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Kritik von Oxfam „Privates Investment ist nicht das Allheilmittel“

Die Entwicklung in afrikanischen Ländern läuft falsch, kritisiert die Oxfam-Geschäftsführerin Siphokazi Mthathi. Gerade in Ländern mit starkem Wachstum steige die soziale Ungleichheit.

G20 Afrika-Partnerschaftskonferenz in Berlin
G20 Afrika-Partnerschaftskonferenz in Berlin. Foto: dpa

Die deutsche G20-Präsidentschaft veranstaltet als Vorbereitung für den G20-Gipfel eine zweitägige Afrika-Konferenz, auf der private Investitionen im Mittelpunkt stehen: „Compact with Africa“. Ein Interview mit Siphokazi Mthathi, Geschäftsführerin von Oxfam Südafrika.

Frau Mthathi, Ziel sind Investitionspartnerschaften. Ist das der richtige Weg, um den Ländern Afrikas zu helfen?
Afrika steht derzeit an einem Wendepunkt. Der Kontinent hat sich aufgrund von starken Investitionen entwickelt, und das ist sehr positiv. In den letzten Jahren kamen sieben der zehn sich am schnellsten entwickelnden Länder auf der Welt aus Afrika. Trotzdem sind wir der Ansicht, dass diese Art der Entwicklung falsch ist.

Das müssen Sie erklären.
Das Ausmaß des Wachstums wird immer als Faktor des Bruttoinlandsprodukts berechnet, gleichzeitig ist aber in allen Ländern mit starkem Wachstum die soziale Ungleichheit in den Himmel gewachsen. Das Wachstum hat nicht dazu beigetragen, dass die Armut abnimmt.

Weil es die Menschen nicht erreicht?
Richtig. Privates Investment ist nicht das Allheilmittel, als das es die deutsche Bundesregierung und andere anpreisen. Denn der Privatsektor geht nie von den Bedürfnissen der Menschen aus, er fragt nicht, wer die Schwächsten sind und wer am meisten Unterstützung braucht. In Afrika sind das Frauen und junge Leute.

Afrika ist, anders als Europa, ein junger Kontinent.
Ja, nehmen Sie nur das Beispiel Ghana. Es ist eines der Länder, die nun speziell gefördert werden sollen. Drei Viertel seiner Bevölkerung sind jung! Nimmt der „Compact with Africa“ darauf Rücksicht? Wir müssen auf dem gesamten Kontinent unsere Wirtschaftsstruktur verändern, hin zu einer Ökonomie, die die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt.

Und dafür ist die Förderung von privaten Investitionen nicht das richtige Instrument?
Nein, und die Idee ist ja auch gar nicht neu! Diese Mantras hören wir seit 25 Jahren, die deutsche Regierung soll also nicht so tun, als ob sie hier etwas Neues präsentiert.

Was kritisieren Sie an privaten Investitionen?
Wir wissen, dass dabei oft bestehende Regeln ignoriert werden und es viel zu viele Schlupflöcher gibt. Zudem geht dabei oft mehr Geld außer Landes, als Geld ins Land kommt, um denen zu helfen, die es wirklich brauchen. Unser Ziel muss sein, dass unsere Volkswirtschaften autonomer und weniger abhängig werden.

Aber würden Sie bestreiten, dass Investitionen grundsätzlich notwendig sind?
Natürlich brauchen wir dringend Investitionen, aber es müssen dabei genaue Rahmenbedingungen gelten, die dazu führen, dass den Menschen geholfen wird und es nicht zu Ausbeutung wie in der Vergangenheit kommt. Das bedeutet auch, dass die Zivilgesellschaft stark miteinbezogen wird.

Sie ist auch bei der Konferenz nur am Rande gefragt.
Ja, leider. Es geht hier nur um Deals zwischen Regierungen und Investoren. Dabei haben wir in Afrika eigene Visionen von Entwicklung entwickelt, und dort müssen die privaten Investitionen ansetzen. Man kann diese Visionen kritisieren, aber man muss sie ernst nehmen. Stattdessen sehen wir eine neue Form von Neokolonialismus, indem man Afrika wie ein Kind behandelt und ihm sagt, was es braucht. Wir brauchen Investitionen, aber es kommt auf die Art an, wie sie getätigt werden.

Können Sie ein Beispiel geben?
Nehmen Sie die Landwirtschaft. Sie wird mehrheitlich von Kleinstbauern getragen, die in der Regel Frauen sind. Sie produzieren 70 Prozent der Nahrungsmittel in Afrika. Sinnvolle Investitionen müssten dort ansetzen und sie in die Lage versetzen, ihre Produktivität zu erhöhen und flexibel auf das Problem des Klimawandels reagieren zu können.

Das Gespräch führte Kordula Doerfler.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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