Lade Inhalte...

Krankenkassen Zusatzbeiträge fallen reihenweise

Eine gute Nachricht für das kommende Jahr steht jetzt schon so gut wie fest: Es wird dann vermutlich keine Krankenkasse mehr geben, die die Mitglieder mit dem ungeliebten Zusatzbeitrag in die Flucht schlägt.

Branchengrößen kündigen die Abschaffung des Zusatzbeitrags an. Foto: dpa

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau werden von den derzeit elf Zusatzbeiträgen im kommenden Jahr mit Sicherheit neun abgeschafft. Bei zwei weiteren Krankenkassen ist die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gefallen. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, so Branchenkenner, dass auch diese beiden ihren Zusatzbeitrag abschaffen werden.

Die finanzielle Lage der Krankenkassen hat sich in diesem Jahr erheblich verbessert. Die 153 Versicherungen dürften in diesem Jahr einen Überschuss von insgesamt 2,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Gründe dafür sind die gute Lage am Arbeitsmarkt, die die Beitragseinnahmen steigen lässt, und das Arzneimittelsparpaket. Davon profitieren auch die Krankenkassen, die aufgrund finanzieller Schwierigkeiten von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag von in der Regel acht Euro nehmen mussten. Nun können sie wieder darauf verzichten.

Branchengrößen wollen Zusatzbeitrag abschaffen

Branchengrößen wie die DAK, die KKH-Allianz und die Deutsche BKK haben als erste die Abschaffung des Zusatzbeitrages angekündigt. Auch die Zusatzbeiträge der BKK Axel Springer und der BKK Gesundheit werden verschwinden, weil die beiden Krankenkassen mit der DAK fusionieren werden. Die BKK für Heilberufe wird geschlossen, sie hat vergeblich – mit Zusatzbeitrag – gegen den wirtschaftlichen Zusammenbruch angekämpft.

Sicher ist auch, dass die Betriebskrankenkassen Phoenix, Advita und Merck ihre Zusatzbeiträge abschaffen werden. Der Verwaltungsrat der BKK Merck berät die Frage heute. Der Verwaltungsrat der Advita wird am Freitag entscheiden, dass der Zusatzbeitrag zum zweiten Quartal 2012 fällt. Und auch ein Sprecher der BKK Phoenix sagt: „Der Zusatzbeitrag wird im Laufe des nächsten Jahres aufgehoben.“

Noch offen ist die Situation bei der BKK Hoesch und der BKK Publik. „Wir wollen den Zusatzbeitrag so schnell wie möglich abschaffen“, betont aber auch der Sprecher der BKK Hoesch. Die Haushaltsberatungen seien jedoch noch im Gange. Auch bei der BKK Publik wird über den Zusatzbeitrag „diskutiert“. Entscheidungen stünden aber noch aus, sagt eine Sprecherin. Abgeschafft werden können die Zusatzbeiträge nur mit der Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Auf Anfrage sagte ein Sprecher des Bundesversicherungsamtes, dass derzeit noch keine Anträge vorlägen.

Der Druck auf die Krankenkassen, den Zusatzbeitrag wieder abzuschaffen, ist groß. Die DAK und die KKH-Allianz haben mit ihren Entscheidungen einen Stein ins Rollen gebracht. Nicht jeder in der Branche ist glücklich darüber. „Der Druck auf uns steigt mit jeder Veröffentlichung, dass ein Konkurrent den Zusatzbeitrag abschafft“, sagt ein Krankenkassenvorstand. „Die Situation ist schon ein wenig unglücklich.“

Seine Krankenkasse habe durch den Zusatzbeitrag zwar „wieder finanziell Speck zugelegt“. Trotzdem hätte er den Zusatzbeitrag gerne beibehalten. „Viele Versicherte haben sich an den Zusatzbeitrag gewöhnt.“ Es habe zuletzt keinen Mitgliederschwund mehr gegeben. Nun verzichte man auf Einnahmen. Sollten die Zeiten jedoch wieder schlechter werden und die Krankenkasse wieder einen Zusatzbeitrag benötigen, müsse man erneut mit einer Mitgliederflucht rechnen. Das hätte sich der Kassenvorstand gerne erspart.

Vorbei für lange Zeit

„Durch das Abschaffen und Wiedereinführen eines Zusatzbeitrages verliert man mehr Mitglieder als man gewinnt“, sagt der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen. Eine Krankenkasse könne diesen Schritt nur gehen, wenn sie sich sicher sei, dass sie bis 2013 keinen Zusatzbeitrag mehr brauche. 2013 sind Bundestagswahlen. Wasem erwartet, dass die Regierung dann alles dafür tun wird, dass es nicht zu Zusatzbeiträgen kommt. Auch könnte eine andere parteipolitische Zusammensetzung der Regierung dafür sorgen, dass die Zusatzbeiträge wieder aus den Gesetzen gestrichen werden.

Für eine ziemlich lange Zeit könnte die Aufregung um die Zusatzbeiträge also vorbei sein. Vielleicht verschwinden die Zusatzbeiträge sogar ein für alle Mal.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen