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Konjunktur Teuerung frisst Lohnzuwächse wieder auf

Mittelfristig ist das eine Gefahr für die Konjunktur. Was folgt daraus? Die Analyse.

In den vergangenen Jahren haben Beschäftigte in Deutschland wirklich etwas von den Lohnerhöhungen gehabt: Die Reallöhne, also die Verdienste abzüglich der Inflationsrate, sind teils kräftig gestiegen, weil die Teuerung sehr gering ausfiel. 2014 lag das Plus nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 1,9 Prozent, 2015 waren es 2,4, im Jahr darauf stiegen die Reallöhne um 1,8 und 2017 immerhin noch 0,8 Prozent. Für die Konjunktur wurde die wachsende Kaufkraft in diesem Zeitraum zur wichtigsten Säule.

Nun aber scheint sich diese Phase allmählich dem Ende zuzuneigen. Im zweiten Quartal dieses Jahres legten die Tariflöhne gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar erneut um durchschnittlich zwei Prozent zu. Zugleich aber kletterten auch die Verbraucherpreise um zwei Prozent. Unter dem Strich bleibt mithin: nichts. Im ersten Quartal hatte der Reallohnzuwachs noch 1,1 Prozent erreicht. In den Monaten Mai und Juni war die Teuerungsrate dann aber um mehr als zwei Prozent gestiegen und auch im Juli wurde ein Plus von zwei Prozent registriert.

Rohöl ist deutlich teurer als vor einem Jahr 

Im Wesentlichen sind zwei Produktgruppen für die anziehenden Preise verantwortlich: Rohöl ist derzeit um etwa 47 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Entsprechend müssen Autofahrer tiefer in die Tasche greifen. Der Liter Super war im Juli 2017 noch für durchschnittlich 1,33 Euro zu haben, ein Jahr darauf waren es knapp 1,47 Euro. Auch für Diesel und Heizöl wird mehr verlangt. Unter dem Strich müssen Verbraucher für Haushaltsenergie und Kraftstoffe derzeit über sechs Prozent mehr bezahlen als vor einem Jahr.

Zum zweiten zogen auch die Preise für Nahrungsmittel überdurchschnittlich an, im Juni um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit dürfte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Die trockenen Sommermonate und lange Dürreperioden auch außerhalb Europas haben den Weltmarktpreis für Weizen bereits kräftig ansteigen lassen. Auch Kartoffeln und andere Feldfrüchte werden spürbar teurer. Ebenfalls im Aufwind befinden sich Milch- und eventuell auch Fleischpreise. Viele Viehbetriebe müssen teures Futter zukaufen, weil der Grünlandschnitt mager ausfiel, was die Erzeugerkosten steigen lässt. Inwieweit die Landwirte das Kostenplus an Fleischindustrie, Handel und Verbraucher weiter geben können, ist allerdings ungewiss.

Milchpreis dürfte steigen

Der Milchpreis dagegen dürfte schlicht wegen des verknappten Angebots steigen: Nicht wenige Betriebe sahen sich angesichts der Futtermittelknappheit veranlasst, ihren Viehbestand durch Schlachtung abzubauen. Es stehen also bundesweit ein paar tausend Kühe weniger im Stall, das Milchangebot aus dem Inland nimmt entsprechend ab.

Für abhängig Beschäftigte sind solche Erläuterungen vermutlich kein Trost, sofern die Inflation auch weiterhin Lohnerhöhungen auffrisst. Zudem wird das Wirtschaftswachstum durch die stagnierende Massenkaufkraft gebremst. Die Gewerkschaften sollten daher in den kommenden Tarifrunden Lohnerhöhungen durchsetzen, die erkennbar über der Inflationsrate liegen. Spielraum dafür gibt es noch: In den Jahren seit 1991 bis 2013 waren die Reallöhne unter dem Strich nicht gestiegen. Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen ging zwischen 2000 und 2016 von 72 auf 68 Prozent zurück. Da geht noch was.

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