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KOMMENTAR Ohne Kontrolle

Die Strukturen im Organspendesystem sind intransparent und undemokratisch. Daran haben auch ein paar kleine Reformen nichts geändert.

Jens Spahn
Jens Spahn will in den Kliniken neue Spender gewinnen. Foto: dpa

Man muss von einem Akt der Verzweiflung sprechen. Nach dem Skandal um manipulierte Wartelisten sinkt die Zahl der Organspender von einem Tief ins nächste, alle Werbekampagnen in der Bevölkerung laufen offensichtlich ins Leere. Nun will Gesundheitsminister Jens Spahn bei den Kliniken ansetzen, um mehr Spender zu gewinnen.

Dabei sind die jetzt geplanten Regelungen an sich sinnvoll. In deutschen Kliniken wird im Gegensatz zum Beispiel zu Spanien zu wenig getan, um potenzielle Spender zu identifizieren. Das ist kein böser Wille, sondern liegt an der enormen Arbeitsverdichtung in den Intensivstationen und der unzureichenden Finanzierung der Organentnahme. Es lohnt sich für Krankenhäuser in der Regel nicht, sich um die Organspende zu kümmern. Spahns Pläne können helfen, das zu ändern.

Doch damit wird es nicht gelingen, eine nachhaltige Trendwende zu erreichen. In der Bevölkerung wurde der Manipulationsskandal als Systemversagen wahrgenommen, was der Realität entspricht. Zwar hat es kleinere Korrekturen gegeben. Doch die Strukturen sind weiterhin intransparent und undemokratisch.

Eine demokratisch nicht legitimierte Institution, die Bundesärztekammer, regelt jedes Detail, von der Bestimmung der Regeln für die Wartelisten und die Organvergabe bis hin zur Überwachung. Es gibt letztlich keine staatliche Kontrolle und kaum Möglichkeiten für Betroffene, Entscheidungen juristisch anzufechten.

Bevor es hier nicht zu grundlegenden Reformen kommt, wird das Vertrauen nicht wieder zurückkehren.

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