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Konjunktur Rezession steht vor der Tür

Die deutsche Wirtschaft bleibt robust, das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal minimal gestiegen. Doch für die kommenden Monate herrscht Skepsis. Zumal es in den übrigen Euro-Ländern schlecht aussieht. Europa steht am Rande der Rezession.

Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal etwas an Schwung verloren. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ Symbol

Im zweiten Quartal 2012 ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) trotz Euro-Krise um überraschend starke 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Damit gehört Deutschland weiter zur Spitzengruppe in Europa. „Die neuen Zahlen sind bemerkenswert, um nicht zu sagen beeindruckend“, kommentierte Andreas Rees von der Bank Unicredit.

Das Wachstum wird jedoch schwächer. Im ersten Quartal hatte das Plus noch 0,5 Prozent betragen. Die Rezession in Europa, die Staatsschuldenkrise und das schwächere Wachstum in den USA, China und Japan hinterlassen ihre Spuren.

Weniger Bestellungen

Das spüren auch die Unternehmen. Sie erhalten weniger Bestellungen. Seit einem Jahr fallen die Auftragseingänge im Trend. Konjunktur-Frühindikatoren deuten abwärts. Das macht die Unternehmen geben weniger Geld für Maschinen und Ausrüstungen aus. Im zweiten Quartal gingen die Investitionen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zurück. „Das ist ein klares Warnsignal“, so Unicredit-Ökonom Rees. Denn die Investitionen haben einen starken Einfluss auf die Schaffung neuer Jobs und damit auf den privaten Konsum.

Dass das Wirtschaftswachstum zwischen April und Juni etwas stärker ausgefallen ist als erwartet, lag am Export, der trotz globaler Wachstumsabschwächung weiter zulegt. „Der Außenhandelsüberschuss mit den Ländern der Euro-Zone geht weiter zurück, aber Ausfuhren in Nicht-Euro-Länder gleichen dies mehr als aus“, erklärte Christian Schulz, Ökonom bei der Berenberg Bank.

Im laufenden Jahr könnte Deutschland nach Berechnungen der OECD den weltweit größten Exportüberschuss erzielen. Nur ein Drittel davon komme aus dem Handel mit Euro-Staaten, errechnet Schulz.

Konsum zieht an

Der zweite Wachstumstreiber ist der private Konsum. Kein Wunder – die Arbeitslosigkeit ist auf 6,8 Prozent gesunken, zwischen April und Juni wurden 94.000 neue Jobs geschaffen. Löhne und Gehälter steigen wieder etwas kräftiger. Zudem lässt die sinkende Inflationsrate mehr Kaufkraft bei den Konsumenten.

Im laufenden dritten Quartal jedoch wird das BIP wohl nur noch stagnieren oder leicht fallen. Der Konsum dürfte zwar stabil bleiben, der schwächere Euro stützt zudem die deutschen Ausfuhren. Doch die Euro-Zone, die 40 Prozent aller deutschen Exporte aufnimmt, ist in der Rezession. Starke Rückgänge können hier nur schwer durch Zuwächse im Geschäft mit Asien oder Amerika kompensiert werden. Zudem lastet die Unsicherheit auf Unternehmen und auf Verbrauchern.

Ob sich die Rezession auch auf Deutschland ausbreitet, hängt daher vor allem davon ab, ob die Finanzkrise in Europa abflaut. Wenn nicht, halten die Firmen weiter ihre Investitionsprojekte zurück und die Konsumenten geben ihr Geld nur sparsam aus.

Finanzexperten skeptisch

Gelingt es der Politik jedoch, die Krise unter Kontrolle zu bringen, so würde dies das Vertrauen stärken. „Deutschland würde davon dann wohl schnell profitieren“, erwartet Berenberg-Bank-Ökonom Schulz. Bereits Ende des laufenden Jahres könnte es dann wieder ein kräftiges Wachstum geben.

Die deutschen Finanzexperten allerdings sind offensichtlich eher pessimistisch. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien zum Vormonat um 5,9 Punkte auf minus 25,5 Zähler gefallen, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Die Lagebeurteilung gab ebenfalls nach.

Der Rückgang der Erwartungen signalisiert, dass die befragten Finanzprofis weiterhin von einer Abkühlung der deutschen Konjunktur auf Sicht der nächsten sechs Monate ausgehen. „Dies dürfte insbesondere die exportorientierten Branchen betreffen“, kommentierte das ZEW.

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