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Landesbanken Da waren’s nur noch sieben

Die Zahl der Landesbanken ist nach der Finanzkrise kräftig geschrumpft. Wer braucht die Institute überhaupt noch?

Der Main Tower in der Innenstadt Frankfurt
Die Helaba in Frankfurt hat sich in der Finanzkrise besser als andere Landesbanken geschlagen. Foto: Imago

Unternehmensberater verwendeten jahrzehntelang viel Zeit darauf, mögliche Fusionsmodelle für Landesbanken durchzuspielen. Da gab es nichts, was nicht denkbar schien. Äußerst beliebt: das Szenario einer Fusion der Landesbank Baden-Württemberg mit der Bayern LB. Oder der HSH Nordbank mit der Nord LB. Oder der Düsseldorfer West LB mit fast jedem.

Am Ende aber erwiesen sich die Landesbanken und ihre Eigentümer als nicht handlungswillig. Die Finanzkrise ab 2007 machte dann Veränderungen aber unausweichlich, die Landesbankenwelt änderte sich vollkommen. Und tut das weiterhin.

Vor kurzem verkündeten die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein den Verkauf der HSH Nordbank an private Investoren. Sie mussten sich auf Geheiß der EU-Kommission nach milliardenschweren Subventionen für die Bank in der Finanzkrise von dem Institut trennen. Nun ist die Nord LB in Hannover das neue Sorgenkind der Sparkassen-Finanzgruppe, der die Landesbanken angehören. Die meisten Landesbanken gehören Bundesländern und Sparkassenverbänden gemeinsam, Ausnahme ist die Landesbank Berlin, die alleine im Besitz der Sparkassen ist. 

Die Kapitaldecke der Nord LB ist eher mäßig. Vorstandschef Thomas Bürkle erklärte daher im April, dass die Bank und ihre Eigner – die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie drei Sparkassenverbände – „verschiedenste Optionen“ prüften, um an frisches Geld zu kommen. Dazu gehöre auch die Hereinnahme eines privaten Investors. Denn sollten die staatlichen Eigentümer Kapital einschießen, wäre das ein Beihilfefall und würde die EU-Kommission auf den Plan rufen.
Vor der Finanzkrise hätte das noch zu einem Aufschrei in der Sparkassen-Finanzgruppe geführt. Privates Kapital – niemals, lautete damals die Devise. Doch nun ist von Empörung wenig zu spüren. Die Krise hat die Gruppe offenbar auch mental abgehärtet.

Vor der Finanzkrise gab es noch elf Zentralinstitute der Sparkassen sowie den zentralen sparkasseneigenen Fondsanbieter Deka in Frankfurt. Inzwischen sind es nur noch sieben – nach der Privatisierung der HSH Nordbank noch sechs – und die Deka. In der Krise schluckte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die marode Sachsen LB, die LBBW-Tochter Landesbank Rheinland-Pfalz wurde in den Konzern integriert. Die einst stolze West LB in Düsseldorf wurde abgewickelt. Die Nord LB verleibte sich die Bremer Landesbank ganz ein. Ein Sonderfall war die Saar LB – sie gehörte mehrheitlich der Bayern LB. Das Saarland übernahm jedoch schrittweise bis 2014 die Anteile. Sie ist nun eine selbstständige Landesbank, die sich auf das grenzüberschreitende Geschäft mit Frankreich konzentriert. 

Landesbanken sind drastisch geschrumpft

Die verbleibenden Landesbanken sind in den vergangenen Jahren drastisch geschrumpft, die größte Landesbank LBBW in Stuttgart etwa hat ihre Bilanzsumme von 443,4 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 237,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr heruntergefahren. „Die Landesbanken gehen weniger Risiken ein und haben ihr Eigenkapital gestärkt. Aber ihre Profitabilität ist gering“, sagt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. Die HSH Nordbank und die Nord LB haben sich unter anderem stark auf die Themen Schiffsfinanzierung und erneuerbare Energien fokussiert, LBBW, Bayern LB und Helaba haben sich das Geschäft mit dem Mittelstand und die Immobilienfinanzierung auf die Fahnen geschrieben.

„Die Frage ist doch: Machen die nicht Ähnliches wie etwa die Commerzbank und muss das denn von staatlichen Trägern – und im Krisenfall auf Kosten der Steuerzahler – getan werden?“, sagt Steffens. Er plädiert dafür, dass Landesbanken nur öffentliche Projekte finanzieren sollten. „Alle anderen Geschäfte müssten nicht unter Staatsschutz stehen.“ Die staatlichen Landesbanken machten anderen deutschen Banken Wettbewerb und drückten damit die in Deutschland ohnehin niedrigen Margen im Bankgeschäft nach unten. „Würden die Landesbanken überleben, wenn der Staat nicht dahinter stünde? Ich bezweifele das“, sagt er. Die Landesbanken profitieren von der impliziten Staatshaftung durch ihre Eigentümer, was ihre Refinanzierungskosten drückt.

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