein Weizenfeld bei Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen). Bei der trockenen Witterung läuft die Getreideernte auf Hochtouren. Foto: Julian Stratenschulte/dpa (zu dpa "Landwirte leiden bei der Ernte unter schlechten Wetterbedingungen" vom 19.08.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

Das unbeständige Wetter und ein verstärkter Befall der Pflanzen durch Schädlinge und Krankheiten machen den heimischen Landwirten in diesem Jahr besonders zu schaffen. Insgesamt sei nur mit einer unterdurchschnittlichen Ernte zu rechnen, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, am Freitag in Berlin. Vor allem die Getreide- und Rapsernte verlaufe besonders enttäuschend. Es gebe zu viel Regen und zu wenig Sonne. „Ertragseinbußen in diesem Ausmaß haben wir vor der Ernte nicht erwartet.“

Die Verbraucher müssen gleichwohl nicht damit rechnen, dass die Preise für Nahrungsmittel in absehbarer Zeit wegen Knappheit auf breiter Front steigen: Weil Deutschland in den weltweiten Agrarhandel eingebunden ist, können schlechte Ernten hierzulande schnell durch Lieferungen aus anderen Regionen ausgeglichen werden.

Vielen Ackerbauern geht es wirtschaftlich schlecht

In Russland würden die Getreide-Erzeuger in diesem Jahr Rekordernten einfahren, auch in den USA sei mit starken Erträgen zu rechnen, sagte Rukwied. Weltweit werde gegenwärtig mehr Getreide angeboten als jemals zuvor. Der Preisdruck auf die deutschen Bauern bleibe hoch, signifikante Steigerungen der Erzeugerpreise seien in den kommenden Wochen nicht in Sicht.

Vielen Ackerbauern gehe es hierzulande wirtschaftlich sehr schlecht. „Sie reihen sich bei den Milchbauern und Schweinehaltern ein“, klagte der DBV-Chef. Die Branche hoffe jedoch, dass Anfang kommenden Jahres die Preise für Qualitätsgetreide etwas steigen. Dann könnten womöglich auch Brot und Brötchen ein paar Cent teurer werden, hieß es. Ob das aber tatsächlich eintreten wird, lässt sich derzeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen.

Der scharfe Wettbewerb im Lebensmittelhandel führt ohnehin dazu, dass Verarbeitungsbetriebe den von den Handelsketten ausgeübten Preisdruck permanent an die Landwirte weitergeben. Beim Getreide dürfte die Erntemenge nach Einschätzung des Verbands in diesem Jahr bundesweit um mehr als zehn Prozent auf 43,5 Millionen Tonnen zurückgehen.

Auch die Rapsernte falle deutlich schlechter aus als im vergangenen Jahr. Das schlechte Wetter habe nicht nur das Pflanzenwachstum beeinträchtigt, sondern häufig auch einen effizienten Pflanzenschutz unmöglich gemacht. Dadurch seien vermehrt Schädlinge und Krankheiten aufgetreten.

Nicht viel besser als bei den Getreidebauern sieht es bei zahlreichen Obst-Erzeugern aus: Die Erntemengen etwa bei Äpfeln, Birnen und Pflaumen dürften geringer ausfallen als in der vorhergehenden Saison. Die Kirschbauern wiederum kämpften nicht nur mit dem unbeständigen Wetter, sondern auch gegen die Kirschessigfliege (siehe Artikel auf dieser Seite).

Bauernpräsident Rukwiek sagte am Freitag, dass die Bauern angesichts der instabilen Witterung überhaupt ernten könnten, sei dem Pflanzenschutz zu verdanken. Dies gelte gleichermaßen für konventionelle wie Öko-Betriebe. Der gesamte Ackerbau benötige eine ausreichende Palette an Wirkstoffen. Politik und Behörden müssten mehr Wirkstoffe zulassen, notwendig sei eine europaweite Harmonisierung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich bei diesem kritischen Punkt bereits am Donnerstag demonstrativ auf die Seite der Agrar-Lobby geschlagen und zugesichert, sich auf EU-Ebene für den weiteren Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat einzusetzen. Das Mittel steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Allerdings gibt es auch Studien, die besagen, dass es bei ordnungsgemäßem Gebrauch für den Menschen ungefährlich sei.

Auf EU-Ebene und innerhalb der Berliner Regierungskoalition tobt seit geraumer Zeit eine heftige Auseinandersetzung über die weitere Zulassung von Glyphosat.

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