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Landwirtschaft Hopfen trotzt der Hitze

Bauern in der Hallertau konkurrieren mit Anbaugebieten in den USA.

Hopfenernte
Die Hopfenbauern hoffen auch in diesem Jahr auf volle Speicher. Foto: imago

Hitze und Dürre lassen große Teile der heimischen Landwirtschaft verzweifeln. Ausnahmen sind rar. Eine davon sind Hopfenbauern – jedenfalls noch. „Wir erwarten keineswegs eine Katastrophenernte“, sagt Stephan Barth. Die bayerischen Anbaugebiete für einen der wichtigsten Rohstoffe von Bier haben dieses Jahr meteorologisch Glück gehabt und sind bis jetzt gut mit Wasser versorgt, freut sich der geschäftsführender Gesellschafter des weltgrößten Hopfenhändlers Barth und Sohn aus Nürnberg. Von überdurchschnittlicher bis leicht unterdurchschnittlicher Ernte im September sei noch alles drin. Für den besseren Fall ist allerdings irgendwann noch einmal Regen nötig. 

Dabei haben es die Hopfenpflanzer im weltgrößten zusammenhängenden Anbaugebiet Hallertau schwerer als ihre größten Konkurrenten in den USA, von denen sie vor einigen Jahren schon überflügelt worden sind. 38 Prozent der weltweiten Anbaufläche für den Stoff, der Bier einen unterscheidbaren Geschmack gibt, entfallen mittlerweile auf die USA. Der deutsche Anteil beträgt noch ein Drittel. Das ist auch insofern bemerkenswert, als US-Hopfen größtenteils in einer Wüste, wenn auch auf sehr fruchtbaren Lössböden wächst. 

Ein natürliches Anbaugebiet ist das aber nicht. Nutzbar ist die US-Wüste nur, weil sie systematisch bewässert wird und dortiger Hopfen deshalb auch vom Klimawandel nicht wirklich verdorrt werden kann. „US-Hopfen hat einen sehr konstanten Witterungsverlauf“, sagt Barth. Wasser werde dort technologisch jederzeit verfügbar gemacht. Bayerische Hopfenbauern müssten dagegen mit Wetterkapriolen zurechtkommen, was die Produktion unberechenbar macht und hin und wieder zu Missernten führt. 2017 war die deutsche Hopfenernte zum Beispiel trotz gut fünfprozentiger Flächenausweitung um drei Prozent geringer als 2016. 

Wirklich abgehängt haben US-Hopfenbauern ihre bayerische Konkurrenz aber vor allem durch den seit einigen Jahren die US-Bierszene beherrschenden Craftbierboom. Denn um dafür typische Geschmacksnoten wie Mandarine, Schokolade oder Banane zu erzeugen, braucht man erstens speziellen Aromahopfen und zweitens viel davon. Craftbier steht zwar nur für 2,5 Prozent der Weltbiermenge. Es verbraucht aber jedes Jahr ein Fünftel bis ein Viertel der gesamten Welthopfenernte. Weil US-Brauer heimischen Rohstoff bevorzugen, hat das in den vergangenen Jahren zur kräftigen Ausweitung der dortigen Anbaufläche geführt. 

Weltweit wurden voriges Jahr mehr als 118 000 Tonnen Hopfen geerntet. Das waren sechs Prozent mehr als im Jahr davor und so viel wie seit 1996 nicht mehr. Die Erntemenge eingefahren haben zu 41 Prozent US-Hopfenpflanzer und zu 35 Prozent ihre bayerischen Wettbewerber. 

Während Hopfen zunehmend gefragt ist, stagniert die weltweit gebraute Biermenge dagegen seit 2012 bei knapp zwei Milliarden Hektolitern. Im gleichen Zeitraum hat die Hopfennachfrage um ein Viertel zugenommen. Dabei haben die USA Deutschland nicht nur in punkto Hopfenanbau und Ernte überflügelt, sondern auch hinsichtlich Vielfalt. Von den weltweit 272 Hopfensorten werden 72 in den USA angebaut und 41 in Deutschland. 

Wenn Craftbier als handwerklich in relativ kleinen Mengen gebrauter Gerstensaft mit vielen unterschiedlichen Geschmacksnoten definiert wird, gibt es so etwas in Deutschland und speziell in Franken um Bamberg herum mit der dort weltgrößten Brauereidichte schon immer. So gesehen haben die USA nur nachvollzogen, was in Deutschland längst Tradition ist.

Im Marketing können deutsche Bierbrauer aber ihrerseits von US-Kollegen lernen. Die werben nämlich mit Geschmack, Qualität und neuer Vielfalt. Die deutsche Brauerszene hat lange fast nur über den Preis einen Verdrängungswettbewerb geführt und erst seit wenigen Jahren begriffen, dass man mit Craftbier das Image und den Verkaufspreis steigern kann.

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