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Kongo US-Gesetz stoppt Handel mit "blutigem" Gold

Wer ein Handy kauft, finanziert unter Umständen den Bürgerkrieg im Kongo. In den USA tritt deshalb zu Jahresbeginn ein Gesetz in Kraft, das den Kauf von Metallen aus Krisenregionen verbietet. Bei der Zertifizierung helfen deutsche Geologen.

27.12.2011 11:45
Die Arbeit in den Minen ist lebensgefährlich. Foto: epd

Der Goldgräber Boniface Kahanze ist auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz in der Goldmine Muchinga im Osten des Kongo. Er geht gebückt durch den Stollen, Wasser tropft von der Decke.

Um die Hände für die Arbeit frei zu behalten, haben er und seine Kollegen ihre Taschenlampen mit Kordeln um den Kopf gewickelt.

„Manchmal bricht ein Stollen ein und verschüttet alle, die gerade im Berg sind“, sagt Kahanze. „Die Arbeiter werden sozusagen im Berg beerdigt, und niemand weiß, wo sie genau liegen.“

Er ist 53 Jahre alt und arbeitet seit 16 Jahren in der Mine. Vor allem Männer schuften hier, aber auch viele Kinder und einige Frauen - in Schichten rund um die Uhr. Trotzdem reicht das, was er verdient kaum aus, um seine Familie zu ernähren, sagt Kahanze.

Im Ostkongo kämpfen Bewaffnete um die Minen

Den anderen Bergleuten im Osten des Kongo geht es nicht besser - stattdessen schürt der Erlös aus den Rohstoffe Konflikte: In zwei Provinzen im Osten kämpfen mehrere bewaffnete Gruppen um die Kontrolle über die dortigen Minen. Es geht um Gold, Koltan und Wolframit - Metalle, die für die Herstellung von Handys und Computern benötigt werden.

Nach Kritik durch Menschenrechtler hat die amerikanische Regierung ein Gesetz verabschiedet, das US-Firmen verpflichtet, ihre Rohstoffe nachweislich in "konfliktfreien" Zonen zu kaufen. Die Regelung tritt zum 1.Januar in Kraft, in der EU wird über die Vorbereitung eines ähnlichen Gesetzes diskutiert.

Wenn sich die Verhältnisse im kongolesischen Bergbau nicht ändern, droht dem Land ein faktischer Exportstopp für seine Mineralien. „Durch den internationalen Druck sind die Dinge hier sehr schnell in Bewegung geraten“, sagt der deutsche Geologe Uwe Näher.

Deutsche Geologen helfen bei der Zertifizierung

Er ist seit 2009 für die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe aus Hannover im Kongo, um der Regierung beim Aufbau eines Systems zur Zertifizierung der Mineralien zu helfen.

Dieses System gibt es jetzt. Anhand von 21 Kriterien entscheiden die Teams der Bundesanstalt bei ihren Ortsbesuchen nun, ob sie einer Mine die erhoffte Bescheinigung ausstellen oder nicht. Die Anwesenheit von Bewaffneten ist ein Ausschlusskriterium. Außerdem haben die deutschen Geologen ein Verfahren entwickelt, mit dem sich nachweisen lässt, aus welcher Mine ein Mineral kommt.

Damit lassen sich Erze aus Konfliktgebieten in Zukunft zweifelsfrei vom Markt verbannen. Dafür müssen Näher und seine Kollegen allerdings erst eine Datenbank aufbauen, für die sie von jeder Mine eine Vergleichsprobe brauchen. Häufig ist die Fahrt dorthin schlicht zu gefährlich. Aber er ist überzeugt: „Wenn wir am Ende von allen sicheren Minen eine Probe haben, wissen Unternehmen und Gesetzgeber dass die, von denen es keine Probe gibt, nicht in Ordnung sind.“ (epd, jon)

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