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Kommentar zur Solarindustrie Ehrlich

Kurz gefasst trat die Solarindustrie bislang mit folgender Geschichte an die Öffentlichkeit: Solar wird ganz, ganz billig – irgendwann. Aber bis dahin brauchen wir noch ganz, ganz viele Subventionen. Eine nette Story, in der aber entscheidende Details weggelassen wurden.

29.08.2011 16:59
von Jakob Schlandt

Wie schnell sinken die Kosten? Warum ist die Förderung noch so hoch? Müssen die Stromverbraucher wirklich derart heftig belastet werden?

Auf diese Fragen gab es nur vage Antworten. Das Kalkül dahinter war so einfach wie frech: Man nahm, was man kriegen konnte, um auch die schlechtesten Firmen noch durchzufüttern. Die Folgen sind ärgerlich. Erstens sind die Kosten enorm. Mehr als 100 Milliarden Euro in heutigen Preisen müssen die Stromverbraucher in Deutschland für die bereits gebauten Solaranlagen berappen, die nur gut zwei Prozent des Bedarfs decken. Ein erklecklicher Teil davon ist in Form überzogener Renditen an Anlagenbesitzer und Unternehmen gegangen. Zweitens wurde die deutsche Solarindustrie ob des staatlichen Manna-Regens faul und träge. Sie ließ die Kosten aus dem Ruder laufen. Nun ist ein Teil der Industrie nach Asien abgewandert.

Ein Dankeschön deshalb an den Siliziumhersteller Wacker. Die Münchner haben die entscheidenden Karten auf den Tisch gelegt und ausgerechnet, wie billig Photovoltaik schon ist und vor allem: wie billig sie bald sein wird. Die Schlussfolgerung, die Wacker selbst nicht ziehen möchte, die sich aber aus den Zahlen ergibt, muss lauten: Runter mit den Subventionen, und zwar deutlich!

Die wackere Rechnung zeigt aber auch, dass die Photovoltaik viel schneller als gedacht zu den billigsten erneuerbaren Energien gehören wird. Das spricht dafür, sie stärker in den langfristigen Energieszenarien zu berücksichtigen als es die Regierung bislang tut. Schließlich ist der saubere Solarstrom bald kaum noch teurer als jener aus Kohlekraftwerken. Allerdings: Für ein weiter rasantes Wachstum der Photovoltaik müssten erst Netze und vor allem Speicher deutlich ausgebaut werden. Sonnenstrom fällt in steilen Mittagsspitzen an, die abgefedert werden müssen. Bis das Stromsystem soweit ist, kann die Photovoltaik trotz sinkender Kosten nur mit Bedacht ausgebaut werden.

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