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Klimawandel Risiko von Überschwemmungen steigt

Der Klimawandel lässt das Risiko verheerender Starkregen steigen. Wissenschaftler und Wirtschaft fordern deshalb Kommunen zu einer besseren Vorsorge auf.

Braunsbach
Wassergewalt: Eine Starkregen-Flut überrollte im Mai 2016 die Gemeinde Braunsbach in Baden-Württemberg, Foto: rtr

Am Dienstag gab es wieder einmal Unwetterwarnungen, diesmal für den Alpenrand in Bayern. Bis zu 30 Liter Niederschläge pro Quadratmeter erwartete der Deutsche Wetterdienst dort. Am Wochenende hatten Starkregen, Blitz und Donner vor allem Nordhessen und Niedersachsen heimgesucht. Die Folgen: Bäche traten über die Ufer, Straßen wurden geflutet, Keller liefen voll. Die Autobahn 30 bei Osnabrück musste gesperrt werden, dort stand das Wasser bis zu einen halben Meter hoch. 

Die Erderwärmung verstärkt nach Prognosen von Klimaforschern das Risiko von Starkregenereignissen. Extremniederschläge haben nach Daten aus Europa, den USA und Australien bereits messbar zugenommen, und da die Erwärmung voranschreitet, droht hier eine weitere Verschärfung.

Außerdem verstärkt die weitere Versiegelung von Böden für Siedlungen und Straßen das Problem. Doch kaum eine Stadt oder Gemeinde ist darauf wirklich vorbereitet, wie eine neue Untersuchung zu den Folgen der „Urbane(n) Sturzfluten“ zeigt. „Starkregen ist enorm gefährlich“, sagt Studienautor Professor Wolfgang Günthert vom Institut für Wasserwesen der Münchner Universität der Bundeswehr. Es gebe nämlich keine tagelange Vorwarnzeit wie zum Beispiel beim Hochwasser von Flüssen. „Die Flut kommt quasi von oben – ohne Deich, ohne Schutz.“

Günthert warnt davor, dass die meisten Städte und Gemeinden die Gefahr bisher einfach ausblenden. Das sei fahrlässig, da wegen fehlender Vorsorge bundesweit Milliardenschäden und sogar der Verlust von Menschenleben drohten. Der Professor hält es sogar für notwendig, die Kommunen zu mehr Prävention zu zwingen. Bund und Länder sollten sie beim Schutz gegen den Starkregen zwar unterstützen, sie gleichzeitig aber auch in die Pflicht nehmen, sagte der Experte jetzt auf der Fachmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft (Ifat) in München. Weiter forderte Günthert ein bundesweites Frühwarnsystem.

Konkret sollten die Kommunen dazu verpflichtet werden, spezielle Gefahrenkarten zu erstellen, die für jede Straße und jedes Haus das jeweilige Überschwemmungsrisiko ausweisen – basierend unter anderem auf meteorologischen Daten, der Topografie, Größe und Lage der Grünflächen sowie der Kapazität der Kanalsysteme. Auf dieser Grundlage könne eine effektives Regenwassermanagement entwickelt werden, etwa durch bessere Speicherung und Ableitung der Fluten, die vom Himmel herabstürzen. Bisher liegen laut Studie Konzepte zur Starkregenvorsorge in einzelnen Bundesländern vor, die jedoch „mehr informativen Charakter“ hätten und für Kommunen und Hausbesitzer nicht verbindlich seien. Zum Teil stellen die Länder, so Bayern und Baden-Württemberg, den Kommunen auch Fördermittel zur Starkregenvorsorge zur Verfügung. 

Im Jahr 2017 verursachten Naturereignisse wie Starkregen, Hagel und Stürme in Deutschland nach Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zwar nur unterdurchschnittliche Schäden von zwei Milliarden Euro. Es seien in diesem Jahr hierzulande nur relativ wenige, regional begrenzte Unwetter niedergegangen, während zum Beispiel 2013, 2008 und 2002 Jahre mit sehr hohen Schäden gewesen seien. Allerdings zeigt sich laut GDV eine Verschiebung im Regenmuster. Inzwischen seien regionale Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen innerhalb kürzester Zeit nichts Ungewöhnliches mehr, sagte GDV-Präsident Wolfgang Weiler zu den 2017er-Daten. So waren an den letzten beiden Junitagen in Berlin und Brandenburg innerhalb von 24 Stunden mehr als 200 Liter Regen auf einen Quadratmeter gefallen – ein Viertel des deutschen Jahresdurchschnitts. Ein ähnliches Drama hatte im Juli 2014 die Region um Münster in Westfalen erlebt, wo binnen sieben Stunden bis zu 292 Liter erreicht wurden. Die Stadt war danach für Wochen im Ausnahmezustand. 

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