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Krypto-Währung Bitcoins in China unter Druck

Riesige Rechenleistungen generieren Bitcoins und sichern die nötige Infrastruktur. China will das energieintensive Geschäft eindämmen.

Bitcoin
China will das Bitcoin-Geschäft eindämmen. Foto: afp

Chinas Bitcoin-Szene versinkt in depressiver Stimmung. Im September hat die Regierung bereits Handelsplätze für die neuen Währungen verboten und damit die private Nutzung zurückgedrängt. Jetzt geraten auch die sogenannten Miner unter Druck, jenes Volk von gewinnorientierten Enthusiasten, die dem System die Rechenleistung starker Computer zur Verfügung stellen und dafür Coins als Belohnung erhalten. „Die Party ist vorbei“, sagte Bobby Lee, der Chef der nun geschlossenen Bitcoin-Börse BTCC.

Die chinesische Regierung verstärkt auch ihre grundsätzliche Kritik an Bitcoin: „Virtuelle Währungen sind ein Instrument krimineller Aktivitäten“, behauptete die National Internet Finance Association of China, die von der Zentralbank des Landes kontrolliert wird. Auf Druck von oben hin hat sich auch der Internetkonzern Baidu wieder von Bitcoin als Zahlungsoption verabschiedet. Damit ist China innerhalb weniger Monate vom Krypto-Vorreiter zum Regulierungs-Vorreiter geworden.

Hoher Energieverbrauch

Doch Krypto-Währung sind von Institutionen und Staaten unabhängig – und leben daher auch in China weiter. Seit die Regierung die offiziellen Börsen geschlossen hat, boomt der direkte Handel der Nutzer untereinander. Zahlen des Dienstleisters LocalBitcoin zufolge ist dieser inoffizielle Austausch um 2200 Prozent angestiegen.

Die jüngsten Schwierigkeiten drohen jedoch nicht von der Finanzaufsicht, sondern von den Energiekonzernen des Landes. Diese sorgen sich um den hohen Strombedarf für das Mining. Der Bergbau von Bitcoin stellt einerseits die Infrastruktur für den Betrieb des Systems zur Verfügung. Andererseits können die Teilnehmer damit Geld verdienen. Das Mining verbraucht viel Strom. Täglich gehen dafür rund 90 Millionen Kilowattstunden drauf. Eine einzige Überweisung verbraucht so viel Strom wie ein deutscher Zweipersonenhaushalt in rund einem Monat, rechnet die Webseite Digiconomist.net aus.

Im November hat nun eine Bitcoin-Mine in der Provinz Sichuan ein Schreiben des örtlichen Energieversorgers State Grid erhalten: Die Nutzung von Wasserkraft für die Versorgung der Haushalte habe Priorität vor sonstigen Geschäftsinteressen. Das berichtet das Wirtschafts-Portal Caixin. In der Provinz Sichuan stehen besonders viele Bitcoin-Bergwerke. Dort gibt es viele Staudämme mit Kraftwerken. In Zeiten geringer Stromnachfrage im Netz haben die Bergleute die Energie zu günstigen Preisen abgenommen.

Ohne zentrale Kontrolle

Der Bergbau ist Teil der Mechanismen, mit denen eine Krypto-Währung ohne zentrale Kontrolle und Aufseher auskommt. Die Transaktionen sind in einer öffentlichen Datenbank gespeichert, der sogenannten Blockchain. Jeweils ein ganzer Stapel von Transaktionen ist zu einem Block von Daten zusammengefasst. Eine Transaktion ist dabei eine Übertragung im Sinne von „Susi gibt Markus ein Bitcoin“. Die einzelnen Blöcke sind datentechnisch so verbunden, dass eine Manipulation an der Kette sofort auffallen würde.

Die Bergleute bauen nun laufend die neuen Blöcke in die Kette ein. Sie müssten dabei im Grunde nicht besonders viel Strom verbrauchen. Doch der Vorgang ist absichtlich erschwert: Die Miner müssen enorm komplizierte Rechenaufgaben lösen, um einen gültigen Block herzustellen. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich damit im Gleichschritt mit der Computerleistung, die die Miner in ihren Minen anschließen.

Die künstliche Erschwerung dient dazu, um Vertrauen zu schaffen. Denn sie macht es schwer, einen Block oder gar einen ganzen Teilabschnitt der Blockchain zu fälschen. Schließlich ist das Bitcoin-Netz bereits der größte Supercomputer auf dem Planeten. In den Minen stehen Metallregale mit langen Reihen von spezialisierten Rechnern, die nichts anderes können, als die nötige Mathematik für die Bildung korrekter Blöcke zu bewältigen.

Rüstungswettlauf um Mining-Hardware

Beim derzeitigen Bitcoin-Kurs von über 15 000 Euro bringt das Mining dreimal mehr ein, als es kostet – zumindest zu den Strompreisen direkt an einem Wasserkraftwerk in Sichuan. Kein Wunder, dass 80 Prozent der Rechenleistung für Bitcoin in China zur Verfügung steht. Kein Wunder auch, dass weltweit ein Rüstungswettlauf um die stärkste Hardware für das Mining entbrannt ist.

Das Schürfen bleibt in China dennoch grundsätzlich legal, wie aus Bitcoin-Kreisen zu hören ist. Der gewerbliche Kauf und Verkauf von Bitcoin soll jedoch unterbunden bleiben – um Kapitalflucht zu erschweren. Damit zeigen sich deutliche Widersprüche zwischen den Systemen. Die Blockchain ist dezentral und unabhängig. China will aber alles möglichst zentralstaatlich kontrollieren und dennoch technisch vorne mitspielen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Bitcoin

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