Lade Inhalte...

Konkurrenz zur Schiene Im Fernbus durch Deutschland

Im kommenden Jahr dürfen in ganz Deutschland Fernbusse fahren. Die sind deutlich günstiger als die Bahn - haben aber einen entscheidenden Nachteil.

04.08.2011 16:35
xxpk
Deutlich billiger, aber oft auch deutlich langsamer als die Bahn - Fernbusse. Foto: dpa-tmn

Ab Anfang nächsten Jahres sollen Fernbusse in Deutschland freie Fahrt haben und dem Auto, der Bahn und Billigfliegern Konkurrenz machen. Eine entsprechende Gesetzesänderung beschloss gestern das Bundeskabinett. Die von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eingebrachte Novelle kappt einen uralten Paragrafen im Personenbeförderungsgesetz:1931 waren in ganz Deutschland Fernbuslinien verboten worden, um die staatliche Eisenbahn als solide Einnahmequelle des Fiskus vor unliebsamer Konkurrenz auf der Straße zu schützen.

Das Gesetz gilt noch heute, mit wenigen Ausnahmen, doch seine Tage sind nun gezählt. Die Novelle wird, da sind sich die Verkehrsexperten weitgehend einig, für den Verbraucher viele Vorteile haben und der Eisenbahn vermutlich wenig schaden. „Wir wollen Verkehr auf der Straße bündeln, jedoch der Schiene keine Kunden abjagen“, erklärte Ramsauer.

Auch der Bahnexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, kann sich nicht vorstellen, dass die Bahn durch das neue Gesetz massiv Kunden verliert: .„Die Bahn wird nur auf solchen Strecken Kunden an den Bus verlieren, auf denen sie kein konkurrenzfähiges Angebot hat“, sagte Krawinkel der Frankfurter Rundschau.

Keine Fahrgastrechte

Der Fernbus werde künftig maximal ein Prozent Marktanteil am gesamten Fernreisemarkt in Deutschland ergattern können. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht viele Vorteile: „Es werden vor allem Autofahrer und Kunden von Mitfahrzentralen in den Bus umsteigen, weniger Bahnkunden“, sagte VCD-Sprecherin Anja Smetanin. „Ein Mangel ist es jedoch, dass die Fernbusse keine Maut auf Autobahnen zahlen müssen und dass es keine Fahrgastrechte wie bei der Bahn gibt.“

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG befürchtet dagegen, dass der Bus den Zug mit Kampfpreisen verdrängt. Dem will Ramsauer vorbeugen: Wer eine Linie erhält, muss den Betrieb drei Monate garantieren. Um dem subventionierten Bahnnahverkehr keine Konkurrenz zu machen, müssen Fernbus-Haltestellen 50 Kilometer voneinander entfernt sein.

Die Busunternehmen stehen bereit: „Wir rechen mit 50 bis 100 Unternehmen, die Fernbuslinien anbieten werden“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Omnibusunternehmen, Christiane Leonard. Ein Bus ersetze im Schnitt 30 Pkw, das werde die Straßen entlasten. Vor allem werde der Bus für Geringverdiener erschwinglich sein: „Wir werden im Schnitt um 30 Prozent unter den Bahn-Angeboten liegen.“

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum