Lade Inhalte...

Kliniken und Altenheime Pflege mit Anspruch

Es braucht eine Reform der Pflegeausbildung – da sind sich die zuständigen Politiker der Koalition einig. Doch sie finden nicht zu einer Linie. Es gäbe einen Kompromiss.

In der Pflegeausbildung sind Reformen vonnöten. Foto: imago

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte das Vorhaben kürzlich eine der wichtigsten Reformen in dieser Wahlperiode: Der geplante Umbau der Pflegeausbildung sei die Grundlage dafür, den sich ausweitenden Pflegenotstand in Deutschland in den Griff zu bekommen, so der Vize-Fraktionschef. Dumm nur, dass sich die zuständigen Politiker der großen Koalition schon seit Monaten nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können. Gernot Kiefer, Vorstand des Kassen-Spitzenverbandes bemerkte vor einigen Tagen zu Recht in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, der Streit habe inzwischen Züge eines Glaubenskriegs angenommen.

Es geht um die Zusammenlegung der drei bisher getrennten Berufe Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Die Befürworter – zu ihnen gehört die SPD und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) – versprechen sich von der sogenannten Generalistik insbesondere eine Aufwertung der Altenpflege. Hier fehlen die meisten Fachkräfte, hier sind die Löhne am niedrigsten. Die größere Durchlässigkeit zwischen den Berufen soll insgesamt mehr junge Leute für den Pflegeberuf interessieren und zugleich dafür sorgen, dass die Pflegeeinrichtungen gezwungen werden, ihre Beschäftigten besser zu bezahlen.

Das klingt sinnvoll, doch die Skeptiker – das sind große Teile von CDU und CSU in Bundestag – haben sehr nachvollziehbar Argumente auf ihrer Seite. Sie befürchten, dass die Reform den Fachkräftemangel in der Pflege nicht mindern, sondern im Gegenteil sogar verstärken wird. Denn es wird befürchtet, dass die (anspruchsvolle) generalistische Ausbildung für viele junge Leute, die eigentlich Altenpfleger werden wollen, eine zu hohe Hürde darstellt. Begründung: In der Kinderkrankenpflege starten derzeit fast alle Auszubildenden mit einem Abitur, in der Krankenpflege sind es etwa 70 Prozent. Weitere 30 Prozent haben einen Realschulabschluss. In der Altenpflege gibt es hingegen einen Mix, der zu einem Drittel aus Hauptschülern besteht. Angenommen wird, dass sie durch die Reform auf der Strecke bleiben und allenfalls noch (Pflege-)Hilfskräfte werden können. Dabei sei, so merkt der Unions-Pflegeexperte Erwin Rüddel an, in der Pflege Fachwissen zwar nötig, doch ähnlich wichtig seien Empathie und „Herzensbildung“, was sicherlich nicht falsch ist.

Dass eine Reform der Ausbildung grundsätzlich sinnvoll ist, bestreiten auch viele Kritiker nicht. Denn zumindest Alten- und Krankenpflege wachsen immer stärker zusammen. Ein Krankenpfleger sollte sich auch mit Demenz auskennen, die Altenpfleger haben es im Gegenzug immer häufiger mit schwerkranken Menschen zu tun. Eine Lösung des Streits sollte darin bestehen, die einzelnen Berufszweige nicht zu überfordern und ihre Spezialisierungen zu erhalten.

Da keine gesicherten Erfahrungen mit der Generalistik vorliegen, bietet sich der Vorschlag von Kassenverbands-Vorstand Kiefer an. Er hat angeregt, zeitweise mehrere Ausbildungswege parallel zuzulassen und die Ergebnisse dann zu evaluieren. Denkbar wäre zum Beispiel, die klassischen Ausbildungswege zu erhalten und auf freiwilliger Basis die Lehrinhalte der jeweils anderen Pflegeberufe als zusätzliches Element aufzunehmen. Dann kann sich dieser „Pflege-Generalist“ bewähren, ohne Kollateralschäden anzurichten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen