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Kommentar zum Online-Glücksspiel Der Staat wird zum Lotto-Heuchler

In Kürze können Glücksspieler im Internet die Lottozahlen tippen, auf Bundesliga-Spiele wetten und noch einiges mehr. Und auch die privaten Anbieter dürfen wieder ihre Spiele anbieten. Was die Firmen freut macht aber die Spieler zu den Verlierern.

Bald ist für die sechs Kreuze kein Kuli mehr nötig. Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

In Kürze können Glücksspieler im Internet die Lottozahlen tippen, auf Bundesliga-Spiele wetten und noch einiges mehr. Und auch die privaten Anbieter dürfen wieder ihre Spiele anbieten. Was die Firmen freut macht aber die Spieler zu den Verlierern.

Lotto ist für den Staat wie eine Gelddruckmaschine: Rund sieben Milliarden Euro jährlich geben die Bundesbürger für das Glücksspiel mit den 49 Kügelchen und Ablegern wie Spiel 77 oder die Sportwette Oddset aus. Und da nur die Hälfte der Einsätze an die Spieler als Gewinne zurückfließt, bleibt da für den Staat ein schöner Batzen übrig.

Diese Einnahmen hat sich der Staat vor Jahren gesichert, weil er ein Monopol auf das Lottospiel besitzt. Dafür hat er sich damals dazu verpflichtet, die Werbung für Lotto drastisch einzuschränken und auch kein Lotto über das Internet anzubieten. Begründung: Wenn man in die Annahmestelle kommen müsse, um seine Kreuzchen zu machen, herrsche eine gewisse soziale Kontrolle, die dazu führe, dass fast alle Tipper mit Maß spielen. In der Anonymität des Internets sei die Suchtgefahr dagegen um ein Vielfaches größer.

Gelungener Kuhandel

Jetzt soll dieses durchaus stichhaltige Argument plötzlich nicht mehr gelten: Schon bald wird es nun doch Lotto im Internet geben. Im Gegenzug fällt das staatliche Monopol für Sportwetten. 20 private Anbieter erhalten künftig eine Lizenz.

Für den Staat ist das ein gelungener Kuhhandel. Schließlich bringt ihm die Sportwette Oddset ohnehin nur vergleichsweise wenig ein. Doch dank der Internet-Einsätze dürften die Lotto-Umsätze künftig kräftig steigen. Auch die privaten Wettanbieter können sich freuen, dass sie nun endlich legal handeln dürfen. Die einzigen Verlierer in dem Spiel sind die Spieler – zumindest die Suchtgefährdeten unter ihnen.

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