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Kommentar zu EnBW Tränendrüse

Die tiefroten Zahlen, die der Energiekonzern EnBW präsentiert, nährt den Verdacht der Trickserei und des absichtlichen Schlechtrechnens. Unbestreitbar ist: EnBW macht auch nach dem Atomausstieg riesige Gewinne..

Jakob Schlandt

Die tiefroten Zahlen, die der Energiekonzern EnBW präsentiert, nährt den Verdacht der Trickserei und des absichtlichen Schlechtrechnens. Unbestreitbar ist: EnBW macht auch nach dem Atomausstieg riesige Gewinne..

Auf den ersten Blick wirkt die Nachricht drastisch: Der Atomausstieg drückt EnBW tief in die roten Zahlen. Statt eines Gewinns von knapp 900 Millionen Euro im Vorjahr werde sich im zweiten Quartal ein Minus von rund 600 Millionen ergeben. Hat der Atomausstieg EnBW ruiniert?

Mitnichten. Der von Hans-Peter Villis geleitete schwäbisch-badische Energieriese drückt vielmehr auf die Tränendrüse. Denn in der Substanz besteht der Verlust vor allem aus einmaligen Effekten, nicht aus Substanzverlust. Das operative Ergebnis liegt lediglich um 24 Prozent unter Vorjahresniveau. EnBW schreibt auf Jahressicht immer noch Milliardengewinne.

Was steckt also hinter den tiefroten Zahlen? Zum einen müssen die Rückstellungen für den Rückbau der Atommeiler erhöht werden. Das Dekontaminieren und Abreißen der beiden stillgelegten Meiler Neckarwestheim 1. und Philippsburg 1 wird Milliarden kosten. Die sollten eigentlich über die Restlaufzeit der beiden Kernanlagen noch zurückgelegt werden – jetzt werden sie auf einen Schlag fällig. Zwei weitere Wertberichtigungen hat EnBW noch obendrauf gepackt. Die Beteiligung am norddeutschen Energieversorger EWE wurde aufgrund gestiegener Zinsen berichtigt. Und die Beteiligung an der österreichischen EVN wurde ebenfalls um 245 Millionen Euro korrigiert.

Vor allem der Fall EVN nährt den Verdacht, dass EnBW im Zusammenhang mit dem Atomausstieg einen möglichst drastischen Verlust bekanntgeben wollte – möglicherweise, um weiteren politischen Schaden abzuwenden, zum Beispiel bei der Atomsteuer. Zweitens könnte sogar die neue grün-rote Landesregierung, die EnBW zusammen mit schwäbischen Kommunen beherrscht, ein Interesse daran haben, die Lage jetzt möglichst schlecht darzustellen, um sich später als Retter zu stilisieren, dem mittels Öko-Strategie die unternehmerische Kehrtwende gelungen ist.

Zurück zur EVN-Bewertung: EnBW behauptet zwar, dass die Wertberichtigung genau jetzt fällig sei, weil EVN nun tatsächlich verkauft werden solle. Doch diese Behauptung ist irreführend. Schon im Herbst vergangenen Jahres war klar, dass EnBW bei EVN aussteigen möchte. Das war im September von EVN selbst mitgeteilt worden. Der Verdacht steht im Raum, dass EnBW trickst und seine Lage schlechtgerechnet hat.

Unbestreitbar ist dagegen: EnBW macht auch nach dem Atomausstieg riesige Gewinne.

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