Lade Inhalte...

Kursschwankungen Turbulente Börsen

Was bedeuten die derzeitigen Kursschwankungen für Privatanleger?

Wie geht es weiter an den Börsen? Foto: Moritz Wienert

Wenn Donald Trump einen Handelskrieg schürt, hat das auch Auswirkungen auf Privatanleger in Deutschland. Wer beispielsweise in einen Aktienfonds investiert hat, konnte in den letzten Wochen und Monaten schon einmal nervös werden: Die Börse ist nach einer langanhaltenden Aufwärtsbewegung in die Knie gegangen wie lange nicht.

Das lässt das Vertrauen in das Investment von Aktien nicht gerade steigen. Und das, obwohl der Schritt an die Börse von Experten gemeinhin seit Jahren als attraktivste Anlageform beschrieben wird – erst recht seit die Zinsen für risikoärmere Produkte in den Keller gerauscht sind und dort verharren. Ändert sich das nun? Ist der Kurssturz im Herbst ein Anzeichen für eine Trendwende?

Zinswende kommt nicht von heute auf morgen

Im kommenden Jahr sollen die Zinsen steigen. Festgeld und Tagesgeld könnten auf lange Sicht wieder attraktiver werden. Was ist dann im Umkehrschluss mit Aktienfonds? Dafür bedarf es einer genaueren Betrachtung. Die Zinswende kommt, aber nicht von heute auf morgen. Die Europäische Zentralbank hat jüngst angekündigt, die umstrittenen Wertpapierkäufe zum Jahresende einzustellen. Es ist davon auszugehen, dass im Zuge dessen auch nach und nach die Strafzinsen gesenkt werden. Eine Erhöhung des Zinsniveaus soll es aber frühestens im Herbst 2019 geben und die wird nicht so groß sein, dass es sich direkt spürbar auf den Sparbüchern niederschlägt. Sparer brauchen somit noch etwas Geduld.

An den Aktienmärkten ist zwar auch Geduld gefragt, es bewegt sich derzeit aber einiges. Die Gründe für die turbulenten Börsen sind vielfältig. Und geopolitische Risiken wirken aktuell stärker als ein angekündigter Zinsanstieg. Nicht nur die zahlreichen Strafzölle des US-Präsidenten schüren weltweite Verunsicherung. Der Brexit ist zwar auf einem guten Weg, aber immer noch nicht in trockenen Tüchern, so dass ein Chaos auf dem europäischen Aktienmarkt bei kurzfristigem Scheitern der Verhandlungen noch nicht komplett abgewendet ist.

Italien bereitet Sorgen 

Zudem bereitet Italien Börsenbeobachtern Sorgen. Die Regierung plant trotz Warnung der EU-Kommission weiter Schulden anzuhäufen. Somit besteht die Gefahr, dass Ratingagenturen das Land auf Ramschniveau herabstufen. Dann wäre ein weiterer Abwärtskurs an europäischen Börsen zu befürchten. Experten betrachten auch die Wachstumsschwäche in China als Risikofaktor und zuletzt wirkt der zurückgehende Ölpreis auf den Börsenkurs ein.

„Diese Fülle an Risikofaktoren trifft auf ein sich nach neun Jahren Aufschwung abschwächendes volkswirtschaftliches Umfeld, stellt das für das kommende Jahr erwartete Gewinnwachstum der Unternehmen in Frage und schmälert die Attraktivität von Aktien“, fasst Adrian Roestel, vom Münchner Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen die Gemengelage zusammen.

Abschläge, aber kein Crash

Ist also ein Börsencrash zu befürchten? Trotz all dieser Risikofaktoren sehen Experten keine Gefahr eines Crashs. „Die Schwellenländer stehen ökonomisch deutlich besser da als in der letzten großen Krise vor 20 Jahren“, sagt Roestel. Die US-Konjunktur als größte Volkswirtschaft der Welt laufe viel zu gut und auch die Unternehmen in Europa seien gut positioniert, haben Reserven aufgebaut und sind effizienter geworden.

Dem schließt sich auch der Berliner Vermögensverwalter Andreas Görler von Wellinvest – Pruschke & Kalm an. Die Unternehmenszahlen seien im Durchschnitt stabil und das Wirtschaftswachstum intakt. Zu einem Crash gehöre eine viel rasantere Entwicklung aus schnell steigender Inflation, Zinsanstieg in Europa, großen Ertragsverlusten bei relevanten Unternehmen und geopolitischen Zuspitzungen. Das ist zurzeit nicht der Fall. Auch wenn etwa beim deutschen Leitindex Dax laut Experten mit einem abermaligem Abschlag von fünf bis zehn Prozent gerechnet werden muss.

Schwankungen gehören dazu 

In Zeiten schwankender Börsen stellt sich die Frage, ob Anleger ihre Fonds verkaufen sollten, um weiteren Verlusten zu entgehen? Klar ist: Schwankungen gehören zum Börsengeschehen dazu und auch Schwächephasen gibt es am Markt immer wieder. „Die gilt es durchzustehen“, sagt Roestel im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen. „Ich sehe keinen Grund Aktien, Aktienfonds oder ETFs auf Aktienindizes zu verkaufen, insbesondere nicht, wenn es sich um fundamental, stabile Titel handelt. Allerdings ist es von Relevanz wie das Depot insgesamt strukturiert ist. Bei Aktienquoten von 20 bis 30 Prozent rate ich nie zu Reduzierungen“, sagt Görler.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen