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Landwirtschaft Bauer sucht Land

Ackerflächen in Deutschland werden zu Spekulationsobjekten, in die selbst Brillen- und Möbelhersteller investieren. Die Preise steigen rasant – darunter leiden vor allem Junglandwirte.

Mähdrescher der Genossenschaft Marktfrucht Lützow uf einem Feld bei Käselow die Wintergerste. Foto: dpa

Deutschlands Äcker werden immer teurer. Die Preise für landwirtschaftliche Flächen steigen seit Jahren und haben 2013 Höchststände erreicht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, muss in den neuen Ländern mittlerweile bis zu dreimal mehr als noch vor 15 Jahren pro Hektar bezahlt werden. Dort sind 20.000 Euro keine Seltenheit mehr. Im Westen ist der Anstieg nicht ganz so rasant. Doch liegen dort die Preise von jeher höher. In Bayern wechselt der Hektar für 30.000 Euro und mehr den Besitzer.

Darunter leiden vor allem Jungbauern, die einen Hof gründen, und Landwirte, die sich vergrößern wollen. Das ostdeutsche Bündnis Junge Landwirtschaft hofft mit seiner Initiative „Bauer sucht Land“ auf politische Unterstützung. Sonderlich gut stehen die Chancen auf sinkende oder zumindest stagnierende Bodenpreise aber nicht. Zum einen ist es die Politik selbst, die mit Agrarsubventionen den Run aufs Ackerland befeuert. Denn die EU zahlt noch immer flächenabhängig, Großbetriebe sind somit im Vorteil.

Zum anderen sind es marktwirtschaftliche Mechanismen, die das Agrarland verteuern. Im globalen Maßstab nimmt die Nachfrage nach guten Böden nämlich rasch zu. Die Weltbevölkerung wächst und der besonders flächenintensive Fleischkonsum steigt in Schwellenländern wie China rasant. Die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen aber sind endlich, mehr noch: Vielerorts gehen Böden verloren, durch Erosion in den armen Weltregionen, durch Bebauung in den reichen. Allein in Deutschland werden täglich 74 Hektar durch neue Straßen und Gebäude versiegelt. Überdies müssen für viele Baumaßnahmen Ausgleichsflächen geschaffen und „ökologisch aufgewertet“ werden, die der Landwirtschaft ebenfalls nicht mehr zur Verfügung stehen.

Dem in Deutschland schrumpfenden Agrarflächenangebot steht eine stark gestiegene Nachfrage gegenüber. Längst haben Kapitaleigner und Investitionsfonds die heimische Krume als lohnendes Anlageobjekt entdeckt, da nicht nur die Kaufpreise, sondern auch die Pachteinnahmen steigen. Beispiel Thüringen: 2013 wurde im Schnitt  270 Euro Pacht pro Hektar fällig, im Jahr 2000 waren es noch unter 100 Euro. Zu den Investoren zählen der Brillenhersteller Fielmann, der Möbelproduzent Steinhoff und die Entsorgungsfirma Rethmann. Hinzu kommen Agrarkonzerne wie die JLW Holding und die KTG, deren Gründer Siegfried Hofreiter sich gern als „erster Bauer an der Börse“ bezeichnet. 28.000 Hektar Ackerland besitzt das Unternehmen mittlerweile in den ostdeutschen Ländern. Zudem gehen der traditionellen Landwirtschaft Flächen durch den Anbau von Pflanzen für Biogasanlagen verloren.

Nicht unbeteiligt an der Entwicklung ist auch der Staat, namentlich die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH. Die Nachfolge-Gesellschaft der Treuhand hat in den vergangenen Jahren fast 800 000 Hektar ostdeutsches Agrarland an meistbietende Investoren verkauft.

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