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Konjunktur Nächster Abschwung steht an

Die wirtschaftlich fetten Jahre könnten bald wieder vorbei sein. Noch wächst die Weltwirtschaft, aber es braut sich ein gefährlicher Mix zusammen.

Börse in Peking
Kommt die Krise oder nicht? Ein Mann beobachtet in Peking die Entwicklungen der Aktienkurse (Symbolbild). Foto: afp

Betrachtet man das politische Verhältnis in und zwischen den Weltwirtschaftsmächten, so könnte man denken, es herrsche Krise. In den Vereinigten Staaten streiten die Parteien über Staatsverschuldung und Defizite, vereinzelt wird vor explodierenden Schuldenlasten und dem Ende des Dollar als Weltleitwährung gewarnt. Zwischen den EU-Staaten wird um jedes Prozent Neuverschuldung gefeilscht. Im Dreieck USA-China-Europa wiederum läuft ein Krieg um Welthandelsanteile und die Regeln des globalen Geschäftsverkehrs, der die Nachkriegsordnung unterminiert. Gleichzeitig ist von Krise keine Spur. Keine Spur? Nicht ganz. Denn die Wachstumszahlen sind zwar beruhigend. Gleichzeitig aber zeigt die Anatomie des globalen Aufschwungs Risse.

Die Weltwirtschaftsleistung ist 2017 ordentlich gewachsen und wird dies auch 2018 tun. In ökonomisch starken Ländern wie den USA und Deutschland ist die offizielle Arbeitslosigkeit auf Niveaus gefallen, die man seit den 60er-Jahren nicht gesehen hat. Und auch ehemalige Krisenländer Südeuropas ziehen nach. Inflationsgefahren sind nicht in Sicht, die Konzerne verdienen gut, was den Weltaktienmarkt 2017 um ein Fünftel in die Höhe trieb.

Doch das ist nur die glänzende Oberfläche, unter der es gärt. So stehen starken Ländern wie Deutschland schwächere wie Italien gegenüber, wo die Wirtschaftsleistung noch unter dem Niveau der vergangenen Krise liegt. Gleichzeitig warnt die Industrieländerorganisation OECD vor einem „zerbrechlichen globalen Aufschwung“ mit „bedeutsamen Risiken“. Schließlich ist die aktuelle Erholung schon ziemlich alt, der nächste Abschwung steht an – mit einer Rezession in den USA wird derzeit für die Jahre 2022 oder 2023 gerechnet.

In der Eurozone „ist der Höhepunkt überschritten“, so die Deka-Bank, die wie viele andere ihre Wachstumsprognose für dieses und nächstes Jahr bereits gesenkt hat. Auch das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo, das KOF aus Zürich und das Istat aus Rom warnen in einer gemeinsamen Analyse für den Euro-Raum, die am Dienstag veröffentlicht wurde: „Derzeit dominieren die konjunkturellen Abwärtsrisiken.“

In Japan droht mittlerweile eine Rezession, die US-Wirtschaft hält sich noch gut, da die üppigen Steuersenkungen dem Land eine Sonderkonjunktur bescheren.

Doch die Belastungen nehmen zu. Der Ölpreis steigt und nun – ausgehend von den USA – auch das Zinsniveau. Diese Entwicklung trifft auf eine Welt, die im historischen Vergleich sehr hoch verschuldet ist. So ist laut Internationalem Währungsfonds (IWF) der globale Staatsschuldenberg auf das Rekordhoch von 164 Billionen Dollar angewachsen. Das entspricht 225 Prozent der Weltwirtschaftsleistung.

Die Schulden in den Industriestaaten haben mit durchschnittlich 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ein Niveau erreicht, „das wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen haben“, so der IWF. „Das ist ein Grund zur Sorge“, mahnt der Fonds, der gleichzeitig feststellt, dass das Wachstum immer schuldenintensiver geworden sei. Sprich: Für jedes Prozent Wachstum muss immer mehr Kredit aufgenommen werden.

In den Schwellenländern – dem Wachstumstreiber der Weltwirtschaft – ist der Schuldenstand laut IWF inzwischen wieder so hoch wie zuletzt zur Schuldenkrise der 1980er Jahre. Die schwächsten Glieder der Kreditkette beginnen bereits zu knacken und zu brechen: Argentinien musste Notkredite des IWF in Anspruch nehmen, Indonesien und die Türkei wackeln permanent. In dem Land am Bosporus ist die Inflation im Juni auf ein 14-Jahres-Hoch gestiegen. Die Preise lagen 15,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Aber nicht nur die Staaten, auch die Unternehmen setzen auf Schulden. So haben sich die Kredite von US-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors seit 2007 auf über sechs Billionen Dollar verdoppelt. In China ist die Unternehmensschuld von 100 auf 160 Prozent der Wirtschaftsleistung gesprungen, ein „besorgniserregendes Niveau“, so Hao Zhou von der Commerzbank. Viele chinesische Firmen gelten als „Zombies“, also als Untote, deren Einnahmen nicht reichen, um ihre aufgelaufenen Schulden zu bedienen. Dies ist keine chinesische Besonderheit: Laut Berechnungen der OECD war im Jahr 2013 – neuere Zahlen gibt es nicht – jeder zehnte Italiener in einem Zombie-Unternehmen beschäftigt, in Spanien waren es sogar zwölf Prozent. Insgesamt steht den relativ wenigen hochproduktiven Unternehmen in Europa, Asien und Amerika eine Masse an Firmen gegenüber, deren Produktivität seit vielen Jahren stagniert.

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