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Krankenkasse Psychotherapien werden teurer

Zu lange Wartezeiten führen zu Kostenexplosion für Krankenkassen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe plant die Wartezeit für Facharzttermine zeitlich zu begrenzen. Foto: REUTERS

Erkrankungen treten schlechterdings nicht dann auf, wenn es Patienten und Ärzten in den Terminkalender passt. Krankheiten kommen, wann sie wollen, und wenn sie da sind, sollten sie möglichst rasch behandelt werden. Dieser Erkenntnis folgend plant Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Wartezeit für Facharzttermine zeitlich zu begrenzen: Von 2015 an soll kein Kassenpatient länger als vier Wochen auf einen Praxisbesuch warten müssen. Bei Überschreiten der Frist kann sich der Versicherte ambulant in einem Krankenhaus behandeln lassen.

Für seelisch erkrankte Menschen, die auf eine Psychotherapie warten, kündigte Gröhe eine vergleichbare Regelung bisher nicht an. Dabei sind gerade in diesem Bereich die Wartezeiten sehr lang – und sie werden für offenbar immer länger. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Danach stiegen die Ausgaben der Krankenkassen, die zu langen Wartezeiten auf Psychotherapien geschuldet sind, von 2004 bis 2013 um fast das Zehnfache an. Allein zwischen dem ersten Quartal 2011 und dem zweiten Quartal 2013 verdoppelten sich besagte Kosten.

Die Ausgaben entstehen, wenn sich Patienten wochenlang vergeblich um Termine bei kassenzugelassenen Psychotherapeuten bemüht haben. Sobald die Versicherten in mindestens drei Praxen nachgefragt haben und binnen drei bis sechs Wochen kein Termin zu bekommen ist, dürfen sie sich nach Absprache mit ihrer Krankenkasse auch an private Therapeuten wenden. Für die Kosten steht zunächst der Patient gerade, erst im Nachhinein werden die Ausgaben von den Krankenkassen erstattet. Dabei fallen deutlich höhere Kosten an als für Kassen-Therapeuten: Die Privaten dürfen bis zum 3,5-fachen des Kassensatzes abrechnen.

Doch nicht allein unter finanziellen Gesichtspunkten scheint die Prozedur reformbedürftig. Für seelisch notleidende Patienten ist das Verfahren eine Zumutung, findet die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Maria Klein-Schmeink. In unterversorgten Regionen wie dem Ruhrgebiet seien Wartezeiten von 17 Wochen keine Seltenheit.

Die Ursache für diesen Missstand liegt nach Ansicht des Präsidenten der Bundespsychotherapeutenkammer, Rainer Richter, auf der Hand: „Die Anzahl der Psychotherapeuten mit Kassenzulassung reicht nicht aus, um psychisch erkrankte Menschen ausreichend zu versorgen.“

Die Zahlen, die die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen veröffentlichte, bestätigen diese Einschätzung: Erstatteten die Kassen 2004 nur etwa acht Millionen Euro für wartezeitbedingte Privattherapien, waren es allein im ersten Halbjahr 2013 bereits 27,5 Millionen Euro.
Konkrete Schritte um Abhilfe zu schaffen hat die Bundesregierung bislang nicht angekündigt. Das seinerzeit FDP-geführte Ministerium entschloss sich Anfang 2013 allerdings zu einem radikalen Schritt: Die den Krankenkassen entstehenden Kosten werden seit dem 3. Quartal 2013 einfach nicht mehr erfasst. So geht Politik.

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