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Kongress zur Nachhaltigkeit Wider das ewige Wachstum

Langsam aber stetig erholt sich die globale Wirtschaft von den Auswirkungen der Finanzkrise. Doch um welchen Preis geht das Wachstum voran? In Berlin sucht ein Kongress nach nachhaltigen Formen des Wirtschaftens.

Soll Wohlstand in Geldgrößen gemessen werden? Foto: dpa

Die Wirtschaft der USA erholt sich, Deutschlands Produktion wächst rasant, und die Schwellenländer setzen ihre ökonomische Expansion ungebremst fort. All dies gilt als Erfolg, als Garant für Wohlstand. Doch nicht bei allen. „Das versprochene Wachstum geht mit lebensbedrohlicher Zerstörung einher“, sagte die Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, am Freitagabend zum Auftakt des Kongresses „Jenseits des Wachstums?!“ in Berlin.

Wachstumskritik findet immer mehr Anhänger. Angesichts von Umweltzerstörung, Klima- und Energiekrise wird die permanente Steigerung des Bruttoinlandsprodukts zunehmend in Frage gestellt. An diesem Wochenende laden daher das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Stiftungen von SPD, Grünen und Linkspartei gemeinsam zum Kongress. „Der Andrang zeigt, dass viele Menschen nach einer Alternative zu einer vom Wachstumszwang getriebenen Gesellschaft suchen“, sagt Attac-Sprecher Matthias Schmelzer.

Für die Inderin Shiva ist klar: „Das vorherrschende Modell der wirtschaftlichen Entwicklung hat sich als lebensfeindlich herausgestellt.“ Der Ressourcenbedarf dieses Modells provoziere Kriege um wichtige Ressourcen wie Öl, Wasser und Lebensmittel. Gleichzeitig werde die Natur zum Wohle des Bruttoinlandsprodukts mehr und mehr zerstört. „Hungriges Geld stürzt sich auf den letzten Tropfen Wasser und den letzten Zentimeter Land des Planeten“, kritisiert Shiva.

„Jenseits des Geldes“

Shiva wandte sich zugleich gegen die Messung des Wohlstands in Geldgrößen. Denn „Geld spiegelt weder den Reichtum der Natur, noch den der Menschen wider und kann keinesfalls als Maß für das Gemeinwohl gelten“, sagte sie. „Wenn Wasser privatisiert wird und Wassermärkte von einer Billion Dollar entstehen, schnellen die Gewinne der Firmen in die Höhe, obwohl Menschen verarmen und verdursten.“

Die Beziehung zwischen Geld und Natur sei zudem asymmetrisch. „Die Natur kann zwar kommerziell ausgebeutet, ausgesaugt und vergewaltigt werden, um sie zu Geld zu machen“, sagte Shiva. „Aber aus Geld lässt sich die Natur nicht zurückgewinnen.“

Daher sei es höchste Zeit für eine Umkehr, forderte die Inderin. „Um dem echten Reichtum und dem wahren Gemeinwohl neues Leben einzuhauchen, müssen wir neue Maßstäbe jenseits des Geldes einführen und ein Wirtschaftssystem jenseits des globalen Supermarkts schaffen.“

Dies ist eine Aufgabe vor allem für die reichen Industriestaaten auf der Nordhalbkugel, aber auch für den Süden. „Der Weg, der zur Lebensweise der industrialisierten Länder führt, ist unwiederholbar“, sagte am Freitag der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Minister für Energie und Bergbau Ecuadors, Alberto Acosta, auf dem Kongress. „Die Erde besitzt weder die Aufnahmefähigkeit, noch die Widerstandskraft dafür.“

Der Wachstums-Kongress mit mehr als 70 Veranstaltungen läuft noch bis Sonntag in der TU Berlin.

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