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Konjunktur Das BIP sinkt – wer ist schuld?

Probleme der Automobilbranche machen der Wirtschaft zu schaffen. Auch die große Hitze in ganz Europa könnte ein Faktor sein.

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Im dritten Quartal 2018 gab es weniger Exporte, aber mehr Importe als im zweiten Quartal des Jahres. Foto: rtr

Das war alles andere als ein Sommermärchen. Im dritten Quartal ist die deutsche Wirtschaft zum ersten Mal seit Anfang 2015 geschrumpft. Die FR erklärt, woran das lag.

Wie hoch war die Wirtschaftsleistung zuletzt?
In den drei Monaten von Juli bis Ende September wurden in Deutschland nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Waren und Dienstleistungen mit einem Wert von 858 Milliarden Euro erwirtschaftet. Rechnet man die Preisentwicklung, saisonale und kalendarische Besonderheiten heraus, bedeutet dies ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 Prozent im Vergleich zum zweiten Vierteljahr. Stärker war die Ökonomie zuletzt Anfang 2013 geschrumpft. Im ersten Halbjahr war die deutsche Wirtschaft noch kräftig gewachsen. 

Was sind die Gründe für den Abschwung?
Viele Volkswirte und auch das Bundeswirtschaftsministerium führen dies auf die „WLTP-Problematik“ zurück. Gemeint ist damit, dass seit dem 1. September nur noch Autos zugelassen werden dürfen, die nach dem neuen, in der EU gültigen Abgasstandard WLTP geprüft wurden. Die Autobauer haben den Aufwand dafür unterschätzt. Sie kamen mit der Zertifizierung nicht hinterher. Deshalb gab es massive Lieferengpässe. Viele potenzielle Käufer verschoben die Neuanschaffung. Der Automarkt brach ein. Die Produktion musste laut Autolobby VDA im September um ein Viertel gekürzt werden. 

Ist dies tatsächlich die alleinige Ursache?
Detaillierte Analysen wollen die Statistiker erst in einigen Tagen vorlegen. Sie weisen aber schon jetzt darauf hin, dass „die privaten Konsumausgaben“ zurückgingen. Da kann der WLTP-Effekt tatsächlich durchschlagen. Denn die Anschaffung von Autos gehört auch zu den Konsumausgaben. Womöglich kommt als weiterer Faktor die große Hitze in ganz Europa hinzu, die nicht gerade zum Shoppen eingeladen und die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit gehemmt hat. So gingen in der gesamten Eurozone die Ausgaben für kurzlebige Konsumgüter stark zurück. 

Welche Rolle spielt der Export?
Dies ist ein weiterer Faktor. „Nach vorläufigen Berechnungen gab es im dritten Quartal 2018 weniger Exporte, aber mehr Importe als im zweiten Quartal des Jahres“, so Destatis. Dazu passt, dass sich in der gesamten Eurozone das Wachstum verlangsamt hat – auf ein Plus von 0,2 Prozent – nach 0,4 Prozent im Vorquartal. So fiel in den Niederlanden der BIP-Zuwachs mit ebenfalls 0,2 Prozent geringer aus als erwartet. In Italien stagnierte die Wirtschaft. Volkswirte interpretieren diese Trends schon als deutliche Signale für eine Abkühlung der Konjunktur in Europa. Zumal mit dem nahenden Brexit und dem Streit über den italienischen Haushalt die Unwägbarkeiten wachsen. 

Spielt der Handelsstreit zwischen den USA und China eine Rolle?
Es könnten zumindest erste Auswirkungen zum Tragen kommen. Die Strafzölle der US-Regierung zeigen Wirkung und verlangsamen das Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik, was wiederum die Bestellungen von chinesischen Unternehmen bremst – und die gehören zu den wichtigsten Kunden vieler deutscher Industrie-Unternehmen. 
 
Wie wird sich das vierte Quartal entwickeln?
Die große Mehrheit der Volkswirte geht davon aus, dass es dann wieder ein BIP-Plus geben wird. Allein schon wegen WLTP: Sollte die Theorie mit den aufgeschobenen Auto-Anschaffungen stimmen, würde ein Teil der Käufe bis zum Jahresende nachgeholt. Zudem wird von vielen Experten darauf hingewiesen, dass die Kauflaune der Deutschen nach wie vor hoch sei. 

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