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Krisenbank Die Deutsche Bank will „langweiliger“ werden

Die Aktionäre der Deutschen Bank nutzen die Hauptversammlung, um ihrem Unmut Luft zu machen. Allerdings deutlich zurückhaltender als früher.

Deutsche Bank
Aktivisten von Attac inszenieren sich bei einer Aktion gegen die Deutsche Bank mit Spaten, Kohle und einem Gewehr. Foto: dpa

Was ist denn nur los mit den Aktionären der Deutschen Bank? Eineinhalb Stunden reden nacheinander erst der umstrittene Aufsichtsratschef, Paul Achleitner, und anschließend der neue Vorstandschef von Deutschlands größtem Geldhaus, Christian Sewing, auf der Hauptversammlung (HV) des Instituts in der Festhalle in Frankfurt. In den vergangenen Jahren hat sich auch während der Auftritte des Spitzenpersonals immer etwas getan im Saal. So warfen etwa Umweltschützer oder geprellte Anleger Konfetti und versuchten, in den Bühnenbereich zu gelangen. Es wurden Flugblätter verteilt, Protestler zogen durch die Reihen, schrien, buhten, reckten Plakate in die Höhe.

Doch dieses Jahr ist die Ruhe im Saal während der Reden geradezu unheimlich. Kaum Buhrufe, nur vereinzelte leise Zwischenrufe aus den hinteren Reihen, kein Konfetti, keine Protestaktionen. Hat Achleitner die etwa 4150 Zuhörer etwa milde gestimmt, als er allen Frankfurtern „als Münchner“ gleich zu Beginn seiner Rede zum DFB-Pokal gratuliert und den fußballerischen „Kampfgeist der Frankfurter“ lobt?

Das ist es vermutlich nicht. Die Aktionäre der Deutschen Bank sind inzwischen wohl einfach müde. So viele Jahre mit schlechten Ergebnissen, personellen Neuerungen, einem abstürzenden Aktienkurs, hohen Boni für Investmentbanker gepaart mit einer niedrigen Dividende für die Aktionäre – da scheinen einige Eigentümer einfach abgestumpft zu sein.

Dass Sewing am Donnerstag den Aktionären das vorträgt, was viele seit Jahren gefordert haben, nämlich eine deutliche Verkleinerung des Investmentbankings, findet im Saal keinen besonderen Applaus. Dass er verspricht, die viel zu hohen Kosten der Bank in den Griff zu bekommen, ebenso wenig. Auch die Ankündigung, mindestens 7000 Vollzeitstellen zu streichen, findet keine Resonanz. Die Aktionäre scheinen vor sich hinzudämmern.

Eigentlich war damit gerechnet worden, dass die Aktionäre insbesondere Aufsichtsratschef Achleitner auf der Hauptversammlung richtig einheizen würden. Die Unzufriedenheit darüber, wie er seit sechs Jahren das Kontrollgremium der Bank führt, ist noch einmal massiv gestiegen, nachdem er Anfang April den bis dahin amtierenden Vorstandschef John Cryan holterdiepolter ersetzte. Eine Entscheidung, die Achleitner am Donnerstag nochmal explizit verteidigt.

Doch die Reaktionen der Aktionäre fallen unerwartet gemäßigt aus. Zwar beantragen einzelne Eigentümer die Abwahl Achleitners als Versammlungsleiter der Hauptversammlung, da er ja selbst in der Kritik der Aktionäre stehe und ihm daher die nötige Neutralität fehle. Doch für dieses Anliegen bekommen sie kaum Rückhalt.

Einzelne wütende Aktionäre finden sich durchaus. Achleitner sei einer, „der immer seine Bauernopfer abschlachtet“, klagt einer mit Blick auf die zahlreichen Führungskräfte, die in den vergangenen Jahren ausgetauscht wurden; „der schlechteste Aufsichtsratsvorsitzende seit Gründung der Bank 1870“, ruft ein anderer. Doch ihre offensichtliche Empörung bleibt die Ausnahme.

Kritisiert wird aber natürlich dennoch viel an diesem Tag. „Der Aktienkurs der Bank gleicht einer Geisterbahn, hinter jeder Kurve droht eine böse Überraschung“, klagt Fondsmanager Andreas Thomae. Auch am Donnerstag fiel der Kurs der Bank wieder deutlich und näherte sich der Schwelle von nur noch zehn Euro.

Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, kritisiert die hohen Boni für die „Söldner“ aus der Investmentbank. Sie seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass die diversen Kapitalerhöhungen der vergangenen Jahre „durch den Kamin gerauscht sind“ und zum großen Teil für „Rechtsrisiken draufgingen“. Die Boni von mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr 2017 – einem Verlustjahr für die Bank – bemängeln auch zahlreiche andere Aktionäre.

Den größten Applaus des insgesamt eher schlaftrunkenen Publikums bekommt allerdings Achleitner – für einen Versprecher. Er verkündet den Aktionären eine Dividende von „elf Euro“ je Aktie. Tatsächlich sind es nur läppische elf Cent.

In seiner Rede sagt Bankchef Sewing mit Blick auf die zu große Risikofreudigkeit seines Instituts in der Vergangenheit: „Es wird uns nicht schaden, wenn wir ein bisschen langweiliger sind.“ Immerhin auf der Hauptversammlung werden die Bank und ihre Aktionäre diesem Ziel bereits gerecht.

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